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LaborInfo 46a

Andrologie

Diagnostik der Infertilität und des Hypogonadismus des Mannes

Endokrine Basisdiagnostik bei V.a. Hypogonadismus/ Infertilität:

Testosteron, SHBG, LH, FSH, sowie ggf. Prolaktin


Ejakulatanalyse:

dient zur Abklärung einer Fertilitätsstörung

Erektile Dysfunktion:

Testosteron, SHBG, Prolaktin, Routinelabor, sowie ggf. LH, Östradiol

V. a. Hodentumor:

AFP, HCG, Östradiol

Gynäkomastie:

Testosteron, SHBG, Östradiol, LH, FSH,
Prolaktin, TSH, AFP und β-HCG

sowie Leber und Nierenwerte
(vollständige Diagnostik wird empfohlen; s.a. Labor-Info 41/Gynäkomastie)

Zu den einzelnen Hormonen:

Jede Störung der exokrinen und endokrinen Hodenfunktion wird als Hypogonadismus bezeichnet. Die klinischen Symptome des Hypogonadismus sind daher Infertilität oder Zeichen des Androgenmangels oder eine Kombination von beidem.

Wegen der Abhängigkeit der Spermatogenese von Andro-genen führt eine endokrine Hodeninsuffizienz oft auch zur Infertilität, während umgekehrt die Infertilität in der Mehrzahl der Fälle auch ohne Zeichen eines Androgenmangels einhergeht.

 

Bei einem Teil der Männer im fortgeschrittenem Lebensalter werden erniedrigte Testosteron-Werte gefunden.

Der in unserem Labor benutzte Referenzwert des Testosterontestes repräsentiert die gesamte Altersspanne.

Biologisch aktives Testosteron
Die Messung von Gesamttestosteron oder von freiem Testosteron erfasst das biologisch aktive Testosteron nur annäherungsweise. Ein geeigneter Test zur Bestimmung des biologisch aktiven Testosterons ist noch nicht verfügbar. Bei Männern ist der Gesamttestosteronwert gegenüber der Messung des freien Testosterons aussagefähiger.
Endokrinologen empfehlen neben Gesamttestosteron die parallele Messung von SHBG, da mit Berechnung des Androgenindex ein zusätzlicher Faktor zur Beurteilung des biologisch aktiven Testosterons zur Verfügung steht.

Testosteron
Testosteron im Serum ist die wichtigste Labormessgröße, um den klinischen Verdacht auf einen Hypogonadismus zu bestätigen und einen Androgenmangel zu dokumentieren. Bei der Beurteilung der ermittelten Testosteronwerte müssen Tagesschwankungen - morgendliche Werte liegen im Schnitt 20% höher als abendliche - und kurzfristige Oszillationen berücksichtigt werden.
Bei grenzwertig normalen oder pathologischen Befunden reicht die Bestimmung eines einzelnen Testosteronwertes nicht aus. In diesen Fällen sollten entweder an verschiedenen Tagen entnommene Proben oder ein Poolserum aus 2-3 in 15 minütigen Abständen gewonnenen Blutproben zusammen mit SHBG untersucht werden. Kurze intensive körperliche Anstrengung kann zu einer Erhöhung, längerfristige, erschöpfende körperliche Arbeit, Stress, Drogen und Medikamente sowie praktisch jede schwere Erkrankung können zu einem Abfall der Serumkonzentration führen.

Freies Testosteron
Während bei Hyperthyreose und unter Antiepileptika SHBG und somit Gesamttestosteron ansteigen können, sinken SHBG und Gesamttestosteron bei Adipositas. In diesen Fällen empfiehlt sich die Bestimmung des freien Testosterons.

LH
Hypogonadismus mit hohem LH weist auf eine testikuläre Schädigung hin, niedriges LH mit fehlenden Pulsen spricht für eine hypophysär-hypothalamische Störung.

FSH ist neben der Ejakulat-
untersuchung wichtigster Laborparameter in der Fertilitätsdiagnostik.

FSH
Inverses Verhalten zu Spermatogenese: hohes FSH bei kleinen (< 6 ml) festen Testes lässt an ein Klinefelter-Syndrom denken. Erhöhtes FSH, normale Hodengröße und reduzierte Ejakulatparameter weisen auf eine primäre Spermatogenesestörung hin. Pathologisch niedriges FSH belegt eine hypophysär-hypothalamische Ursache.

HCG-Test (s.a. Labor 28-Leistungsverzeichnis):
Mit dem HCG-Test wird die endokrine Reservekapazität des Testes überprüft und kann zwischen Kryptorchismus und Anorchie differenziert werden.

Prolaktin
Hyperprolaktinämie vermindert die hypothalamische Sekretion von GnRH und führt so zum sekundären Hypogonadismus. Verminderte Libido, Potenz und Infertilität sind die führenden Symptome und fast immer vorhanden. Etwa 30% der Männer entwickeln eine Gynäkomastie. Erhöhte Prolaktinspiegel in Kombination mit verminderten Werten von LH, FSH und Testosteron bestätigen die Diagnose. Geringgradige Erhöhungen können auch durch Stress und Medikamente bedingt sein. Bei dauerhaft hohen Werten ist ein Prolaktinom auszuschließen.

GnRH-Test (s.a. Labor28-Leistungsverzeichnis) dient zur Differenzierung:

  1. zwischen niedrig normalen und pathologisch niedrigen LH und FSH.
  2. zwischen hypothalamischen und hypophysärem Hypogonadismus
  3. zwischen konstitutioneller Pubertas tarda und idiopathischem hypogonadotropen Hypogonadismus.

Beschreibende Terminologie der Ejakulatbefunde

Normozoospermie

normale Ejakulatbefunde

Oligozoospermie

Spermienkonzentration < 20 x 106/ml

Teratozoospermie

< 30 % normal geformte Spermien

Asthenozoospermie

Motilität a (schnelle) + b (langsame) < 50 %

Oligoasthenoteratozoospermie

gleichzeitiges Vorliegen der 3 vorher genannten Befunde

Azoospermie

keine Spermien im Ejakulat

Aspermie

kein Ejakulat

Stand: Januar 2007

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