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Lab 28 - Ausgabe Juli 2007


 

Steckbrief: Mykobakterien

 

Mykobakterien sind unbewegliche, obligat aerob wachsende, säurefeste Stäbchen, die sich intrazellulär vermehren. Sie werden als säurefest bezeichnet, weil sie sich im Gegensatz zu den meisten Bakterien in verdünnten Säuren nicht entfärben. Die besonderen Eigenschaften der Mykobakterien sind durch die Struktur und Chemie ihrer Zellwand bedingt, die Glykolipide, Wachse und Polysaccharide enthält. Das Genom von M.tuberculosis wurde 1998 vollständig sequenziert. Dies vereinfacht die Suche nach Virulenz-Genen, epidemiologischen Fragestellungen, Impfstoff-Antigenen und neuen Medikamenten.

Lab28 - Ausgabe Juli 2007

Nach der Reform
Intrakranielle Blutung bei Neugeborenen
Thrombozyten-Aggregationshemmer
Antiphospholipidsyndrom (APS)
Autoimmune Lebererkrankungen
Kennzeichnung des Probenmaterials
Steckbrief: Mykobakterien
Management Akutschmerztherapie
Der Steuertipp: Steuerermäßigung

Hinsichtlich ihrer Pathogenität kann man die Mykobakterien in verschiedene Gruppen einteilen.

Der Mycobacterium tuberculosis-Komplex setzt sich aus den Stämmen M.tuberculosis, M.bovis, M.africanum und M.microti. zusammen. Trotz enger genetischer Verwandtschaft zeigen diese Stämme einen deutlichen Unterschied hinsichtlich ihrer Pathogenität, ihres Wirtsspektrums und ihrer Epidemiologie. Die menschliche Tuberkulose wird überwiegend durch M.tuberculosis verursacht. Dieser ist für über 95 % der Tuberkulosen in Deutschland verantwortlich. In bestimmten Regionen Afrikas ist der Erreger humaner Tuberkulosen M.africanum. Reservoir für M.bovis sind Rinder und für M.microti Wühlmäuse; humane Erkrankungen sind in unseren Breiten selten.

Eine weitere Gruppe der Mykobakterien sind die nicht dem M.tuberculosis – Komplex angehörenden Mykobakterien. Sie sind eine heterogene Gruppe, aus denen M.leprae als Erreger der Lepra herausragt. M.leprae ist kaum in vitro anzüchtbar.

Die meisten ubiquitären Mykobakterien sind als atypische Mykobakterien in der Umwelt weit verbreitet und infizieren als klassische Opportunisten überwiegend Patienten mit eingeschränkter Immunfunktion oder existierenden Lungenerkrankungen. Erst in neuerer Zeit werden sie auch als Verursacher vo Mykobakteriosen bei immunkompetenten Patienten beschrieben. Die klinischen Zeichen sind unterschiedlich und reichen von pulmonalen Infektionen über Lymphangitiden zu granulomatösen Hauterkrankungen. Disseminierte Erkrankungen werden besonders bei immunsupprimierten HIV-Patienten beobachtet.

Die Diagnostik der Mykobakterien kann auf verschiedenen Wegen erfolgen. Nach wie vor steht das mikroskopische Präparat mittels einer Ziehl- Neelsen- oder Auramin- Färbung an erster Stelle. Jedoch kann durch die Mikroskopie M.tuberculosis nicht spezifisch nachgewiesen werden. Eine ergänzende Untersuchung mittels PCR bringt eine deutliche Verbesserung und Bestätigung der Verdachtsdiagnose.

Der direkte Erregernachweis in der Kultur ist jedoch nach wie vor der Goldstandard in der Tuberkolose-Diagnostik. Aus diesen Kulturen werden Differenzierung und Resistenzbestimmung durchgeführt. Obwohl der kulturelle Nachweis der langsam wachsenden Mykobakterien durch Ansatz in Flüssigmedien deutlich beschleunigt wird, kann in einzelnen Fällen bis zur endgültigen Diagnose ein Zeitraum von bis zu 8 Wochen vergehen. Die Differenzierung der Mykobakterien aus einer positiven Kultur erfolgt in der Regel auf molekulargenetischem Wege. Hierdurch ist eine optimale Unterscheidung zwischen M.tuberculosis und den atypischen Mykobakterien möglich. Darüber hinaus spielen molekulare Fingerprinting-Verfahren beim Auffinden von Infektionsquellen und zum Abklären von epidemiologischen Fragestellungen zunehmend eine wichtige Rolle.

Die Verhütung und Bekämpfung der Tuberkulose ist kein isoliertes Problem von Ländern mit einer hohen Erkrankungsrate. Rund ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit dem Erreger infiziert; 8 bis 9 Mio. Menschen erkranken jährlich neu und 2 bis 3 Mio. sterben an der Erkrankung.

Die Zunahme von resistenten oder multiresistenten Bakterienstämmen ist von großer Bedeutung. Daher ist eine frühzeitige adäquate Diagnostik mit einer konsequent durchgeführten hochwertigen Therapie zur Eindämmung der Erkrankung unumgänglich.



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