|
Faktor XII wirkt sowohl bei der Aktivierung der intrinsischen und extrinsischen Gerinnungskaskade (Aktivierung der Faktoren XI und VII) und der Fibrinolyse (Spaltung von Plasminogen) als auch bei der Aktivierung des Komplementsystems (Aktivierung von C1) mit. Der physiologische Inhibitor von Faktor XII ist der C1-Inhibitor. Der Gerinnungsfaktor XII wird in der Leber gebildet (Molekulargewicht 80 000 D, Kodierung auf Chromosom 5). Als „Kontaktfaktor“ des intrinsischen Gerinnungssystems kann seine Aktivierung allein durch Bindung an negativ geladene Oberflächen (z. B. Zellmembranen) erfolgen. Weitere Aktivatoren sind z. B. die Enzyme Kallikrein, Trypsin und Plasmin. Leitbefunde eines Faktor XII-Mangels sind eine PTT-Verlängerung bei unauffälligem Quick-Wert und normaler Thrombinzeit. Typisch für den Faktor XII-Mangel ist eine fehlende Blutungsneigung (selbst bei Restaktivitäten von < 1 %). Vielmehr wird eher eine erhöhte Bereitschaft zu venösen, z. T. auch arteriellen Gefäßverschlüssen im Alter beschrieben (Halbmayer et al. 1992, Jespersen et al. 1992, von Kanel et al. 1992), die wahrscheinlich durch eine verminderte Aktivierung des Fibrinolysesystems bedingt ist. Trotzdem kann nach aktueller Studienlage weder dem heterozygoten noch dem homozygoten Faktor XII-Mangel eine Bedeutung bei der Pathogenese von venösen Thrombosen beigemessen werden (Leiden Thrombophilia Study (LETS) Koster et al. 1994, Zeerleder et al. 1999, Girolami et al. 2004). Neben dem sehr seltenen angeborenen Faktor XII-Mangel ist ein erworbener Faktor XII-Mangel bedingt durch Synthesestörungen bzw. durch Umsatzstörungen (z. B. systemic inflammatory response syndrome, Amyloidose, nephrotisches Syndrom) oder durch Inhibitoren bekannt (z. B. beim Systemischen Lupus Erythematodes oder bei Smouldering Leucemia). Literatur:
|