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Die Hämoglobinopathie-Diagnostik nimmt zunehmend Raum ein in der Abklärung von Symptomen wie Hämolyse, Anämie, Polyglobulie oder Zyanose, denn durch Zuwanderung aus den Hauptverbreitungsgebieten sind erbliche Hämoglobindefekte über die ursprünglichen Endemiegebiete (Mittelmeerraum, Asien und Afrika) hinausgewachsen. Am Anfang der Diagnostik steht die Bewertung des roten Blutbilds, das bei Hämoglobinopathien v. a. hypochrom (z. B. HbE-Krankheit) bzw. normochrom (z. B. Sichelzellanämie) aber auch hyperchrom (z. B. HbC-Krankheit) sein kann. Dabei sollten differenzialdiagnostisch wesentliche andere Ursachen, wie z. B. ein Eisenmangel bei Hypochromie ausgeschlossen werden (Ferritin, löslicher Transferrinrezeptor bzw. Ferritinindex, CHr) oder die Abklärung etwaiger immunologischer bzw. toxischer Ursachen oder die Untersuchung auf Enzymdefekte bei unklaren Hämolysen erfolgen. Bleiben die Ursachen der oben aufgeführten Symptome ungeklärt, sollte insbesondere bei anamnestischer Herkunft aus den Verbreitungsgebieten die Hämoglobinelektrophorese Anwendung finden. Sie ist hilfreich bei der Erkennung der Thalassämie-Syndrome sowie der häufigsten anomalen Hämoglobine (z. B. HbC, HbD, HbE, HbS, HbO-Arab, Hb-Lepore), die insgesamt über 90 % aller Hämoglobinstrukturanomalien im täglichen Praxisalltag ausmachen. Während bei den klassischen Thalassämien die Synthese der Globinketten in aller Regel vermindert ist und zu einer hypochromen Anämie mit ggf. hämolytischer Komponente führen kann, liegt bei den anomalen Hämoglobinen eine veränderte Aminosäuresequenz vor. Diese kann zu einer herabgesetzten Löslichkeit oder Instabilität des Hb-Moleküls führen und mit Hämolyse einhergehen (z. B. HbC, HbE, HbS, Hb-Köln, Hb-Zürich) aber auch über eine gestörte Sauerstofftransportfunktion (z. B. HbM-Anomalien, Hb-Köln, Hb-York) eine Polyglobulie bzw. Zyanose oder eine Anämie mit Zyanose (bei erniedrigter O2-Affinität) bewirken. Bei bestimmten Strukturanomalien sind auch thalassämische Krankheitsbilder möglich (z. B. HbE, Hb-Lepore). Von den verschiedenen Thalassämieformen werden im mitteleuropäischen Raum v. a. die β-Thalassämien beobachtet, α-Thalassämien sind sehr viel seltener. Unter den Hämoglobin-Anomalien nimmt durch den Anstieg der Einwanderung aus der Türkei, Afrika, Arabien und Asien v. a. die Sichelzellanämie eine dominante Stellung ein. Die Sichelzellanlage (HbS) führt nur bei homozygoter Ausprägung (HbS 7090 %, HbF↑, HbA2 n. n.) oder bei Compound-Heterozygotie (z. B. mit HbC, HbE, Hb0-Arab, HbD-Punjab, Hb-Lepore oder mit den beta-Thalassämien) zu einer klinisch manifesten Erkrankung mit hämolytischer Anämie und Gefäßverschlusskrisen. An zweiter Stelle steht die HbE-Anomalie, die sich in homozygoter Ausprägung als thalassämische hypochrom-mikrozytäre Anämie äußert und sich nach Einnahme von Medikamenten oder bei Virusinfekten hämolytisch verstärken kann. Die heterozygote Form macht sich u. U. als geringgradige Anämie mit variabler Hypochromie bemerkbar (Vorkommen v. a. in Thailand, Laos, Burma, Malaysia, Kambodscha). An dritter Stelle steht das HbC mit hoher Frequenz in Westafrika. Die heterozygote Form zeigt keine hämatologischen Veränderungen, während die homozygote Form aufgrund eines vermehrten Abbaus der sphärozytisch veränderten Erythrozyten in der Milz mit einer leichten bis mittelschweren hämolytischen Anämie einhergeht. Die Hb-Elektrophorese hilft in den meisten Fällen, die häufigen Hämoglobinanomalien zu erkennen. Bei anhaltendem dringendem klinischen Verdacht und unauffälliger Hb-Elektrophorese sollte jedoch eine Hämoglobin-Genotypisierung erwogen werden. Beispielsweise kann sich eine heterozygote α-Thalassämie lediglich mit einer unklaren Hypochromie bemerkbar machen oder die HbM-Anomalie sich mit Polyglobulie bzw. Zyanose äußern, ohne in der Hb-Elektrophorese erkennbar zu werden. Ein weiterer wertvoller Hinweis in der Anämiediagnostik lässt sich über den Mentzer-Index (Quotient aus MCV (in fl) und Erythrozytenzahl (in T/l)) gewinnen. Liegt der numerische Wert über 13 spricht dies für eine Eisenmangelanämie, ergibt sich ein Wert weniger als 13, ist dies eher ein Indiz für eine Thalassämie. Literatur:
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