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Eine chronische Lymphozytose kann reaktiv entzündlich oder maligne bedingt sein und sollte immer abgeklärt werden. Als Ursache findet sich bei älteren Patienten oft eine CLL. Nach WHO ist die CLL immer eine B-Zell-Neoplasie. Als häufigste Leukämie des Erwachsenen ist diese Erkrankung auch in der Allgemeinarztpraxis nicht selten und kann in aller Regel allein aus dem peripheren Blut gesichert werden. In den meisten Fällen ist weder eine zusätzliche Knochenmarkpunktion noch eine Lymphknotenhistologie erforderlich. Allgemeines Die CLL ist eine maligne Erkrankung der reifen B-Lymphozyten und zählt zu den B-Non-Hodgkin-Lymphomen (B-NHL). Im Gegensatz zu anderen B-NHL, die nicht selten nur die lymphatischen Organe infiltrieren, verläuft die typische CLL fast immer (> 90 %) auch leukämisch, d. h. die malignen Lymphomzellen sind auch im peripheren Blut nachweisbar. Deshalb handelt es sich bei der CLL einerseits um ein Lymphom andererseits aber auch um die häufigste Leukämie in unseren Breiten (Inzidenz 3-4 pro 100.000). Sie zeigt eine zunehmende Tendenz und wird immer öfter auch bei jüngeren Patienten unter 55 Jahren diagnostiziert (ca. 20 % der Fälle). Klinik und Stadieneinteilung Viele Fälle werden zufällig entdeckt. Nur 20 % der Patienten zeigen bei Diagnosestellung eine B-Symptomatik (Nachtschweiß, Fieber, Gewichtsverlust). Leitsymptome sind Lymphknotenschwellung, chronische Lymphozytose sowie vergrößerte Leber und Milz. Komplikationen sind durch die zunehmende hämatologische und immunologische Insuffizienz bedingt. Die Infektanfälligkeit stellt die größte Gefahr dar, denn die malignen B-Lymphozyten sind immunologisch inkompetent, gesunde Zellen werden durch sie verdrängt. Die Stadieneinteilung der CLL erfolgt nach Binet (s. Tabelle)
Tabelle 1: (Legende: Hb = Hämoglobin; TZ = Thrombozyten; LK = Lymphknoten Zu den LK-Regionen zählen zervikale, axilläre, inguinale LK-Vergrößerungen unilateral oder bilateral, sowie Leber- und Milzvergrößerungen.) Neben Alter und Stadium werden zunehmend weitere Prognosefaktoren definiert, ihre Bedeutung für die Praxis ist allerdings noch nicht endgültig geklärt:
(* Untersuchungen werden im Labor 28 durchgeführt) Zur Labordiagnose sind 2 Untersuchungen erforderlich:
Bei Lymphomzellen findet man durchflusszytometrisch eine sogenannte Leichtkettenrestriktion, d. h. die monoklonalen B-Zellen exprimieren nur einen einzigen Leichtketten-Typ (Kappa oder Lambda). Die CD19 positiven B-Lymphomzellen bei CLL coexprimieren typischerweise deutlich CD5, CD23 und CD43. CD20 und CD22 sind meist nur schwach positiv und andere Marker wie CD10, FMC7 etc. finden sich nicht. Dieses typische CD-Muster zusammen mit der Mikroskopie unterscheidet die CLL von anderen leukämisch verlaufenden B-NHL. Diese Untersuchung wird bereits seit 2002 im Labor 28 durchgeführt (s. Labor-Info Nr. 59) und von vielen Schwerpunktpraxen genutzt. Erforderlich sind lediglich ein bis zwei EDTA-Blut-Röhrchen, die taggleich untersucht werden. Wir empfehlen gleichzeitig die Durchführung eines Immunstatus (Bestimmung der Zahl der T-Lymphozyten, B-Lymphozyten, NK-Zellen), so dass auch ein eventuelles T-Zell-Lymphom als Ursache einer Lymphozytose erkannt werden kann. Die Diagnose einer CLL ist gesichert bei:
Liegen alle Kriterien einer CLL vor, aber die Lymphozytenzahl beträgt unter 5 G/L, so spricht man von einer „monoklonalen Lymphozytose unklarer Signifikanz“ (MLUS). |