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Lab 28 - Ausgabe März 2010


 

Über das schwierige Verhältnis zwischen BWL und Medizin

 

Es gibt viele Menschen, häufig Mediziner, die in der Betriebswirtschaftslehre das Unmenschliche, Kalte und Profitorientierte sehen. Patientenbedürfnisse und eine intakte Arzt-Patienten-Beziehung könnten am besten ohne die betriebswirtschaftliche Gängelung befriedigt werden bzw. gedeihen.

Lab28 - Ausgabe März 2010

BWL und Medizin
Hämatologische Diagnostik
Labordiagnostik der Multiplen Sklerose (MS)
Typischer Befund bei MS
Altershypothyreose: Behandlungsindikation und TSH
Cystatin C im Serum - Biomarker d. Niereninsuffizienz
Sauberes Wasser
Polyurie - Differenzierung und Laboruntersuchungen
Kleine Fehler - Große Wirkung: Materialzuordnung
Aktuelle Aspekte zur uterinen Blutungsstörung
Steuertipp I/2010

Da die Medizin eine knappe und teure gesellschaftliche Ressource ist, besteht ein hoher Handlungsdruck für eine effiziente Organisation. Das medizinische Wirken ist nicht automatisch gerecht verteilt und schon gar nicht ist es von Natur aus effektiv. Effizient kann es erst werden durch Vernetzung, Standardisierung und Transparenz. Der Preis liegt erst einmal in einer erhöhten Dokumentation (leider in der Nähe zur ungeliebten Bürokratie), die aber bei einer intelligenten Struktur und Mechanik durchaus positive Auswirkungen auf den Ablaufprozess haben kann.
Beispielsweise hat der mühevolle Akkreditierungsakt des Labors durchaus viele Vorteile bei der Transparenz und Reproduzierbarkeit der Prozesse ergeben. Auch das heikle Thema Qualität der medizinischen Leistung kann und muss perspektivisch bewertet werden.


Probeneingang und Verteiler:
Szenen aus dem Alltag

Bei der Etablierung der DRG (Diagnosis Related Groups) für die Krankenhäuser wurde der Ist-Zustand einiger Routine-OP inkl. Vorbereitung, Nachsorge und Erfolg bundesweit erfasst. Für viele Experten war das dramatisch differierende Ergebnis in puncto Zeit, Qualität und Kosten keine Überraschung. Der längere Krankenhausaufenthalt ist zwar in der Regel der teuere, aber a priori nicht der bessere.

Ein gutes Beispiel für ineffiziente Abläufe bietet der Laboralltag: In der Arztpraxis werden die  Laboranforderungen aus dem Praxis-PC-System auf die Formulare gedruckt und diese im Labor wieder für den Labor-PC eingescannt (zwangsläufig mit Qualitätsverlusten und erheblichem personellem Aufwand). Schon heute wären viel einfachere und preiswertere Wege möglich bei einem erheblichen Qualitäts- und Sicherheitsgewinn.

Grundsätzlich liegt in dem Ansatz der e-Card eine riesige Chance. Transparenz ist die Voraussetzung für Effizienz. Das Instrumentarium der Wirtschaftswissenschaft ist auf messbare Größen angewiesen. Das derzeitig wirkende koalitionsgemäße Moratorium des potenziellen Erfolgsprojektes muss leider als rückwärtsgewandt eingestuft werden.

Zukünftig wird immer bewusster werden, dass medizinische Leistungserbringung ohne betriebswirtschaftliche Einbettung nicht mehr möglich ist. Effiziente Medizin kann sich nur im Rahmen einer gut funktionierenden Organisation entfalten. Fast jeder, der als Patient das Vergnügen hatte, im Krankenhaus zu verweilen, ist durchaus mit dem ärztlichen Einsatz und der Kompetenz zufrieden gewesen. Eine gewisse Fassungslosigkeit ist häufig über gravierende Kommunikationsschwächen und Prozessholprigkeiten entstanden. Auf diese Weise werden medizinische Kapazitäten und Ressourcen verbrannt! Die Wirtschaftswissenschaft ist eben nicht (nur) Kälte und Profitgier, sondern der sinnvolle Katalysator, das Potenzial der Medizin „ankommen“ zu lassen.

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