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Lab 28 - Ausgabe Juli 2005


 

Die klinische Relevanz der Thalassämien

 

Die angeborenen Hämoglobindefekte sind die weltweit häufigsten genetischen Erkrankungen. Sie kommen vorwiegend in tropischen und subtropischen Gebieten vor.

Lab28 - Ausgabe Juli 2005

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Die klinische Relevanz der Thalassämien
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Einen hohen Anteil machen die α- und β-Thalassämien aus, die durch eine verminderte Syntheserate der normalen α- und β-Globinketten des Hämoglobins charakterisiert sind und mit Anämien verschiedenen Grades einhergehen:

α-Thalassämie
Die heterozygote Form der α-Thalassämie (Minor-Form) geht gewöhnlich nicht mit einer Anämie einher. MCV und MCH sind jedoch niedrig, und die Erythrozytenzahl liegt über 5.5 x 1012/l.

Die Hämoglobin-Elekrophorese kann unauffällig sein. Die Durchführung einer DNA-Untersuchung sichert die Diagnose. Bei vollständigem Syntheseverlust der α-Ketten (Homozygotie) resultiert ein intrauteriner Fruchttod (Hydrops fetalis).

Die Variante mit Restsynthese der α-Ketten (Defekt dreier Gene) geht mit einer mäßig schweren (Hämoglobin 7-10 g/dl) mikrozytären, hypochromen Anämie mit Splenomegalie einher. (Hb-H-Krankheit). HbH stellt sich in der Hämoglobin-Elektrophorese dar.


β-Thalassämie

β-Thalassämie - Major-Form (Homozygotie)
Diese Krankheit wird auch als Mittelmeer- oder Cooley-Anämie bezeichnet und tritt mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 25 % bei Kindern von Eltern auf, die beide heterozygote Träger der Anlage zur β-Thalassämie sind. Der Ausfall der β-Ketten-Synthese mit Ablagerung der überzähligen α-Ketten in Erythroblasten und Erythrozyten führt zu einer schweren Störung der Erythropoese mit Hämolyse (hypochrome, mikrozytäre Anämie mit erhöhtem Retikulozytenanteil, Normoblasten, Target-Zellen und basophiler Tüpfelung).

Die schwerwiegende Anämie manifestiert sich erstmals 3-6 Monate nach der Geburt und geht mit Hepatosplenomegalie (vermehrter Erythrozytenabbau, extramedulläre Blutbildung, später Eisenüberladung) und deutlicher Knochenmarkhyperplasie (typische Gesichtsform, Bürstenschädel, Frakturneigung) einher. Die Therapie besteht in Transfusionen, Therapie der Eisenüberladung (Chelatbildner) und ggf. Knochenmarktransplantation.

Labordiagnostisch zeigt sich in der Hämoglobin-Elekrophorese das vollständige oder fast komplette Fehlen von HbA. Das zirkulierende Hämoglobin besteht fast ausschließlich aus HbF bei einem HbA2, das normal, erniedrigt oder leicht erhöht sein kann.

Fälle von Thalassämie mit mäßiger Ausprägung (Hämoglobin 7.0 bis 10.0 g/dl), die nicht regelmäßig transfusionsbedürftig sind, werden als „Thalassaemia intermedia“ bezeichnet. Sie können genetisch verschiedene Ursachen haben. Skelettveränderungen, Hepatosplenomegalie, extramedulläre Erythropoese und Eisenüberladung können vorkommen.

β-Thalassämie - Minor-Form (Heterozygotie)
Die heterozygote β-Thalassämie (Minor-Form) ist eine häufige, in der Regel jedoch asymptomatische Anomalie und ist wie die α-Thalassaemia minor durch ein hypochromes, mikrozytäres Blutbild (niedriges MCV und MCH bei hoher Erythrozytenzahl) charakterisiert. Meist findet sich keine oder nur eine geringfügige Anämie (Hb 10 bis 15 g/dl). Ein gesteigerter HbA2-Anteil in der Hämoglobin-Elektrophorese ist charakteristisch.



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