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Lab 28 - Ausgabe März 2010


 

Cystatin C im Serum - Biomarker der Niereninsuffizienz

 

Bei errechneter glomerulärer Filtrationsrate (eGFR) zwischen 70 und 40 ml/min ist die Bestimmung von Cystatin C eine Kassenleistung.

Cystatin C ist ein Plasmaprotein, das von allen kernhaltigen Zellen in konstanter Rate gebildet wird. Es wird glomerulär filtriert und im Tubulus reabsorbiert und metabolisiert. Die Serumkonzentration ist weitgehend unabhängig von Muskelmasse und Geschlecht. Somit ist Cystatin C ein guter Marker zur Beurteilung der Nierenfunktion. Bei einer GFR von unter 70 ml/min ist der Anstieg von Cystatin C stärker als bei Kreatinin. Ab dem 50. Lebensjahr steigt Cystatin C altersabhängig an und korreliert zum Abfall der GFR.

Bei der Interpretation der Cystatin C-Serumwerte ist zu beachten, dass niedrige Werte bei Hypothyreose vorkommen, während Hyperthyreose, Glukokortikoid-Therapie und Rauchen zu höheren Werten führen können. Aus dem Cystatin C-Wert wird die GFR berechnet und im Befundausdruck mitgeteilt.

Cystatin C versus MDRD-Formel
Die MDRD-Formel (siehe Laborinformation 117) berechnet die GFR anhand Serumkreatinin, Lebensalter und Geschlecht (für Patienten mit schwarzer Hautfarbe ist der Korrekturfaktor von 1,18 zu beachten). Die MDRD-Formel ist an Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz ermittelt worden. Es wird vorausgesetzt, dass erniedrigte MDRD-GFR-Werte nach drei Monaten kontrolliert werden.

Die MDRD-Formel hat zwei besondere Nachteile:

  • Die Formel schätzt bei Normalpersonen die GFR um bis zu 29 % zu niedrig!
  • In der Stadieneinteilung 2 und 3 (GFR 30-90) der chronischen Niereninsuffizienz werden zu hohe Stadien errechnet, in den Stadien 4 und 5 (GFR unter 30) wird richtig klassifiziert. Die Verlaufskontrolle der chronischen Nierenerkrankung mit der MDRD-Formel wird dadurch erschwert.

Die mit Cystatin C berechnete GFR zeigt gegenüber der kreatininbasierten MDRD-Formel bei folgenden Patientengruppen besondere Vorteile:

Hintergrund:
Eine chronische Nierenerkrankung ist definiert als eine Minderung der GFR unter 60 ml/min für mehr als drei Monate. Bei GFR über 60 liegt ebenfalls eine Nierenerkrankung vor, wenn eine Albuminurie nachgewiesen ist oder Anzeichen einer Nierenschädigung in der Bildgebung oder Nierenbiopsie bestehen.
Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion haben ein deutlich erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität!

Kinder: Kreatinin ist bei Kindern niedrig und die Bestimmung im unteren Messbereich wenig zuverlässig. Deshalb wird bei einem Alter unter 16 Jahren kein MDRD-GFR-Wert mitgeteilt.

Ältere Menschen: Bedingt durch physiologische Einschränkung der Nierenfunktion und Abnahme der Muskelmasse korreliert Cystatin C besser mit der Inulinclearance als die MDRD-GFR.

Diabetiker: Frühe Stadien der Niereninsuffizienz werden zuverlässiger erkannt als durch die MDRD-Formel.

Muskelschwäche, Beinamputierte, Querschnittsgelähmte: Aufgrund geringer Muskelmasse ist die Kreatininbildung gering und eine Niereninsuffizienz wird mit der MDRD-Formel zu spät erkannt.

Leberzirrhose: Die Einschränkung der GFR wird durch Kreatinin erst spät erkannt, da der Kreatininmetabolismus in der Leber vermindert abläuft.

Zytostatikatherapie: Die Nephrotoxizität von Cisplatin ist dosisabhängig und eine Einschränkung der GFR wird anhand der cystatinbasierten eGFR früher erkannt als anhand der MDRD-GFR.

Literatur:
Thomas Ch, Thomas L. Niereninsuffizienz-Bestimmung der glomerulären Funktion, Dtsch Arztebl Int 2009; 106(51-52): 849-54

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