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Lab28 - Ausgabe März 2002


 

Entwicklungsperspektiven des Labors

 

An dieser Stelle sei einmal nicht über unerquickliche Rahmenbedingungen der Laborleistungserbringer oder über neues drohendes Ungemach berichtet. Es soll vielmehr ein Ausblick versucht werden, welche möglichen Techniken die Entwicklung und Struktur des heutigen Labors erheblich beeinflussen könnten.

Lab28 - Ausgabe März 2002

Entwicklungsperspektiven
Zoeliakie/Sprue
Cumarin-Typ und Hämostasesystem
Willebrand-Jürgens-Syndrom
Hochsensitiver CRP-Test (hs CRP)
Paradontitis - Ursache Systemischer Erkrankungen
Staphylococcus aureus - MRSA
Steckbrief Pneumokokken
Praxishygiene: Endoskopie als Infektionsquelle?
Der Steuertipp

An die „normale“ Entwicklung, die sich durch den Einsatz einer neuen Gerätegeneration ergibt, haben sich die Labors längst gewöhnt: z. B. höhere Spezifität und Präzision, geringere Probenvolumina, verbesserte Ablaufintegration etc. haben zu einer permanenten Qualitäts- und Effektivitätssteigerung des Labors beigetragen. Denkbar wäre auch eine Weiterentwicklung der Diagnostica selbst. Durch den Einsatz hochspezifischer Suchstoffe, der sogenannten Aptamere, ließen sich viele biochemische Untersuchungen erheblich vereinfachen.

Die spannendste Entwicklung wurde aber über die PCR- bzw. Sequenziertechnik eingeleitet. Die Detektion einzelner genetischer Abschnitte ermöglicht schon heute, die Wahrscheinlichkeit für eine Krankheit bei entsprechender genetischer Disposition zu bestimmen. Die bereits eingesetzte Diskussion über Nutzen und Gefahren einer entsprechenden Diagnostik bei Abschätzung z. B. des Mukoviszidose- oder Alzheimer-Risikos dürfte erst ein kleiner Anfang der zu erwartenden Auseinandersetzung sein. Technisch geht die Entwicklung bereits rasant weiter. Auf winzigen Biosensoren sind Enzyme, Antikörper oder DNA-Bruchstücke untergebracht, die in der Lage sind, ihre Partnermoleküle zu erkennen. Auf diese Weise ist es möglich, eine Testsubstanz in einem Vorgang auf hunderte von Markern zu untersuchen. Eine Entwicklung in dieser Richtung würde zweifelsohne zu einer tiefgreifenden Umstrukturierung des heutigen Labors führen.

Die Mitarbeiterinnen der Klinischen Chemie, Hämatologie und
Gerinnung im März 2002

Am häufigsten tauchen in Veröffentlichungen die Begriffe DNA-bzw. Gen-Chip auf. Hierbei handelt es sich um einen mit einer Vielzahl von DNA-Fragmenten bestückten Biosensor, der Aussagen über Erbkrankheiten, Risikofaktoren etc. ermöglicht. Ebenfalls kann mit Hilfe der Genchips ein weiteres, hochinteressantes Gebiet bearbeitet werden, nämlich die Pharmakogenomik. Aufgrund der individuellen genetischen Disposition sollen dem Patienten optimale Wirkstoffgaben bei einem geringstmöglichen Nebenwirkungspotential verabreicht werden können („smart drugs“).

Alle Entwicklungen sind heute noch nicht routinefähig. Datenmengen und –verarbeitung, hohe Herstellungskosten der Chips und die Zuordnung der Ergebnisse bremsen im Moment noch einen schnellen Einsatz. Von Fachleuten wird aber dennoch ein rasantes Wachstum auf diesem Gebiet erwartet. In diesen Zusammenhang passt auch gut die jüngste Nachricht eines mittelständischen, deutschen Unternehmens über die erfolgreiche Entwicklung eines „ladbaren“ Biochips.

Subsummiert man all diese heute bereits vorhandenen Techniken und bewertet die breite Einsatzfähigkeit noch differenziert, ist der Schluß zwingend, dass dieser technologische Fortschritt das Labor in den nächsten zehn Jahren umkrempeln wird. Die Grundlagen für eine zügige Weiterentwicklung in Forschung und Routine sind deutlich sichtbar. Allerdings wird auch eine Diskussion über den ethischen Aspekt dieses Szenarios breiten Raum einnehmen müssen. Auch von seiten des Gesetzgebers wird es notwendig sein, in einem zukünftigen Gentest-Gesetz Rahmenbedingungen zu konkretisieren und Missbrauch zu verhindern, ohne Chancen der neuen Diagnosemöglichkeiten einzuengen.


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