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LaborInfo 67

Blutungsgefahr bei reifen Neugeborenen

Mütterliche Antikörper gegen kindliche Thrombozytenmerkmale sind die häufigste Ursache schwerer Thrombopenien bei reifen Neugeborenen.(1) Diese Antikörper sind gegen humane Plättchen-Antigene (HPA) gerichtet, meist gegen HPA-1a (in 75% der Fälle, s. Abbildung). Eine Immunisierung gegen dieses Antigen tritt bei einer von 365 Schwangerschaften auf, und eine fetale bzw. neonatale Immunthrombopenie (FAIT bzw. NAIT) wird in der Hälfte der Fälle beobachtet.

Eine kindliche Thrombopenie tritt oft erst am 2./3. postpartalen Tag auf. Mögliche kindliche Symptomatik: Petechien, Organblutungen, intrakranielle Blutungen. Mütterliche Symptomatik: Keine Nachweis im mütterlichen Serum (immunologisch)

Von diesen haben 50% eine Thrombopenie mit weniger als 20 x 109 /L. Zu den schweren Komplikationen zählen intrakranielle Blutungen. Sie treten, bezogen auf alle Schwangerschaften, bei etwa einer von 15000 Geburten auf.(2) Das entspricht 1-2 Fällen pro Jahr in Berlin. Im Unterschied zum M. haemolyticus neonatorum (MHN) ist bei der kindlichen Immunthrombopenie in 50% der Fälle bereits das erste Kind betroffen.

Die ursächlichen Antikörper gegen Thrombozyten können im mütterlichen Nativblut präpartal bestimmt werden, bevor eine resultierende Thrombopenie zu Komplikationen wie intrakraniellen Blutungen führt. Der beste Untersuchungszeitpunkt kann beispielsweise im Bereich der 34. Schwangerschaftswoche bei der ersten Schwangerschaft und bei Folgeschwangerschaften am Beginn liegen.(3)

HPA

Wenn Antikörper vorhanden sind, kann der Verlauf sorgfältiger überwacht werden, und ein therapeutisches Eingreifen ist zeitnah möglich. Bei fetalen bzw. neonatalen Thrombopenien mit Werten unter 30 x 109 /L wird empfohlen, der Mutter präpartal intravenöse Immunglobuline zu geben,(4) oder die Schwangerschaft kann um 2-4 Wochen verkürzt werden.(5) Postpartal (und in schweren Fällen auch vor der Geburt) können dem Kind Thrombozytenkonzentrate transfundiert werden.(6)

Anforderung: freie Thrombozyten AK

Material: 1 ml Serum

Literatur:

  1. Burrows RF, Kelton JG. Fetal thrombocytopenia and its relation to maternal thrombocytopenia. N Engl J Med 1993;329(20):1463-1466
  2. Ghevaert C, Campbell K, Walton J, et al. Management and outcome of 200 cases of fetomaternal alloimmune thrombocytopenia. Transfusion 2007;47(5):901-910
  3. Kanhai HHH, Porcelijn L, Engelfriet CP, et al. Management of alloimmune thrombocytopenia. Vox sang 2007;93:370-385
  4. Gibson BE, Todd A, Roberts I, et al. Transfusion guidelines for neonates and older children. Br J Haematol 2004;124(4):433-453
  5. Kjeldsen-Kragh J, Killie MK, Tomter G, et al. A screening and intervention program aimed to reduce mortality and serious morbidity associated with severe neonatal alloimmune thrombocytopenia. Blood 2007: 110:833-839
  6. Kiefel V, Bassler D, Kroll H, et al. Antigen-positive platelet transfusion in neonatal alloimmune thrombocytopenia (NAIT). Blood 2006;107(9):3761-3763

Stand: Januar 2008

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