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Lab 28 - Ausgabe Juli 2008


 

Das Adrenogenitale Syndrom (AGS)

 

Das klassische adrenogenitale Syndrom (AGS) ist eine autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung, die durch Mutationen von Enzymen der adrenalen Steroidbiosynthese verursacht wird. Ihre Prävalenz beträgt 1:10.000 - 1:15.000 bei gleich häufiger Beteiligung beider Geschlechter.

Lab28 - Ausgabe Juli 2008

Umbau ohne Ende
Formularanpassung zum 1. Juli 2008
MRSA in der ambulanten Versorgung
Glucose zwischen 100 und 109 mg/l
Einflussgrößen der TSH-Konzentration
Das Adrenogenitale Syndrom (AGS)
HEP-Test
Hypersensitivitäts-Pneumonitis
Vorhersagemodell Rheumatoide Arthritis
Morbus Whipple
Kleine Fehler - große Auswirkung
Shuntmanagement
Juckreiz bei inneren Krankheiten
Steuertipp: Änderungen für Freiberufler

Ursächlich ist in über 95 % der Fälle ein 21-Hydroxylase-Defekt. Der Enzymdefekt führt zu einer fehlenden bzw. verminderten Cortisolsynthese. Über eine negative Feedback-Regulation kommt es zu einer erhöhten ACTH-Ausschüttung mit vermehrter Bildung adrenaler Androgene. Ca. 75 % der meist homozygoten Patienten zeigen einen kompletten Verlust der Enzymfunktion mit Ausfall der Cortisol- und Aldosteronsynthese, d. h. ein „AGS mit Salzverlust“. Weitere 25 % der Patienten haben eine Enzymrestaktivität von 2-5 % und damit die „einfache virilisierende Form des AGS“, die meist ohne Salzverlust einhergeht. Als mildeste Form des 21-Hydroxylase-Defektes wird das so genannte nichtklassische AGS (late-onset) mit über 20 % Enzymaktivität bezeichnet (Inzidenz 1:1000).

In seiner vollen Ausprägung („klassische Form“) ist das AGS eine Erkrankung des frühen Kindesalters, die sich bei Mädchen u. a. durch Virilisierung mit intersexuellen äußeren Genitalen bei der Geburt und bei Jungen durch eine Pseudopubertas praecox manifestiert.

Ein adrenaler Hyperandrogenismus tritt bei erwachsenen Männern im Gegensatz zu Frauen klinisch nicht offensichtlich in Erscheinung. Daher entziehen sich männliche AGS-Patienten im Erwachsenenalter häufig der Diagnose und den Nachsorgeuntersuchungen, während Frauen durch Zyklusstörungen, Hirsutismus, Klitorishypertrophie oder Infertilität auffällig werden. Unter hyperandrogenämischen Frauen findet man in bis zu 6 % der Fälle das nichtklassische AGS.

Bei allen klassischen AGS-Formen ist postnatal eine lebenslange Substitution mit Gluko- und Mineralokortikoiden zum Ausgleich eines Mangels und Vermeidung einer Hyperandrogenämie und deren Folgen erforderlich. Inzwischen weiß man, dass auch Männer selbst bei den einfachen virilisierenden AGS-Formen zur Aufrechterhaltung der Fertilität und Vermeidung von Langzeitkomplikationen substituiert werden sollten.

Zum Therapiemonitoring werden neben dem klinischen Bild auch biochemische Parameter herangezogen. Dabei kommen in erster Linie das 17-OH-Progesteron (als Stoffwechselvorstufe der 21-Hydroxylase) und das Androstendion zum Einsatz.

Diagnostik des nichtklassischen AGS (late-onset) der Frau:

  • DHEA-S
  • Testosteron und SHBG
  • Androstendion
  • 17-OH-Progesteron am Zyklusanfang (ggf. ACTH-Stimulationstest)
  • je nach Differenzialdiagnose:
    Prolaktin, TSH, FSH, LH, Oestradiol, Cortisol
  • ggf. genetische Untersuchung aus EDTA-Blut (21-Hydroxylase-Gen)

Literatur:

  1. Knape P, Reisch N, Dörr HG, Reincke M, Quinckler M. Behandlung des klassischen andrenogenitalen Syndroms mit 21-Hydroxylase-Defekt bei erwachsenen Männern. Dtsch Med Wochenschr 2008; 133: 1025-1029
  2. Reisch N, Dörr HG. AGS im Erwachsenenalter. Syllabus. IX. Intensivkurs frühklinische Endokrinologie. München 2006; S. 169-174



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