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LaborInfo 27

Der Retikulozytenproduktionsindex (RPI) in der Anämiediagnostik

Bei Vorliegen einer Anämie wird eine weitere Charakterisierung vorgenommen anhand

  1. der Größe der Erythrozyten             mikro-, makro-, normozytäre Anämie
  2. des Hb-Gehaltes der Erythrozyten   hypo-, hyper-, normochrome Anämie
  3. von Hämolyseparametern                hämolytische Anämie
  4. der Retikulozytenzahl                     hypo-, hyperregenerative Anämie

Hkt

Reifungszeit im Blut

45 %

  1 Tag

35 %

  1,5 Tage

25 %

  2 Tage

15 %

  2,5 Tage

Die Retikulozyten werden im Laborbefund als Anteil der Erythrozyten angegeben (im Labor 28 pro 100 Erythrozyten, also in Prozent). Dies birgt aber zwei Fehlerquellen: Bei erniedrigtem Hämatokrit wird ein falsch hoher Retikulozytenanteil ermittelt.

Hinzu kommt, dass ein Retikulozyt normalerweise 3 Tage im Knochenmark reift und nur 1 Tag im peripheren Blut zirkuliert. Bei einer verstärkten Ery­thropoese kommt es aber zu einem schnelleren Auswandern aus dem Knochenmark (vergleichbar der Linksverschiebung der weißen Blutzellen bei Infekt) und einer verlängerten Verweildauer im Blut.

Um eine genaue Aussage über die Regenerationsfähigkeit des Knochen­marks zu erhalten, muss man diese Faktoren berücksichtigen und die Retikulozytenzahl in Abhängigkeit vom aktuellen Hämatokrit nach unten korrigieren. Dies geschieht durch Ermittlung des Retikulozytenproduktionsindex:

RPI =       Retikulozyten               x    tatsächlicher Hämatokrit
               Reifungszeit im Blut    x    0,45 (Ideal-Hämatokrit)

Wird Ihrerseits die Retikulozytenzahl und ein Blutbild angefordert und es liegt eine Hämoglobinerniedrigung vor, wird bei Erwachsenen zukünftig automatisch kostenneutral der RPI für Sie berechnet.

RPI > 3
Effektive Erythropoese
( hyperregenerativ)

  • akute Blutung
  • hämolytische Anämie
  • Behandlung von Mangelanämien
  • Therapie mit Erythropoetin
  • Erholung der Erythropoese nach Chemotherapie

RPI < 2
Ineffektive Erythropoese
(= hyporegenerativ)

  • Eisen-, Folsäure-,
    Vitamin B12-Mangel
  • Anämie bei chron. Erkrankung (Infekt, Tumor)
  • Niereninsuffizienz
  • Myelodysplastisches Syndrom

Stand: August 2009

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