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Lab 28 - Ausgabe März 2006


 

Lupus-Antikoagulanzien - seltene Ursache einer Störung des „Quick-Testes“

 

Unter Antiphospholipid-Antikörpern (APA) versteht man eine heterogene Gruppe von Antikörpern, die sich gegen Protein-Phospholipid-Komplexe richtet.

Lab28 - Ausgabe März 2006

Wunderheiler gesucht
Parvovirus Infektion u. Schwangerschaft
Intaktes Proinsulin
Hypophysenadenomen
Lupus - Antikoagulanzien
Thrombophiliemarker PAI
Histamin - Intoleranz
Staphylococcus aureus
Antidepressiva - Antipsychotika
Neue Richtlinien zur Hämotherapie
Schilddrüsen- Chirurgie
Der Steuertipp: Änderungen 2006

Man unterscheidet dabei:

  • wenig gerinnungswirksame APA (z.B. Cardiolipin-Antikörper)
  • und solche mit Wirkung auf die Blutgerinnung (Lupus-Antikoagulanzien = LA).

Klinische Relevanz
Klinisch stumme APA finden sich bei 2 bis 5% der Normalbevölkerung ebenso wie passager auftretende APA im Rahmen von Infekten, insbesondere bei Kindern aber auch bei HIV-Infizierten. Bei Autoimmunerkrankungen (daher der Name Lupus-Antikoagulans) sind sie häufig mit einer erhöhten Thromboseneigung assoziiert.

Bei jungen Frauen werden sie als Ursache rezidivierender Aborte (Thrombosierung der Plazenta) gefunden. Wahrscheinlich liegt eine familiäre Disposition vor.

Obwohl APA in vivo eher zu einer Thrombophilie (Antiphospholipid-Syndrom) führen, werden in vitro die Gerinnungszeiten verschiedener Phospholipid-abhängiger Gerinnungsteste paradoxerweise verlängert. Dies gilt insbesondere für die PTT, deren Verlängerung immer auch an das Vorliegen von LA denken lassen sollte.

In seltenen Fällen kann auch die Prothrombinzeit (Quick) beeinflusst werden
Beim Quick-Test wird das Citrat-Plasma mittels Zugabe von Calcium und Gewebethromboplastin zur Gerinnung gebracht und anhand der Gerinnungszeit der Quick- und INR-Wert ermittelt. Es existieren eine Reihe verschiedener Thromboplastine, die z.T. tierischen Ursprungs sind, aber auch aus menschlichem Gewebe (Plazenta) und mittlerweile auch rekombinant hergestellt werden.

Diese Thromboplastine werden nur ausgesprochen selten von LA beeinflusst und sind deshalb in den meisten Fällen selbst bei Antikoagulation auf Grund eines Antiphospholipid-Syndroms zur Cumarin-Therapiekontrolle geeignet.

Kommt es jedoch zur Störung, so werden ein zu niedriges Quick- und ein zu hohes INR-Ergebnis ermittelt.
Auf Grund der Heterogenität der LA und der Thromboplastine kann eine Interferenz nicht vorhergesagt werden. Man geht jedoch davon aus, dass ein LA nicht alle, sondern in der Regel nur ein bestimmtes Thromboplastin stört.

Deshalb wird im Labor 28 bei Kontrolle einer Cumarintherapie wie folgt vorgegangen
Der Quick-Wert wird unter Verwendung des bewährten rekombinanten Thromboplastins „Innovin“ bestimmt. Quick-Werte < 10% werden generell mit einer anderen Methode und einem zweiten Thromboplastin („Thromborel S“ aus humaner Plazenta) kontrolliert.

Bestätigt sich das Ergebnis, so muss von einer Überdosierung des Cumarins ausgegangen werden. Findet sich dagegen eine deutliche Diskrepanz (z. B. 25% unter Verwendung von Thromborel S), so liegt der Verdacht auf ein LA vor!

Es erfolgt die telefonische Mitteilung sowie ein Vermerk auf dem Befund.

Das Lupus-Antikoagulans sollte durch entsprechende Folgeuntersuchungen bestätigt sowie ein passageres LA durch Verlaufskontrollen ausgeschlossen werden. Der Quick muss in einem solchen Fall, solange ein LA vorhanden ist, auch bei weiteren Kontrolluntersuchungen unter Hinweis auf den Vorbefund per Überweisungsschein mittels Thromborel S bestimmt werden.



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