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Lab 28 - Ausgabe März 2009


 

ADAMTS13 - neue diagnostische Möglichkeiten der thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (TTP)

 

Thrombotische Mikroangiopathien stellen eine heterogene Gruppe von vital bedrohlichen Erkrankungen dar, deren gemeinsames Merkmal die mikrovaskuläre Okklusion ist. Ihre wichtigsten Vertreter sind die thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP), die vor allem bei Erwachsenen auftritt, und das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). das häufiger im Kindesalter vorkommt.

Lab28 - Ausgabe März 2009

Mengenspiele
Gynäkomastie: Diagnostik und Therapie
Hohes TSH unter L-Thyroxin-Therapie
Mentzer-Index
ADAMTS13
Kardiale Mortalität
Fibroblast Growth Factor 23
Probleme bei der Datenzuordnung
Steckbrief: Noroviren
Antibiotika-Resistenz-Surveillance
Zentrum für Vasculäre Malformationen bei Kindern
Steuertipp: Wichtige Neuerungen 2009

Klinisch findet sich bei beiden eine Thrombozytopenie und eine hämolytische Anämie. Als Ausdruck einer mechanischen Erythrozytenschädigung infolge teilverschlossener Arteriolen und Kapillaren fallen im Blutausstrich typischerweise zahlreiche Fragmentozyten auf. Zusätzliche klinische Merkmale wie Fieber, neurologische Symptome (vorwiegend bei der TTP) und Niereninsuffizienz (überwiegend beim HUS) können unterschiedlich ausgeprägt sein.

1924 wurde die TTP erstmals durch Moschcowitz an hand einer 16-jährigen Patientin beschrieben, die nach plötzlich einsetzenden petechialen Blutungen, Anämie, Fieber und neurologischer Symptomatik verstarb. Autoptisch fanden sich hyaline Thromben in der Mikrozirkulation. In den 1980er Jahren gelangen entscheidende Fortschritte hinsichtlich der Klärung der Ätiologie und Pathophysiologie. Im Plasma von Patienten mit rezidivierender HP konnten ungewöhnlich große von­Willebrand-Faktor-Multimere nachgewiesen werden, welche die Bildung von Plättchenaggregaten unter hohem Scherstress in der Mikrozirkulation begünstigen. Das Vorhandensein von solchen supranormalen vWF-Multimeren konnte 1996 ursächlich auf das Fehlen einer spezifischen vWF-spaltenden Protease zurückgeführt werden. Diese ist Mitglied einer Familie von Metalloproteasen und wurde ADAMTS13 genannt (Abkürzung von: a disintegrin and metalloprotease with thrombospondin-1-like domains 13).

 Wirkung von ADAMTS13
Abb.: Schematische Darstellung der Wirkung von ADAMTS13 in vivo [2]

ADAMTS13 wird hauptsächlich in der Leber gebildet und als aktives Enzym ins Plasma abgegeben. Die Biosynthese des vWF findet hingegen in Endothelzellen und Megakaryozyten statt. Nach erfolgter Sekretion des hochmolekularen vWF ins Plasma wird seine Größe und damit seine biologische Aktivität durch die ADAMTS13 streng reguliert.

Bei schwerer ADAMTS13-Defizienz oder bei inhibierenden, gegen die Metalloprotease gerichteten Antikörpern bleibt der physiologische Abbau des vWF aus. Dieser kann vermehrt mit Thrombozyten interagieren und die Bildung von mikrovaskulären Thromben begünstigen.

Diagnostik
Die diagnostischen Möglichkeiten der TTP konnten in den vergangenen Jahren deutlich verbessert werden. Der Nachweis eines schweren ADAMTS13-Mangels gilt als spezifischer Befund einer klassischen TTP (das HUS geht nicht mit einer ADAMTS13­Defizienz einher). Hierfür werden das ADAMTS13-Antigen und die ADAMTS13­Aktivität bestimmt. Die Differenzierung einer erworbenen von einer hereditären TTP gelingt anhand der Untersuchung von Autoantikörpern gegen ADAMTS13. Erforderliches Untersuchungsmaterial für die ADAMTS13-Diagnostik: 3 ml Citrat-Vollblut.

Literatur

  1. Studt Jo. Thrombotische Mikroangiopathien. Hämostaseologie 2008; 28: 358-64.
  2. Budde U, Schneppenheim R. Diagnostik der thrombotischen Mikroangiopathien in: Hämostaseologie für die Praxis. Herausgeber: Bruhn HD. Schambeck CM, Hach-Wunderle V. Schattauer Verlag 2007: 91 -95, 223-30.
  3. George JN. Thrombotic Thrombocytopenic Purpura. N Engl J Med 2006; 354: 1927 -35.
  4. Veyradier A, Obert B, Houllier A, Meyer D, Girma JP. Specific von Willebrand factor-cleaving protease in thrombotic microangiopathies: a study of 111 cases. Blood 2001; 98: 1765-72.

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