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Lab 28 - Ausgabe März 2007


Für Sie aus dem Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Institutes referiert (49/2006)

 

Listeriose

 

Eine Übersicht und aktuelle Daten zur Situation in Deutschland

Lab28 - Ausgabe März 2007

To Do 2007
HPV-Diagnostik erfasst Impflücke
Entzündliche Muskelerkrankungen
Antiphospholipidsyndrom (APS)
CDT als Biomarker
Listeriose - Übersicht und aktuelle Daten
Resistenz bei Neisseria gonorrhoeae
Rubrik: Leserbrief - Glukosebestimmung
Kleine Fehler - Große Auswirkung
Ältere niereninsuffiziente Patienten
Der Steuertipp: Das Elterngeld ab 2007

Übersicht
Klinisch relevante Infektionen des Menschen mit Listerien sind insgesamt selten, obwohl man von sehr häufigen Expositionen ausgehen muss. Denn Listerien finden sich ubiquitär in der Umwelt und viele Lebensmittel sind kontaminiert (s. Tabelle 1).

Praktisch von Bedeutung ist die Spezies Listeria monocytogenes, die intrauterine und perinatale Infektionen des Neugeborenen sowie auch Infektionen durch kontaminierte Lebensmittel bei Abwehr geschwächten und älteren Personen hervorrufen kann.

In den letzten Jahren wurde nicht nur in Deutschland eine deutliche Zunahme nicht-Schwangerschafts-assoziierter Fälle insbesondere in höherem Lebensalter beobachtet, ohne dafür eine hinreichende Erklärung zu haben.
Listerien sind grampositive Stäbchenbakterien, die sich intrazellulär vermehren. Dies ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum in vivo viele Antibiotika versagen und während der gesamten Schwangerschaft eine Übertragung auf das Ungeborene möglich ist.

A) Lebensmittel, die Listerien enthalten können:
  • rohe Milch und Produkte daraus (Mayonnaisen)
  • Weichkäse (z.B. Brie, Camenbert, Roquefort, Romadur, Münster Feta)
  • rohes Fleisch, speziell Huhn
  • Würste (Salami, Teewurst)
  • Sandwich
  • Salate
  • Muscheln, Lachs, Räucherfisch
  • alle Speisen, die nicht kürzlich erhitzt worden sind
B) Lebensmittel, die in der Regel frei von Listerien sind
  • alle Speisen, unmittelbar nachdem sie erhitzt sind
  • pasteurisierte Milch und Produkte davon (industrieller Joghurt)
  • Hartkäse
  • Schokolade, Kekse, Marmelade
  • rohe Karotten
  • rohe Tomaten
  • rohe Äpfel
Tab. 1: Zum potenziellen Vorkommen von Listerien in Lebensmitteln

Von praktischer Bedeutung ist, dass die Erreger anspruchslos sind, sich auch noch bei niedriger Temperatur und niedrigem pH-Wert vermehren und so in vielen Lebensmitteln nachgewiesen werden können. Längere Kühlschranklagerung z. B. vakuumverpackter Gerichte führt zur Keimvermehrung. Erhitzen über 70°C tötet den Erreger ab.
Daraus ergeben sich allgemeine Empfehlungen zur Verhinderung einer Listeriose (Tabelle 2). 5% aller gesunden Menschen beherbergen den Erreger in ihrem Darm.

Klinik
Die Erkrankung beginnt nicht selten mit einer Gastroenteritis. Bei Gesunden wird die Infektion meist in der Frühphase überwunden. Abwehrgeschwächte Menschen jedoch können eine Meningitis, Encephalitis oder Sepsis mit Milz- und Leberbeteiligung entwickeln. Die Letalität ist weiterhin relativ hoch.

Infektionen in der Schwangerschaft werden oft nicht bemerkt oder nur als grippaler Infekt wahrgenommen. Bei Infektion des Kindes kommt es zu Abort oder Frühgeburt mit Befall verschiedener Organe, wobei die Granulomatosis infantiseptica die schwerste Form darstellt.

Labordiagnose
Diese ist nur möglich durch den direkten Erregernachweis z.B. in der Blutkultur, im Liquor oder auch in Abstrichen von Neugeborenen.

Ein Antikörpernachweis ist dagegen vollkommen sinnlos und obsolet, da es sehr viele falsch negative (Antikörper werden erst spät, bei Immunsuppression gar nicht gebildet) und auch falsch positive Ergebnisse gibt (Kreuzreaktivität mit vielen anderen Bakterien durch Antigengemeinschaft). Aus diesem Grunde wird ein Antikörpertest im Labor 28 bereits seit langem nicht mehr angeboten.


Allgemeine Emppfehlung
  • Fleisch ausreichend erhitzen
  • Gemüse sorgfältig waschen
  • rohes Fleisch getrennt von Gemüse, gekochten Speisen und Fertigspeisen lagern
  • möglichst rohe Milch und aus roher Milch zubereitete Lebensmittel meiden
  • Hände, Messer und Flächen nach Kontakt mit rohem Fleisch gaut waschen
Empfehlungen für Personen mit erhöhtem Risiko, wie Schwangere, Ältere, Schwerkranke:
  • Weichkäse sollte grundsätzlich vermieden werden
  • Fertiggerichte sollten ggf. kurz vor dem Verzehr noch einmal erhitzt werden
Tab. 2: Präventive Maßnahmen, um das Listeriose-Risiko zu reduzieren

Anmerkung unseres Labors
Eine Diagnostik in der Schwangerschaft ist nur bei fieberhaftem Infekt mittels Untersuchung von Blutkulturen im Fieberschub sinnvoll. Eine Untersuchung von Vaginalsekret oder Stuhl nach Genuss vermeintlich kontaminierter Lebensmittel ohne nachfolgende Erkrankung führt allein schon wegen der hohen Keimträgerrate nicht weiter).

Therapie
Therapie der Wahl ist die hochdosierte Gabe von Ampicillin (z.B. 4-6 x 2 mg/Tag für 2-3 Wochen) außerhalb der Schwangerschaft kombiniert mit Gentamycin (180-240 mg 1x/Tag für 2 Wochen). Die häufige kalkulierte Therapie einer Meningitis mit alleiniger Gabe von Ceftriaxon ist bei Listeriose wirkungslos, so dass bei Verdacht zusätzlich Ampicillin gegeben werden muss.

Epidemiologie und neue Daten
Seit 2001 ist nach § 7 des Infektionsschutzgesetzes der Nachweis von Listerien in sterilem Untersuchungsmaterial und von Abstrichen Neugeborener meldepflichtig.

Seither sind bis Dezember 2005 insgesamt 1519 Fälle gemeldet worden, wobei es zu einer deutlichen Zunahme gekommen ist: 2001 wurden 217 Fälle gemeldet, 2005 bereits 510 Fälle.
Dabei ist der Anteil der Schwangerschaft assoziierten Listeriosen weitgehend konstant geblieben (80 Fälle bei Schwangeren und 145 bei Neugeborenen) und die Zahl von 30-40 gemeldeten Fällen/Jahr mit den Zahlen aus Zeiten des Bundesseuchengesetzes vergleichbar. Die Zunahme ist nicht durch Ausbrüche erklärbar, da die Listeriose sporadisch auftritt. Die Erkrankung scheint insbesondere in der Gruppe der älteren Patienten (>60 Jahre) zuzunehmen.

Bei 85 % der gemeldeten Fälle lagen nicht-Schwangerschafts-assoziierte Listeriosen zugrunde, 76% hiervon betrafen Patienten, die älter als 60 Jahre waren. Als Ursache kann eine nicht ausreichende Lebensmittelhygiene älterer Menschen, der zunehmende Verzehr von Fertiggerichten und ein Anstieg abwehrgeschwächter Personen vermutet werden. Eine intensivere Untersuchung von Lebensmitteln sowie Aufklärung bzgl. Lebensmittelhygiene bei älteren Personen könnten ein weiteres Ansteigen dieser Erkrankung vermeiden.


Abb. 1: An das RKI übermittelte Listeriose-Fälle nach Form, Altersgruppen und Jahren (2001-2005)

Artikel nachzulesen im Internet www.rki.de

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