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An dieser Stelle sei einmal nicht über unerquickliche Rahmenbedingungen der Laborleistungserbringer oder über neues drohendes Ungemach berichtet. Es soll vielmehr ein Ausblick versucht werden, welche möglichen Techniken die Entwicklung und Struktur des heutigen Labors erheblich beeinflussen könnten. An die „normale“ Entwicklung, die sich durch den Einsatz einer neuen Gerätegeneration ergibt, haben sich die Labors längst gewöhnt: z. B. höhere Spezifität und Präzision, geringere Probenvolumina, verbesserte Ablaufintegration etc. haben zu einer permanenten Qualitäts- und Effektivitätssteigerung des Labors beigetragen. Denkbar wäre auch eine Weiterentwicklung der Diagnostica selbst. Durch den Einsatz hochspezifischer Suchstoffe, der sogenannten Aptamere, ließen sich viele biochemische Untersuchungen erheblich vereinfachen.
Am häufigsten tauchen in Veröffentlichungen die Begriffe DNA-bzw. Gen-Chip auf. Hierbei handelt es sich um einen mit einer Vielzahl von DNA-Fragmenten bestückten Biosensor, der Aussagen über Erbkrankheiten, Risikofaktoren etc. ermöglicht. Ebenfalls kann mit Hilfe der Genchips ein weiteres, hochinteressantes Gebiet bearbeitet werden, nämlich die Pharmakogenomik. Aufgrund der individuellen genetischen Disposition sollen dem Patienten optimale Wirkstoffgaben bei einem geringstmöglichen Nebenwirkungspotential verabreicht werden können („smart drugs“). Alle Entwicklungen sind heute noch nicht routinefähig. Datenmengen und verarbeitung, hohe Herstellungskosten der Chips und die Zuordnung der Ergebnisse bremsen im Moment noch einen schnellen Einsatz. Von Fachleuten wird aber dennoch ein rasantes Wachstum auf diesem Gebiet erwartet. In diesen Zusammenhang passt auch gut die jüngste Nachricht eines mittelständischen, deutschen Unternehmens über die erfolgreiche Entwicklung eines „ladbaren“ Biochips. Subsummiert man all diese heute bereits vorhandenen Techniken und bewertet die breite Einsatzfähigkeit noch differenziert, ist der Schluß zwingend, dass dieser technologische Fortschritt das Labor in den nächsten zehn Jahren umkrempeln wird. Die Grundlagen für eine zügige Weiterentwicklung in Forschung und Routine sind deutlich sichtbar. Allerdings wird auch eine Diskussion über den ethischen Aspekt dieses Szenarios breiten Raum einnehmen müssen. Auch von seiten des Gesetzgebers wird es notwendig sein, in einem zukünftigen Gentest-Gesetz Rahmenbedingungen zu konkretisieren und Missbrauch zu verhindern, ohne Chancen der neuen Diagnosemöglichkeiten einzuengen. [nach oben] [zurück] [nächster Artikel] |