Service für Einsender

Hilfe
Ergebnisse pro Seite: 
DAR Labor28 - Gesundheit ist messbar
MVZ Labor 28 AG MVZ Labor 28 AG MVZ Labor 28 AG MVZ Labor 28 AG MVZ Labor 28 AG MVZ Labor 28 AG Laborgemeinschaft Laborgemeinschaft
MVZ Labor 28 AGMVZ Labor 28 AGMVZ Labor 28 AGMVZ Labor 28 AGMVZ Labor 28 AGLaborgemeinschaftLaborgemeinschaftLaborgemeinschaft Berlin

[Lab28: Aktuell]

[Lab28: Archiv]

[Alle Artikel]

Lab 28 - Ausgabe März 2008


 

Der mikrobiologische Fall: Irrfahrt eines Patienten

 

Ein 38-jähriger Patient ging am 15. Februar 2006 mit einem Furunkel im linken Wangenbereich zu seinem behandelnden Arzt. Das Furunkel wurde eröffnet; er bekam Doxycyclin.

Lab28 - Ausgabe März 2008

Auf ein Neues
Subklinische Hypothyreose
Exazerbation einer COPD
Irrfahrt eines Patienten
Gerinnungssprechstunde
Präoperative Gerinnungsdiagnostik
Fibrosierung bei Seniorensportlern
Fruktoseintoleranz und -malabsorbtion
Morbus Fabry
Arbeitskreis Blut Hepatitis-E-Virus
SPATZ - Förderverein der Kinderklinik
Kleine Fehler - große Auswirkung
Der Steuertipp - Neuerungen 2008
  • Am 23. April 2006 hatte der Patient ein Furunkel im rechten Beckenbereich, das mit Clindamycin behandelt wurde.
  • Am 6. Juli trat ein Furunkel im linken Oberschenkel auf. Der Abstrich ergab Staphylococcus aureus. Es wurde Cefuroxim verabreicht.
  • Im September und Oktober 2006 traten eitrige Prozesse am rechten unteren Augenlid auf, die ohne Antibiotikagabe chirurgisch behandelt wurden.
  • 2. November 2006: Furunkel im linken Innenohr; Amoxicillingabe.
  • Januar 2007: Furunkel linker Oberarm, chirurgisch eröffnet; keine Antibiotika.
  • März 2007: Furunkel linke Wange; 10 Tage 1000 mg Flucloxacillin.
  • Juli 2007: Furunkel rechter Unterarm: 3x 1000 mg Flucloxacillin 10 Tage.
  • 6. August 2007: Furunkel rechte Kniekehle, chirurgische Eröffnung; Erstellung eines Autovakzinimpfstoffes aus dem angezüchteten Staphylococcus aureus.
  • Ende August 2007: Testung des kulturell nachgewiesenen S.aureus mit dem Ergebnis eines positiven Panton-Valentine-Leukozidin-Gens (PVL-Gen).

Beginn einer gezielten antibiotischen und hygienischen Sanierungsmaßnahme einschließlich einer Nasensanierung. Seit dieser Zeit keine weiteren Furunkel oder Abszesse.

S.aureus ist einer der häufigsten und wichtigsten Erreger von bakteriellen Infektionen. Es gibt eine Reihe von Krankheitsbildern, die durch die Wirkung von S.aureus-Toxinen wesentlich mitbestimmt werden.

Ein besonderer Pathogenitätsfaktor von S.aureus ist das Panton-Valentine-Leukozidin (PVL). Das Auftreten rezidivierender Abszesse, Furunkulosen und nekrotisierender Pneumonien bzw. nekrotisierender Fasciitis ist mit dem Vorhandensein dieses Pathogenitätsfaktors assoziiert. S.aureus Stämme mit PVL sind besonders virulent. Sie müssen nicht Oxacillin-resistent sein. Oxacillin-resistente Stämme mit PVL werden demgegenüber als cMRSA („community acquired MRSA“) bezeichnet, da sie unabhängig von Krankenhäusern und den bekannten Risikofaktoren auftreten.

Zu PVL-Staphylokokken-Infektionen kommt es in engen Lebensgemeinschaften, z. B. unter Familienmitgliedern, in Sportgruppen, bei Schiffsbesatzungen etc. Eintrittspforten sind oft unscheinbare Hautverletzungen. Bei der akuten nekrotisierenden Pneumonie spielen virale Infekte als Wegbereiter eine wichtige Rolle.

Der Nachweis von PVL erfolgt molekulargenetisch. Das Verfahren ist im Labor 28 etabliert. Die Indikation zur Testung auf PVL wird durch das klinische Bild gestellt. Es werden Abstriche vom Infektionsort und zusätzlich ein Nasen-Rachenabstrich entnommen.

Die Therapie unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der Behandlung einer S.aureus- Infektion. Furunkel und Abszesse werden, soweit nötig, chirurgisch saniert. Bei der Antibiotikatherapie sollten zwei verschiedene Antibiotikasubstanzen mit guter Gewebspenetration kombiniert werden; z. B. Cotrimoxazol/ Rifampicin oder Moxifloxacin/ Fosfomycin bzw. Vancomycin/ Rifampicin etc. Zur Sanierung des Patienten als PVL-Staphylokokkenträger muss zusätzlich Mupirocin-Nasensalbe angewendet werden.

Da die Übertragung des Keimes überwiegend durch Schmierinfektionen und Kontakte erfolgt, sind Hygienemaßnahmen unbedingt erforderlich. Gegenstände der Körperpflege dürfen nicht gemeinsam benutzt werden. Wäsche, Bettwäsche, Handtücher usw. müssen bei Temperaturen von mindestens 60°C gewaschen werden. Die Reinigung der Räume sollte feucht erfolgen.

Nur in Kombination hygienischer und therapeutischer Maßnahmen kann das Leiden durch andauernde Staphylokokken-Infektionen erfolgreich beendet werden.



[nach oben] [zurück] [nächster Artikel]