Apolipoprotein E und Lecanemab (Leqembi®)
Der monoklonale Antikörper Lecanemab ist gegen die, für die Entwicklung einer Alzheimer-Krankheit (AD) pathophysiologisch wichtigen, Amyloid-Plaques gerichtet. Das Medikament kann den Krankheitsverlauf im frühen Stadium der AD verlangsamen.
Unerwünschte Nebenwirkungen können hier u. a. aus einer übersteigerten Immunreaktion resultieren. Diese lokalen Reaktionen im Hirngewebe werden unter dem Oberbegriff „amyloid-related imaging abnormalities“ (ARIA) zusammengefasst. Sie präsentieren sich z. B. als Ödem (ARIA-E) oder Mikroblutungen (ARIA-H) im Hirnparenchym. Das Risiko, ARIA im Rahmen einer Lecanemab-Therapie zu entwickeln, steigt mit zunehmender Plaquedichte und ist mit dem APOE-Genotyp assoziiert.
Im November 2024 hat der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) eine positive Empfehlung für die Zulassung von Leqembi® mit dem Wirkstoff Lecanemab für die Alzheimer-Therapie ausgesprochen. Die entsprechende Zulassung erteilte die Europäische Kommission am 15. April 2025. Zugelassen ist Lecanemab zur Behandlung einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (Gedächtnis- und Denkstörungen) oder einer leichten Demenz in frühen Stadien der AD.
Vor dem Beginn der Behandlung mit Lecanemab ist ein Gentest erforderlich.
Lecanemab ist für diejenigen Alzheimer-Patienten indiziert, die „nur eine oder keine Kopie des APOE4-Allels“ aufweisen. Dies trifft für rund 85 % aller Menschen mit Alzheimer zu. Bei ihnen ist die Wahrscheinlichkeit für ARIA geringer als bei Menschen mit APOE4-Homozygotie (ca. 15 % der Betroffenen).
Eine Testung auf den APOE4-Status sowie eine entsprechende Aufklärung sollte vor Einleitung der Behandlung durchgeführt werden, um das Risiko der Entwicklung einer ARIA abzuschätzen.
https://ec.europa.eu/health/documents/community-register/2025/20250415164782/anx_164782_en.pdf
Im Labor 28 führen wir die molekulargenetische Untersuchung des APOE-Gens (APOE-Genotypisierung) mittels Real-Time PCR durch. Für diese Untersuchung wird EDTA-Blut und eine Einwilligung nach GenDG benötigt. Bei der Anforderung bitten wir um den Hinweis auf die geplante Lecanemab-Therapie.
Hämatologie: BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit)-Bestimmung – neue Gerätegeneration ALIFAX Test1 2.0
Ab 17.03.2025 wird für die automatisierte BSG-Bestimmung (Methode: quantitative Kapillarphotometrie) eine neue und aktualisierte Gerätegeneration in unserem Labor eingesetzt. Der Hersteller (Fa. Alifax S.p.A.) gibt an, dass die Aggregation der Erythrozyten dabei stark mit den Endpunkt-Ergebnissen der klassischen Westergren-Methode korreliert, jedoch nicht von Interferenzen betroffen ist.
Unsere Validation konnte zeigen, dass insbesondere außerhalb des Referenzbereichs (Frauen >= 25 mm/h, Männer >= 20 mm/h) höhere Werte (mittlere Abweichung bis zu 40 %) im Gegensatz zu den Vorgänger-geräten (siehe Abbildung) gemessen werden. Wie vom Hersteller angegeben, korrelieren diese höheren Werte besser mit der klassischen Westergren-Methode.
Diese Veränderung sollte insbesondere bei einer Longitudinalbeurteilung mitberücksichtigt werden.
Gerinnungsdiagnostik: Multiplate® Analyzer
Ab 03.03.2025 benötigen wir für die Multiplate-Untersuchung ein Hirudinröhrchen (bisher Li-Heparin- Röhrchen). Diese können Sie gerne wie gewohnt in unserem Materiallager bestellen.
Die Präanalytik für die Multiplate-Untersuchung verändert sich durch die Umstellung nicht. Eine Blutentnahme im Labor 28 ist für die optimale Bestimmung weiterhin zu präferieren. Sollten Sie in Ihrer Praxis das Blut abnehmen, so ist die vollständige Befüllung des Hirudinröhrchens (1,6 ml) von großer Bedeutung.
Verbesserung der Diagnostik von EHEC (enterohämorrhagische Escherichia coli) im Stuhl
Nachdem wir in den vergangenen Jahren bereits die PCR-Diagnostik von Parasiten und Viren im Stuhl von ELISA-Verfahren auf sensitivere Nachweise mittels PCR umgestellt hatten, geschieht dasselbe nun auch ab 17.02.2025 für den für Nachweis von EHEC (enterohämorrhagische Escherichia coli).
Bei den Anforderungen „Stuhl auf pathogene Keime“ oder „Stuhl auf E+R“ wird automatisch eine PCR-Untersuchung für den EHEC-Nachweis durchgeführt. Bislang wurden diese Proben zunächst mit einem ELISA auf das Vorliegen von Shigatoxin gescreent und hierin positive Proben dann am Folgetag mittels PCR untersucht. Nur bei Kindern < 3 Jahren wurde bereits eine PCR durchgeführt, um neben EHEC auch EPEC zu erkennen, die v. a. in dieser Altersgruppe relevante Gastroenteritiserreger sind.
Nach der Umstellung werden zukünftig alle Proben mit der sensitiveren PCR untersucht, und wir können Ihnen außerdem die Befunde schneller mitteilen, da die bisherige Zweistufigkeit entfällt. Selbstverständlich kann die Untersuchung auf EHEC auch weiterhin einzeln angefordert werden.
Diese Umstellung ist nicht nur eine deutliche Verbesserung der Diagnostik durch die Verwendung einer sensitiveren Nachweismethode als zuvor sowie die schnellere Befundübermittlung, sondern auch wirtschaftlicher, da bei den Anforderungen „Stuhl auf pathogene Keime“ oder „Stuhl auf E+R“ die EHEC-PCR neben der ebenfalls durchgeführten Norovirus-PCR mit 7,23 EUR (GOP 32853, bei Angabe der 32006 gegenüber der KV nicht budgetbelastend) verglichen mit dem zuvor durchgeführte ELISA (GOP 32705: 8,56 EUR) berechnet wird.