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Lab 28 - Ausgabe März 2007


 

Hinweise auf zunehmende Resistenz bei
Neisseria gonorrhoeae

 

Bereits in unserer letzten Laborzeitschrift haben wir einen Artikel des Robert Koch-Institutes referiert, in dem unter anderem auf die Notwendigkeit der Erstellung eines Antibiogramms bei Infektionen durch Neisseria gonorrhoeae hingewiesen wird (1).

Lab28 - Ausgabe März 2007

To Do 2007
HPV-Diagnostik erfasst Impflücke
Entzündliche Muskelerkrankungen
Antiphospholipidsyndrom (APS)
CDT als Biomarker
Listeriose - Übersicht und aktuelle Daten
Resistenz bei Neisseria gonorrhoeae
Rubrik: Leserbrief - Glukosebestimmung
Kleine Fehler - Große Auswirkung
Ältere niereninsuffiziente Patienten
Der Steuertipp: Das Elterngeld ab 2007

Untersuchungen zum Resistenzverhalten von N. gonorrhoeae in Deutschland sind in den letzten Jahren nicht mehr durchgeführt worden. Nun sind von Enders et al (2) im Jahr 2006 Ergebnisse einer Studie erschienen, die an einer kleinen Menge von 65 Erreger-Isolaten aus dem Raum Heidelberg/Stuttgart durchgeführt wurden. Obwohl diese Ergebnisse nicht als repräsentativ anzusehen sind, geben sie jedoch Anlass zum Überdenken der derzeitig üblichen Therapieempfehlungen. Darüber hinaus liefern die Ergebnisse weitere Argumente für die unbedingt erforderliche Prüfung der Empfindlichkeit nachgewiesener Gonokokken-Stämme. Dies nicht nur, um die individuelle Therapie zu optimieren, sondern auch um Daten über die Resistenzlage in anderen Regionen Deutschland zu erhalten.

Zusammenfassung der Ergebnisse der genannten Studie

  • Alle Stämme waren empfindlich gegenüber Ceftriaxon, Cefixim und Spectinomycin,
  • 21,5% waren resistent gegenüber Penicillin,
  • 29,2% waren resistent gegenüber Tetracyclin,
  • 47,7% waren resistent gegenüber Ciprofloxacin!!

Da in früheren Studien eine gute Empfindlichkeit gegen Ciprofloxacin gefunden wurde, ist es weiterhin eines der first-line Medikamente bei GO (3).

Anhand der genannten Daten ist jedoch, auch wenn es sich möglicherweise um lokale Besonder-heiten handelt, Vorsicht geboten bei der Therapie mit Ciprofloxacin und Tetracyclin ohne Vorliegen eines Antibiogrammes.

Eine zunehmende Chinolon-Resistenz wird auch aus anderen europäischen Ländern berichtet, in Deutschland fehlt es bislang aber an regional übergreifenden Daten.

Daten unseres Labors aus den Jahren 2005 und 2006

  • Alle getesteten Stämme (36 Isolate) waren vollständig empfindlich gegenüber Ceftriaxon,
  • 18% waren resistent gegenüber Penicillin (120 getestete Isolate),
  • 18% waren resistent gegenüber Tetracyclin (120 getestete Isolate),
  • 31% waren resistent gegenüber Ciprofloxacin (108 getestete Isolate).

Somit können auch wir eine relativ hohe Rate Cipofloxacin-resitenter Stämme bestätigen.
Es sei darüber hinaus darauf hingewiesen, dass insbesondere Männer die mit Männern Sex (MSM) haben, nicht-urethritische GO-Infektionen (Rachen, Rectum) aufweisen, die bei alleiniger Untersuchung von Urethralabstrichen übersehen werden!

Folgerungen für die Praxis:

  • Es sollte immer ein Antibiogramm zur Überprüfung der Wirksamkeit der eingeleiteten Therapie, und um epidemiologische Daten zu erhalten, angefertigt werden,
  • Bei Diagnose durch DNA-Nachweis (Gensonde, PCR) kann keine Empfindlichkeitstestung durchgeführt werden. Ein zweiter Abstrich zur kulturellen Anzucht und zur Erstellung eines Antibiogramms sollte wenn möglich gewonnen werden,
  • Bei Patienten zumindest der Risikogruppe MSM ist neben einem Urethralabstrich auch ein Rachen- und Rektalabstrich zu untersuchen.

Literatur:

  1. „Diagnostik von sexuell übertragenen Erkrankungen - Methoden uneinheitlich“ in: Epidemiologisches Bulletin Nr. 39/2006 S. 333-336
  2. Enders et al, „ Antimicrobial resistance of Neisseria gonorroeae isolates from the Stuttgart and Heidelberg areas of southern Germany“ in: Eur J Clin Microbiol Infect Dis (2006) 25: 318-322
  3. E. Halle et al, „Empfehlungen zur Behandlung von Patientinnen mit gynäkologischen Infektionen“ in: Der Mikrobiologe 14.Jg. 2004: 173 - 176

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