I. Notfall-Programm
Zellzahl und ggf. Differenzierung
Bei der herkömmlichen Kammerzählung sind physiologischerweise bis zu 4 kernhaltige Zellen/µl zu erwarten, wobei es sich um Monozyten oder Lymphozyten handelt. Granulozyten und Erythrozyten sollten nicht nachweisbar sein. Liquor erscheint trübe ab Zellzahlen >1.000/µl und eitrig ab >10.000 Leukozyten/µl.
Im Labor 28 wird aufgrund der kürzeren Analysenzeiten die Zellzählung und -differenzierung i.d.R. automatisiert durchgeführt. Es handelt sich um eine durchflusszytometrische Zählung der Leukozyten und Erythrozyten. Ab Zellzahlen > 10/µl werden Neutrophile, Lymphozyten und Monozyten maschinell und manuell differenziert.
Eine zytopathologische Untersuchung kann automatisiert nicht erfolgen. Bei entsprechendem Verdacht können hierzu Zytofugen-Präparate hergestellt und an ein pathologisches Institut weitergeleitet werden.
Klinisch-chemische Parameter
Gesamteiweiß: Lumbaler Liquor ist normalerweise eiweißarm (ca. 0,5% des Serumeiweißes). Proteinanstiege sind bedingt durch Permeabilitätsstörung der Blut-Liquor-Schranke und/oder durch verlangsamten Liquorfluss (bei entzündlichen, degenerativen und bösartigen Prozessen).
Die Eiweißbestimmung erfolgt turbidimetrisch i.d.R. am Tag des Probeneingangs.
Lactat: Bei der Beurteilung der Lactat-Konzentration im Liquor ist keine Relation zum Blutspiegel erforderlich. Die Referenzbereiche sind altersabhängig.
Deutliche Lactaterhöhungen werden bei akuter bakterieller und tuberkulöser Meningitis, bei Lymphomen, Metastasen, Leukämien und bei der Neurosarkoidose erwartet.
Glucose: Der lumbale Glucosespiegel sollte > 50% der Glucosekonzentration des Blutes betragen. Erkrankungen, die zu starkem Liquor-Eiweißanstieg führen (insbesondere akute bakterielle und tuberkulöse Meningitis, aber auch akute intracerebrale Blutung und ZNS-Tumore) verursachen einen besonders starken Glucoseabfall.
Gram-Färbung und Bakterien-Schnelltest
Bei V. a. akute bakterielle ambulant erworbene Meningitis sollten beide Untersuchungen durchgeführt werden. Mit dem Antigen-Schnelltest (Latex-Agglutination) werden folgende Erreger erfasst: Streptococcus pneumoniae, Neisseria meningitidis (Gruppe A, B, C) sowie Haemophilus influenzae Typ b. Auch bei antibiotisch anbehandelter Meningitis kann der Test noch positiv werden, da auch abgetötete Bakterien erfasst werden. Der Schnelltest ist nicht sinnvoll bei nosokomialer Meningitis, da hier andere Erreger ursächlich beteiligt sind.
Mittels Gram-Färbung können grampositive von gramnegativen Kokken und Stäbchen unterschieden werden.
Üblicherweise sind bei bakteriellen Meningitiden hohe Zellzahlen (>800/µl) richtungsweisend und veranlassen zur bakteriologischen Untersuchung.
Cave apurulente bakterielle Meningitis!:
Die bakteriologische Untersuchung bei V.a. akute Meningitis sollte nicht allein von der Zellzahl abhängig gemacht werden! Durch Verbrauchsneutropenie kann es zu niedriger Zellzahl kommen, obwohl massenhaft Bakterien im Liquor vorhanden sind. Ein ähnliches Bild findet man bei „präneutrophilem Bakterieneinbruch“ im Rahmen primär septisch bedingter Meningitiden.
Lesen Sie weiter im nächsten Teil: II. Basisprogramm.....
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