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Lab 28 - Ausgabe Juli 2006


 

Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME) in Deutschland

 

Übersicht und aktuelle Daten

Seit Januar 2001 besteht für FSME Meldepflicht gemäß § 7 Abs.1 IfSG, wonach der Nachweis einer vermutlich akuten FSME-Infektion durch das diagnostizierende Labor an das Gesundheitsamt zu melden ist. Aktuelle Daten inklusive einer Karte der Risikogebiete wurden kürzlich im Epidemiologischen Bulletin 17/2006 (1) veröffentlicht.

Lab28 - Ausgabe Juli 2006

Es bleibt spannend
Das molekularbiologische Labor
Fußball und Gehirnfunktion
Frühsommer-Meningoencephalitis
ESBL - Hochresistente Gram-negative Bakterien
Therapeutisches Drug monitoring (TDM)
Angioödem
Juvenile idiopathische Arthritis
Knochenstoffwechselstörung
Gerinnungsstörungen bei malignen Erkrankungen
HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen
Neues vom Josephinchen
Der Steuertipp: Aktuelle Entwicklungen

Epidemiologie
Im Jahr 2005 wurden im Vergleich zu den Vorjahren deutlich mehr FSME-Infektionen gemeldet. Von 2001 bis 2004 lag die Zahl weitgehend konstant im Mittel bei 262 Fällen/Jahr, 2005 dagegen bei 432 (1). Eine ähnliche Tendenz zeigt sich auch in der Schweiz.
Die tatsächliche Zahl der Infektionen dürfte ungleich höher liegen, da viele Erkrankungen nur als „Sommergrippe“ in Erscheinung treten und nicht weiter diagnostiziert werden.
Bei 366 Fällen wurden Angaben zum Infektionsort gemacht, wobei nur 4,6% der Infektionen im Ausland erworben wurden.
Die Zunahme wird nur zu einem geringen Anteil auf eine Ausweitung der Naturherde zurückgeführt, denn im Jahr 2005 sind nur wenige Landkreise als neue FSME-Risikogebiete hinzugekommen.

Vielmehr hat durch günstige Bedingungen in diesem Jahr vermutlich die Populationsdichte der übertragenden Zecke Ixodes Ricinus in den bekannten Endemiegebieten zugenommen.
Da die meisten Erkrankungen in den ausgewiesenen Risikogebieten akquiriert wurden, ist die gezielte rechtzeitige Impfung gefährdeter Personen das geeignete Instrument zur Minimierung des Infektionsrisikos. Die Durchimpfungsrate ist jedoch viel zu niedrig.

Hauptrisikogebiete sind weiterhin Baden-Württemberg (Durchimpfungsrate ca. 12%) und Bayern (Durchimpfungsrate ca. 16%) (2). Weitere Risikogebiete liegen in Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz. Bundesländer ohne Risikogebiete mit jedoch vereinzelt aufgetretenen FSME-Erkrankungen sind Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Bei typischer Klinik ist deshalb auch hier an diesen Erreger zu denken.
Keine FSME-Fälle wurden bisher beobachtet in Berlin, Hamburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Saarland.

Prävention
Da weder die Möglichkeit einer kausalen Therapie noch einer postexpositionellen Immunprophylaxe besteht, ist die aktive Immunisierung die einzig sichere Maßnahme der Verhütung einer Infektion.
Die ständige Impfkommission empfiehlt eine Immunisierung bei erhöhter Exposition in den ausgewiesenen Risikogebieten, wie z.B. bei naturnahem Urlaub. Grundsätzlich ist eine vollständige Grundimmunisierung anzustreben, da unvollständig Geimpfte bei einer FSME-Infektion ebenso schwer erkranken können wie Ungeimpfte.

Für einen längerfristigen Schutz sind 3 Impfstoffgaben (i.d.R. zum Zeitpunkt 0, 1-3 Monate, 9-12 Monate) erforderlich, eine Auffrischung ist altersabhängig nach 3-5 Jahren durchzuführen.
Die entsprechenden Firmeninformationen sind zu beachten sowie die geeigneten Impfstoffe für Kinder bzw. Erwachsene anzuwenden.
Bei Bedarf ist auch eine Schnellimmunisierung möglich (nur mit dafür zugelassenem Impfstoff) an den Tagen 0, 7, und 21, jedoch ist dann eine Boosterung schon nach ca. 1 Jahr notwendig.

Klinik
Ca. 30% der Infizierten erkranken, wobei sich nach einer Inkubationszeit von in der Regel 7-14 Tagen zunächst grippeähnliche Symptome einstellen.
Nur 10% der Infizierten zeigen nach einem fieberfreien Intervall erneute Krankheitssymptome im Sinne einer Meningitis oder Meningoencephalitis, bei Älteren auch mit zusätzlicher Myelitis (biphasischer Verlauf). Schwere Verläufe werden meist nur bei Erwachsenen beobachtet.

Labordiagnose
Spezifische Antikörper werden ab der zweiten Krankheitsphase im Serum nachweisbar.
Einmalig deutlich erhöhte FSME-IgG- und -IgM-Antikörper, sowie der Anstieg der Antikörperkonzentration in 2 Blutproben, die im Abstand von ca. 2 Wochen gewonnen werden, legen eine akute FSME-Infektion nahe. Der alleinige Nachweis von IgM ist nicht spezifisch genug.
Kreuzreaktionen nach Gelbfieberimpfung und Dengue-Fieber können zu Fehlinterpretationen führen. Auch eine FSME-Impfung kann zur Mitreaktion der IgM-Antikörper, meist jedoch in niedriger Konzentration, führen.
Bei ZNS-Affektion sollte der Antikörpernachweis auch im Liquor geführt werden (im Labor 28 möglich) und ggf. auch der Liquor/Serum-Index ermittelt werden.

Literatur:
1. FSME: zum aktuellen Vorkommen in Deutschland. In: Epidemiologisches Bulletin 17/2006
2. Untersuchung belegt ungenügenden Impfschutz in den Risikogebieten Deutschlands.
In: Epidemiologisches Bulletin 12/2006
3. RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte (www.RKI.de)



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