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Meningokokken – noch immer eine tödliche Gefahr

Im März 2026 ereignete sich ein Ausbruch invasiver Meningokokken-Erkrankungen (IME) in der Grafschaft Kent im Vereinigten Königreich. Der Ausbruchsstamm wurde als Neisseria meningitidis, Serogruppe B, identifiziert. Im Verlauf des Ausbruchsgeschehens erkrankten insgesamt 21 Personen, zwei davon verstarben an der Erkrankung. Der folgende Artikel fasst die wichtigsten Informationen zum Erreger, zur Erkrankung und zu der in diesem Jahr aktualisierten Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zusammen.

DR. MED. AIDA BAJRAKTAREVIC

Meningokokken sind gramnegative, bekapselte Diplokokken, die anhand von Eigenschaften ihrer Kapsel in insgesamt 12 Serogruppen unterteilt werden können. Das einzige Erregerreservoir ist der Mensch: ca. 10 % der Bevölkerung sind asymptomatische Träger dieser Bakterien. Diese (meist apathogenen Stämme) besiedeln vor allem den Nasenrachenraum. Die Übertragung von N. meningitidis erfolgt von Mensch-zu-Mensch über engen Kontakt. Infizierte Personen sind 7 Tage vor Beginn der klinischen Symptomatik und auch noch die ersten 24 Stunden nach Beginn einer adäquaten antibiotischen Therapie ansteckend.

IME werden weltweit vor allem durch die Serogruppen A, B, C, W, X und Y und in Deutschland vor allem durch die Serogruppen B, C, W und Y verursacht. Die Inzidenz der Erkrankung ist niedrig: Seit 2004 zeigt sich in Deutschland ein kontinuierlicher Rückgang. Sie liegt aktuell in Deutschland bei 0,4 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Während der SARS-CoV-2-Pandemie fiel sie noch weiter ab, was sich durch die Kontaktbeschränkungen und verschärften Hygienemaßnahmen erklären lässt. Aktuell ist die Inzidenz jedoch wieder so hoch wie vor der Pandemie.

IME können in jedem Alter auftreten, allerdings zeigen sich zwei Häufigkeitsgipfel: der erste in den ersten beiden Lebensjahren und der zweite im Alter von 15 bis 19 Jahren. In den verschiedenen Altersgruppen dominieren unterschiedliche Serogruppen: bei Säuglingen und Kleinkindern dominiert die Serogruppe B, bei Jugendlichen lassen sich zusätzlich vermehrt auch die Serogruppen C, W und Y nachweisen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Invasive Meningokokken-Erkrankungen in Deutschland 2015–2024 (adaptiert nach Robert Koch-Institut) (1)

Der typische Krankheitsverlauf einer IME entwickelt sich nach einer Inkubationszeit von zwei bis 10 Tagen. Die Erkrankung beginnt zunächst mit unspezifischen Symptomen eines oberen Atemwegsinfekts. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer sehr raschen Verschlechterung, und die Patienten entwickeln die Symptome einer IME. Die klassischen Manifestationsformen der IME sind Meningitis und die Sepsis mit dem Waterhouse-Friderichsen-Syndrom als schwerster Verlaufsform mit einer Letalität von ca. 33 %. Seltenere, durch Meningokokken verursachte Infektionen sind Pneumonie, Karditis, Arthritis und Osteomyelitis, Konjunktivitis sowie Urethritis bzw. Zervizitis.

Goldstandard der Labordiagnostik einer IME ist der direkte Erregernachweis aus Blut und Liquor. Es sollte immer ein kultureller Nachweis (jedoch ohne Verzögerung der antibiotischen Therapie!) angestrebt werden, molekulardiagnostische Verfahren können ergänzend eingesetzt werden. Laut aktueller S2k-Leitlinie muss bei Meningokokken-Meningitis die Therapie mit einem Cephalosporin der Generation 3a (Ceftriaxon oder Cefotaxim) erfolgen. Sofern anschließend eine Empfindlichkeit gegen Penicillin nachgewiesen wird, kann hierauf deeskaliert werden. Selbst nach einer leitliniengerechten Therapie bleiben allerdings bei 10 bis 20 % aller Patienten Folgeschäden wie zum Beispiel Intelligenzminderungen oder Hörstörungen. Außerdem werden die Erreger nicht aus dem Nasenrachenraum eradiziert.

Kontaktpersonen von an Meningokokken erkrankten Patientinnen und Patienten sollten eine Chemoprophylaxe mit Rifampicin oder Ciprofloxacin (alternativ Ceftriaxon i.m. oder i.v.) erhalten und hinsichtlich möglicher Symptome einer IME aufgeklärt werden, sodass im Krankheitsfall schnellstmöglich eine Therapie eingeleitet werden kann. Azithromycin sollte Schwangeren vorbehalten bleiben. Die Chemoprophylaxe ist bis zu 10 Tage nach Exposition sinnvoll. Und auch bei den Indexpatienten sollte nach überstandener Erkrankung eine Erregereradikation mit Rifampicin durchgeführt werden, sofern die Therapie nicht mit Ceftriaxon bzw. Cefotaxim erfolgte. Falls eine impfpräventable Serogruppe ursächlich für die Erkrankung war, sollten die Kontaktpersonen eine entsprechende Impfung erhalten, da in dieser Gruppe innerhalb eines Jahres trotz erfolgter Chemoprophylaxe ein erhöhtes Risiko für eine IME besteht.

Erfreulicherweise können diese schweren Erkrankungen verhindert werden: Es existieren wirksame Meningokokken-Impfstoffe, jedoch nur gegen fünf der insgesamt 12 Meningokokken-Serogruppen (Serogruppen A, B, C, W und Y). Von der STIKO werden der monovalente Impfstoff gegen die Serogruppe B und der quadrivalente Impfstoff gegen die Serogruppen A, C, W, Y, jedoch nicht mehr der monovalente Impfstoff gegen die Serogruppe C empfohlen. In Tabelle 1 sind die aktuellen STIKO-Empfehlungen zusammengefasst (Stand 22. Januar 2026). Detaillierte Angaben mit der vollständigen Impfempfehlung finden sich im Epidemiologischen Bulletin 4/2026.

Tabelle 1: Zusammenfassung Impfempfehlung der STIKO, Stand 22. Januar 2026.

Es besteht nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 IfSG eine namentliche Meldepflicht für den Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie den Tod an Meningokokken-Meningitis oder -Sepsis. Und das Labor muss nach § 7 Abs. 1 IfSG den direkten Nachweis von N. meningitidis aus Liquor, Blut, hämorrhagischen Hautinfiltraten oder anderen normalerweise sterilen Substraten melden, soweit er auf eine akute Infektion hinweist.

Und schließlich zur Ausbruchsverhütung ganz wichtig: Nach § 34 Abs. 6 IfSG müssen Leitungen einer Gemeinschaftseinrichtung das zuständige Gesundheitsamt unverzüglich benachrichtigen, wenn in ihrer Einrichtung betreute oder betreuende Personen an einer Meningokokken-Infektion erkrankt oder dessen verdächtig sind!

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Literatur

  1. www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/Meningokokken/FAQ-Liste_gesamt.html#entry_16871090 (abgerufen am 29.04.2026)
  2. RKI-Ratgeber Meningokokken, invasive Erkrankungen (Neisseria meningitidis). www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Meningokokken.html (abgerufen am 29.04.2026)
  3. ukhsa.blog.gov.uk/2026/03/18/meningitis-b-outbreak-what-you-need-to-know (abgerufen am 29.04.2026)
  4. www.gov.uk/government/publications/invasive-meningococcal-disease-statistical-releases/notified-cases-of-invasive-meningococcal-disease (abgerufen am 29.04.2026)
  5. www.who.int/europe/news/item/25-03-2026-meningitis-b-outbreak-in-the-united-kingdom (abgerufen am 29.04.2026)
  6. Ständige Impfkommission. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2026. Epid Bull. 2026;4:1–79. DOI 10.25646/13636.3
  7. Pfister HW, Klein M et al. Ambulant erworbene bakterielle Meningoenzephalitis im Erwachsenenaltre. S2k-Leitlinie, 2023. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 29.04.2026)
  8. WHO guidelines on meningitis diagnosis, treatment and care. Geneva: World Health Organization; 2025. Licence: CC BY-NC-SA 3.0 IGO.

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