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Lab28 - Ausgabe März 2003


 

Körperliche Leistungen und das rote Blutbild

 

Körperliche Leistungen verändern das rote Blutbild im Sinne einer präanalytischen Einflußgröße

Bei der Beschreibung dieser Einflußgröße erscheint es zweckmäßig, zwischen

a) Akuten Veränderungen nach einer einmaligen körperlichen Leistung und
b) Chronischen Veränderungen durch ein körperliches Training


zu unterscheiden.

Bevor das Verhalten des roten Blutbildes beschrieben wird, sollen zunächst einmal die Veränderungen des Blutvolumens selbst behandelt werden.

a) Akute Veränderungen von Blut- und Plasmavolumen

Das Blutvolumen (BV) besteht im wesentlichen aus der Summe von Erythrozytenvolumen (EV) und Plasmavolumen (PV). Beide Anteile können sich unabhängig voneinander durch verschiedenartige Einflüsse verändern. Bei körperlicher Aktivität kommt es zu einer Erhöhung des Kapillardruckes und der Kapillaroberfläche und damit zu einer Filtration von Flüssigkeit in das Interstitium, bis ein neues Gleichgewicht erreicht ist. Dadurch kommt es zu einer Hämokonzentration. Nach einer langdauernden körperlichen Leistung kommt es zu einer Umkehrung der Verhältnisse, wodurch die Flüssigkeitsaufnahme in den Intravasalraum überwiegt und eine Hämodilution resultiert.

b) Chronische Veränderungen von Blut- und Plasmavolumen

Es besteht weitgehend Übereinstimmung in der Literatur, dass zumindest Ausdauertraining zu einer Erhöhung des BV im Ruhezustand führt. Bei Ausdauertrainierten ist dabei das PV im Vergleich zum EV überproportional vergrößert. Die Folge ist eine Hämodilution, sichtbar an einem niedrigeren Hämatokritwert. Bei den Veränderungen der verschiedenen Blutbestandteile ist immer das Ausmaß der jeweiligen Hämokonzentration bzw. Hämodilution zu berücksichtigen.

a) Akute Veränderungen des roten Blutbildes

Die absolute Menge der im Blut zirkulierenden roten Blutzellen wird durch Erythropoese mit dem Erythrozytenabbau bestimmt. Beide Prozesse verlaufen so langsam, dass sie akut nicht wesentlich zu beeinflussen sind. Deshalb kann man kurzfristig die absolute Erythrozytenmenge als konstant annehmen.
In Folge der erwähnten leistungsbedingten Hämokonzentration kommt es zu einem Anstieg des Hämatokritwertes, der Hämoglobinkonzentration und der Erythrozytenkonzentration von etwa 5 bis 20 %. Diese Veränderungen sind jedoch innerhalb von 30 Minuten wieder normalisiert. Wie bereits erwähnt, werden in der Erholungsphase nach Ausdauerleistungen Hämodilutionen beobachtet, die zu Verminderungen des rotes Blutbildes führen, die über Tage bestehen bleiben. Außerdem findet man nach langandauernden Leistungen immer eine Hämolyse durch den Untergang von roten Blutzellen, die in einer Haptoglobinverminderung ihren Ausdruck finden.

b) Chronische Veränderungen des roten Blutbildes

Chronische Veränderungen des roten Blutbildes hängen weitgehend davon ab, welcher der beiden Blutvolumenanteile (EV, PV) wie stark verändert wird. Die trainingsbedingte BV-Zunahme ist vor allem durch eine überproportionale Vergrößerung des PV bedingt. Hieraus folgt, dass besonders beim Ausdauertrainierten eine Verdünnung des Blutes besteht. So wurden bei Trainierten subnormale Werte des roten Blutbildes gefunden.
Die üblichen Referenzwerte für das rote Blutbild können deshalb nicht zur Beurteilung von (Ausdauer)-Sportlern herangezogen werden.
Als Richtwerte für eine relevante Anämie beim Sportler werden z. B. bei Frauen Hämoglobinwerte < 11 g/dl, bei Männern < 13 g/dl angegeben.


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