 |
|
Aktuelles zur Syphilis
|
|
Über die starke Zunahme von Lues-Erkrankungen, auch in Deutschland, haben wir bereits in unserer Ausgabe 10/Dezember 2002 berichtet. Allein von unserem Labor wurden im Jahr 2003 ca. 150 floride Lues-Infektionsfälle nach §7 IfSG an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet. Auch an eine therapiebedürftige Lues in der Schwangerschaft ist zu denken.
Aus diesem Anlass soll hier anhand von zwei Artikeln des RKI, die im letzten Jahr aktuell zu diesem Thema im Epidemiologischen Bulletin erschienen sind (Lit.1 ,2), eine Übersicht über Labordiagnose und Therapie der Lues gegeben werden.
1. Labordiagnose
Es wird eine Stufendiagnostik durchgeführt (Antikörpernachweise im Serum):
Sensitiver Suchtest (z. B. TPHA), positiv ca. 3-5 Wochen postinfectionem.
Im positiven Fall erfolgt eine Quantifizierung des Suchtestes sowie ein Bestätigungstest
(z. B. Treponema pallidum-IgG-Immunoblot).
Zur Beurteilung der Therapiebedürftigkeit sind unspezifische Lipoid-Antikörperteste (z. B. VDRL), positiv ca. 4-6 Wochen postinfectionem, sowie Treponema pallidum-IgM-Ak (z. B. Immunoblot) geeignet.
Primäre Lues:
TPHA und/oder VDRL können initial negativ sein! Als erstes werden spezifische IgM-Antikörper nachweisbar. Bei klinischem oder anamnestischem Verdacht Kontrolluntersuchung nach 7-10 Tagen erforderlich.
Sekundäre/Tertiäre Lues:
TPHA und Bestätigungstest sind positiv. Meist finden sich deutlich Lues: erhöhte VDRL-Titer (> 1:8) und spezifische IgM-Antikörper. Fehlender Nachweis von spezifischen IgM-Antikörpern sowie niedrige VDRL-Titer schließen eine Therapiebedürftigkeit jedoch keinesfalls aus!!
Neurolues:
Es muß der Nachweis einer intrathekalen Treponemen-Antikörper-Synthese geführt werden (genaues Procedere s. Original-Literatur).
Therapiekontrollen:
Dazu wird z. B. der quantitative TPHA und VDRL durchgeführt. Ermittlung des Ausgangswertes für die Therapiekontrolle innerhalb von 4 Wochen nach Therapieende. Danach innerhalb eines Jahres ¼-jährliche Kontrollen. Ggf. zusätzliche Untersuchung von spezifischen IgM-Antikörpern.
Reinfektion:
Titeranstiege (z.B. TPHA und/oder VDRL) um mehr als 2 Titerstufen, verglichen mit dem nach Therapieende ermittelten Ausgangswert.
Schwangerschaft:
Bei fehlender Lues-Anamnese gelten derzeit TPHA/TPPA-Titer > = 1:5.000 und/oder positive Lipoidantikörper und/oder Nachweis von spezifischen IgM-AK als Therapie-Indikation.
Konnatale Lues:
Diagnose durch Nachweis von Treponema pallidum IgM-Antikörpern oder direkter Treponema pallidum-Nachweis mittels PCR beim Neugeborenen sowie höhere Antikörper-Titer des Kindes verglichen mit dem mütterlichen Serum.
2. Hinweise zur Therapie der Syphilis
Therapie der Frühsyphilis:
Procain-Benzylpenicillin
600.000 I.E. i. m. über 10-14 Tage
Benzathin-Benzylpenicillin
2,4 Mio I.E. i. m. einmalig *
(* vorzugsweise für nicht therapietreue Patienten)
Bei einer Penicillinallergie kann Doxycyclin (2 x 100 mg p.o. über 14 Tage) oder Ceftriaxon (2 g i.m. oder i.v. über 14 Tage) verabreicht werden.
Therapie der Spätsyphilis:
Procain-Benzylpenicillin
1,2 Mio I.E. i.m. über 14-21 Tage
Benzathin-Benzylpenicillin
2,4 Mio I.E. i.m. Tag 1, 8 und 15
(Zu beachten: Eingeschränkte Liquorgängigkeit)
Doxycyclin
2 x 200 mg p.o. über 21 Tage
Therapie der Neurosyphilis:
Penicillin
G 6 x 5 Mio I.E. i.v. über 14-21 Tage
Doxycyclin
2 x 200 mg p.o. über 21-30 Tage
Die Therapie der konnatalen Syphilis besteht in einer stationären Behandlung mit Penicillin G i.v. oder i.m. 2-3 x 50.000 I.E. pro kg KG für 10 Tage. Bei Frühsyphilis und gleichzeitiger HIV-Infektion ist die Benzathin-Penicillinbehandlung nicht immer ausreichend. Läsionen können unter Penicillintherapie über mehr als 3 Monate persistieren.
Hinweis: Durch raschen Erregerzerfall infolge der Therapie kann es zu toxischen systemischen Reaktionen kommen (Schüttelfrost, Fieber, Kopfschmerzen). Diese sog. Jarisch-Herxheimer-Reaktion kann durch Cortison-Präparate behandelt werden.
Literatur:
1. Praktische Empfehlungen zur Serodiagnostik der Syphilis. Epidemiologisches Bulletin 20.Juni 2003/Nr.25
2. RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte. Epidemiologisches Bulletin 25.Juli 2003/Nr.30
3. Therapie-Hinweise: Epidemiologisches Bulletin Nr. 30/2003
[nach oben] [zurück] [nächster Artikel]
|