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Lab28 - Ausgabe März 2002


 

Willebrand- Jürgens- Syndrom: das häufigste angeborene Blutungsleiden

 

Das Willebrand-Jürgens-Syndrom ist das häufigste angeborene plasmatische Blutungsleiden; selten kommt es auch erworben vor. Ursache ist ein quantitativer oder qualitativer Defekt des Willebrand-Faktors.

Lab28 - Ausgabe März 2002

Entwicklungsperspektiven
Zoeliakie/Sprue
Cumarin-Typ und Hämostasesystem
Willebrand-Jürgens-Syndrom
Hochsensitiver CRP-Test (hs CRP)
Paradontitis - Ursache Systemischer Erkrankungen
Staphylococcus aureus - MRSA
Steckbrief Pneumokokken
Praxishygiene: Endoskopie als Infektionsquelle?
Der Steuertipp

Der Willebrand-Faktor hat folgende Eigenschaften:

  • Schutz des Gerinnungsfaktors VIII vor vorzeitigem proteolytischen Abbau

  • Vermittlung der Adhäsion zwischen aktivierten Thrombozyten und Subendothel.

Zur Erfassung der genannten Eigenschaften des Willebrand-Faktors werden bestimmt:

  • der Ristocetin-Cofaktor (thrombozytenagglutinierende Eigenschaft)

  • das Willebrand-Antigen (Erfassung der Stoffmengenkonzentration).

Das Willebrand-Jürgens-Syndrom kommt meist in milden und mittelschweren Formen vor, die sich z. B. als rezidivierendes Nasen- oder Zahnfleischbluten bzw. Hypermenorrhoen äußern können. Seltene schwere Formen äußern sich z. B. als Gelenkblutungen. Der Erbgang ist meist autosomal dominant, ggfs. auch rezessiv. Der klinische Schweregrad innerhalb einer Familie kann variieren.

Verdacht auf ein Willebrand-Jürgens-Syndrom sollte entstehen bei verlängerten Blutungszeiten, d.h. wenn offenbar aufgrund eines verminderten Ristocetin-Cofaktors die primäre Blutstillung durch herabgesetzte Adhäsion bzw. Aggregation der Plättchen an das Subendothel gestört ist oder wenn durch vermehrten proteolytischen Abbau des Gerinnungsfaktors VIII aufgrund verminderter Willebrand-Faktor-Konzentration die PPT verlängert ist. Daher sollte bei Verdacht auf Willebrand-Jürgens-Syndrom immer der Gerinnungsfaktor VIII mitbestimmt werden.

Das Willebrand-Syndrom kann diagnostische Schwierigkeiten bereiten. Es kommt in verschiedenen Varianten vor. Zur Orientierung dient folgende Klassifikation in Anlehnung an Zimmermann:

 

Typ 1

Typ 2a

Typ 2b

Typ 3

Blutungszeit

Verlängert

Verlängert

Verlängert

Verlängert

Plättchenanzahl

Normal

Normal

Normal oder Vermindert

Normal

Faktor VIII:C

Vermindert

Vermindert oder Normal

Vermindert

Stark vermindert

WF:Ag

Vermindert

Vermindert oder Normal

Vermindert oder Normal

Stark vermindert

WF:RCo

Vermindert

Stark vermindert

Vermindert oder Normal

Fehlt

Ristocetin-induzierte Plättchen-Aggregation

Vermindert oder Normal

Fehlt oder Vermindert

Erhöht

Fehlt

Multimerstruktur

Normal aber generell vermindert

Fehlen der großen mittleren Multimeren

Fehlen der großen Multimeren

Fehlen nahezu vollständig

Erbgang

Autosomal Dominant

Autosomal Dominant

Autosomal Dominant

Autosomal rezessiv


Die Einteilung nach Zimmermann erfaßt die Hauptvarianten des Willebrand-Syndroms. Eine weitergehende Klassifikation, d.h. die Erfassung weiterer Varianten, erfolgt durch die Analyse der Multimere.

Möglichkeiten der Fehlinterpretation sind möglich, da:

  • Gerinnungsfaktor VIII, Willebrand-Faktor, d. h. auch der Ristocetin-Cofaktor Akute-Phase-Proteine sind.
  • Anstieg bei Entzündungen, Streß und Schwangerschaft ist bekannt. Erhöhungen kommen u. a. bei Leberleiden, Gefäßkrankheiten und Tumoren vor.
    Dieser Anstieg kann u. U. ein bestehendes Willebrand-Jürgens-Syndrom verschleiern.

Da Gerinnungsfaktor VIII und der Willebrand-Faktor durch proteolytische Prozesse abgebaut werden können und damit falsch niedrige Werte vorgetäuscht werden, sind in Zweifelsfällen Wiederholungsanalysen von Nöten. Als Globaltest für WJS ist der PFA-Test ein geeigneteres Mittel als die Blutungszeit.

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