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Lab 28 - Ausgabe Juli 2007


Aktuelles aus dem St. Joseph-Krankenhaus

 

Management Akutschmerztherapie

 

Das St. Joseph-Krankenhaus ist im Januar 2007 als erste Berliner Klinik vom TÜV Rheinland zertifiziert worden für den Bereich „Management Akutschmerztherapie“.

Lab28 - Ausgabe Juli 2007

Nach der Reform
Intrakranielle Blutung bei Neugeborenen
Thrombozyten-Aggregationshemmer
Antiphospholipidsyndrom (APS)
Autoimmune Lebererkrankungen
Kennzeichnung des Probenmaterials
Steckbrief: Mykobakterien
Management Akutschmerztherapie
Der Steuertipp: Steuerermäßigung

Hintergrund:
Schmerzen beeinflussen das physische, psychische und soziale Befinden und damit die Lebensqualität Betroffener und ihrer Angehörigen. Schmerzen können chronisch werden und Auslöser einer Karriere als chronischer Schmerzpatient sein. Eine optimierte Schmerztherapie schafft zufriede-ne Patienten, zufriedene Mitarbeiter, ein positives Image und damit Wettbewerbsvorteile für Kranken-häuser und für niedergelassene operativtätige Kollegen.

Nahezu alle diagnostischen und alle therapeutischen operativen Maßnahmen sind mit Schmerzen verbunden. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass vor wenigen Jahren noch in Krankenhäusern bei 60 % der Patienten falsche Zeitabstände und Unterdosierungen, bei 30 – 40 % inadäquate bzw. nicht ausreichende Analgetika gewählt wurden. 60 % der Patienten erwarten im Krankenhaus postoperativ mittelstarke bzw. starke Schmerzen, allerdings rechnen nur 27 % mit einer adäquaten Schmerztherapie. 60 % der Patienten fürchten Opiat-Abhängigkeiten. Insbesondere Kleinkinder und Kinder werden, aus Angst vor Überdosierungen, bzw. Nebenwirkungen, unterdosiert. Peri-operative Schmerzen führen alleine aufgrund des erhöhten Sympaticotonus zu einer Erhöhung der Morbidität, einschließlich einer erhöhten Inzidenz von nosokomialen Pneumonien, Thrombosen, Wundheilungsstörungen und Organdysfunktionen.

Aufgrund des individuellen Behandlungsvertrages hat jeder Patient einen rechtlichen Anspruch auf eine adäquate, dem Stand der Wissenschaft entsprechende Schmerzbehandlung, einschließlich möglicher, zur Zeit noch eher hypothetischer strafrechtlicher Konsequenzen: Körperverletzung, unterlassene Hilfeleistung, Organisationsverschulden (§223 und 323 StGB).

Die Lösung besteht in einer optimierten und standardisierten Akutschmerztherapie. Sinnvoll ist eine möglichst frühzeitige Aufklärung über die Stärke der zu erwartenden Schmerzen und der adäquaten analgetischen Therapie, wiederholte und regelmäßige Schmerzmessungen in den ersten postoperativen Tagen, einer frühzeitigen und prophylaktischen analgetischen Medikation, bestehend aus einer Basismedikation und einer Zusatzmedikation zur Schmerzdurchbrechung, mit Kontrolle des Wirkungseintrittes. Eine adäquate Schmerztherapie ist und war schon immer ein wichtiger Bestandteil jeglicher medizinischen Behandlung und wird nach bestem Wissen und Gewissen durchgeführt.

Im St. Joseph- Krankenhaus Berlin- Tempelhof haben wir die schlechten Ergebnisse bisheriger publi-zierter Daten zum Anlass genommen, interdisziplinär und berufsgruppenübergreifend Konzepte für eine effektive Schmerzmessung, -prophylaxe und adäquate Schmerztherapie zu erarbeiten. Diese erfolgte für alle operativen Fächer, einschließlich der Kinderklinik und wird für alle Patienten mit perioperativen oder Akutschmerzen angeboten. Die in diesem Zusammenhang erfolgte Zertifizierung „Qualitätsmanagement Akutschmerz“ durch den TÜV Rheinland hat den Effekt, dass hier stichprobenartig geprüft und kontrolliert wurde, ob die selbstgewählten Standards und Arbeitsabläufe eingehalten wer-den. Abweichungen wurden nicht gefunden. Damit ist eine flächendeckende Akutschmerztherapie im St. Joseph-Krankenhaus gewährleistet, mit den entsprechenden Vorteilen in der perioperativen Patientenversorgung. Zusätzlich fordert die TÜV-Zertifizierung einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess, der auch in die Bewertungskriterien eingeht. Für unser Haus bedeutet dies, dass wir entsprechende Schmerzerfassungen und Therapien zukünftig auch für demente, geriatrische und Intensivstations- Patienten anbieten, insbesondere aber auch für Kleinkinder und Neugeborene. Erstaunlicherweise gibt es für diese Patientengruppen erschreckend wenig spezifische Daten in der Literatur. Die effektive Schmerztherapie ist nicht nur für Krankenhäuser, sondern auch für niedergelassene, insbe-sondere ambulant operativ tätige Kollegen interessant. Schmerzen entstehen, entsprechend ihrer Ursache, unabhängig vom Aufenthaltsort des Patienten, das heißt nicht nur im stationären, sondern auch im ambulanten Bereich. Eine Zusammenarbeit ist hier nicht nur sinnvoll, sondern wird auch von uns angestrebt. Wir helfen gerne.

Prof. Dr. med. R. Kunz
Chefarzt Chirurgische Abteilung



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