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Lab 28 - Ausgabe März 2007


Aktuelles aus dem St. Joseph-Krankenhaus, Berlin-Tempelhof

 

Betreuung des älteren niereninsuffizienten Patienten

 

Der ältere Patient (über 75 Jahre) mit Niereninsuffizienz weist die größten Probleme in der nephrologischen Betreuung auf. In den letzten Jahren hat dieses Kollektiv von Patienten die höchste Inzidenz zur Nierenersatztherapie (Dialysepflichtigkeit) aufgewiesen.

Lab28 - Ausgabe März 2007

To Do 2007
HPV-Diagnostik erfasst Impflücke
Entzündliche Muskelerkrankungen
Antiphospholipidsyndrom (APS)
CDT als Biomarker
Listeriose - Übersicht und aktuelle Daten
Resistenz bei Neisseria gonorrhoeae
Rubrik: Leserbrief - Glukosebestimmung
Kleine Fehler - Große Auswirkung
Ältere niereninsuffiziente Patienten
Der Steuertipp: Das Elterngeld ab 2007

Alte Patienten mit Niereninsuffizienz werden sehr viel später zum Nephrologen überwiesen als Patienten, die jünger als 75 Jahre sind. Diese Spätzuweisung zum Nephrologen ist ein starker Prediktor für eine erhöhte Mortalität - insbesondere in den ersten 8-12 Wochen nach Dialysebeginn ist die Mortalität überproportional erhöht. Eine rechtzeitige Zuweisung zum Nephrologen, insbesondere des älteren Patienten ist nicht nur mit einer verminderten Mortalität, sondern auch mit deutlich verbesserter Lebensqualität und reduzierten Kosten im Gesundheitswesen assoziiert. Dies ist wichtig, da auch sehr alte Patienten von einer chronischen Nierenersatztherapie (Dialyse) profitieren und durchaus eine adäquate Überlebensrate aufweisen. Demzufolge sollte eine Nierenersatztherapie nicht allein aufgrund des chronologischen Alters jemandem vorenthalten werden.

Nach wie vor scheint der Hauptgrund für die fehlende Überweisung die Fehleinschätzung der Nierenfunktion infolge der spezifischen Kreatinin-Kinetik sowie niedriger Serum-Kreatinin-Spiegel im Rahmen der Malnutrition und des konsekutiven Muskelschwundes zu sein. Möglicherweise können aber auch ethische und ökonomische Bedenken gegen eine Nierenersatztherapie beim älteren Patienten eine Rolle spielen. Hier spielen neue präzisere Bestimmungen der Nierenfunktion mittels Formeln (MDRD) oder neuer Parameter (Cystatin C) eine große Rolle.

Seit dem 1. März 2004 steht die Med. Abt. II des St. Joseph Krankenhauses (SJK) unter neuer Leitung. Diese Abteilung, die bereits Ende 1999 ihr 25-jähriges Bestehen feierte, war in den vorhergehenden Jahrzehnten unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Schaefer zu der größten Nephrologischen Abteilung in Berlin und einer der größten Nephrologischen Abteilungen Deutschlands gewachsen. Aufgrund der demographischen Entwicklung in Berlin wurden hier schon immer überdurchschnittlich viele ältere nierenkranke Patienten versorgt. Heute können in dieser Abteilung mit insgesamt 60 Betten und einer Dialysestation mit 15 Behandlungsplätzen für stationäre bzw. teilstationäre Patienten sowie der Dialysemöglichkeit auf der Intensivstation Patienten mit akuten und chronischen Nierenerkrankungen behandelt werden. Die Patientenversorgung ist auch außerhalb der akuten Erkrankung gegeben, da seit 1977 eine enge Zusammenarbeit mit dem Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation eV (KfH) in der Sonnenallee (Berlin-Neukölln) besteht. Diese ambulante Dialyseeinrichtung ist ärztlich und organisatorisch eng mit dem SJK verbunden und bietet heute bis zu 56 Behandlungsplätze an, wo regelmäßig bis zu 200 Patienten wöchentlich dialysiert werden. Diese enge Kooperation zwischen den Möglichkeiten einer Versorgung akut kranker Patienten und der weiterführenden Versorgung auch bei Eintritt in das chronische Stadium sind die Voraussetzung für eine allumfassende Versorgung von niereninsuffizienten Patienten.

In den letzten Jahren hat es eine Vielzahl von Weiterentwicklungen der eigentlichen Hämodialyse gegeben. So werden zunehmend neue Membranen und neue Dialysate eingesetzt. Das SJK ist im Hinblick auf die Entwicklung und die Untersuchung neuer Verfahren an vorderster Stelle. Dies spiegelt sich seit dem Wechsel in der Führungsetage auch darin wieder, dass neue Dialyseverfahren, wie z. B. kontinuierliche Verfahren auf der Intensiv-Station, mit neuen Maschinen eingesetzt werden. Diese Dialysemaschinen ermöglichen nicht nur den Einsatz als "Nierenersatz" mit der Entfernung von sogen. harnpflichtigen Substanzen aus dem Blut, sondern auch die Behandlung des Blutes und dessen Eiweißbestandteilen durch bestimmte Modifikationen, (sogen. Plasmaseparationen oder Immunabsorptionen). Letztere Verfahren kommen bei verschiedenen, insbesondere rheumatologischen und immunologischen Erkrankungen zum Einsatz und erfahren von medizinischer Seite aus einen großen Zuwachs.

Darüber hinaus wurde das Verfahren der CAPD (Bauchfelldialyse) "reanimiert" und in den letzten Monaten einigen Patienten diesem alternativen Verfahren zur Hämodialyse zugeführt. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, dass der Patient unabhängiger ist, die Dialyse mehr oder weniger zu Hause durchführen kann und vor allen Dingen keine Gefäßzugänge benötigt werden. Leider kommt dieses Verfahren nur wenigen Patienten zugute, da bestimmte Voraussetzungen von Seiten des Patienten erfüllt werden müssen.

Prof. Dr. med. Christiane Erley
Chefärztin Med. Abt. II mit Nephrologie und Dialyse


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