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Zugegeben - die Rahmenbedingungen für eine Weiterentwicklung des Gesundheitswesens könnten deutlich besser sein. Die immer knapper werdenden finanziellen Mittel, die höchst problematische demographische Entwicklung sowie eine in weiten Teilen der Gesellschaft noch deutlich ausgeprägte Vollkasko- bzw. Mitnahme-Mentalität verschärfen den Handlungsdruck für grundlegende Umgestaltungen. Die Anpassungs- und Korrekturdynamik der letzten Jahre stellt ein sicheres Indiz für das erodierende Fundament unseres Sozialstaates dar. Nach Expertenmeinung* steht Deutschland erst am Anfang eines gewaltigen gesellschaftlichen Umbruchs, der sich über viele Jahre hinziehen wird. Die heute noch vielfach als Bedrohung empfundene Ökonomisierung des Gesundheitswesens wird als selbstverständlicher Prozess begriffen werden, um teure Ressourcen effektiv nutzen zu können. Im Szenario der zukünftigen Entwicklung werden die Rollen des Staates, des Patienten bzw. Gesundheitskunden und der Leistungsanbieter einer erheblichen Wandlung unterliegen. Die technologische Entwicklung, insbesondere die Potenziale der IT-Vernetzung, sowie eine zwangsläufig sich ändernde Finanzierungsstruktur werden diesen Prozess in großem Umfang mit prägen. Der Staat wird sich von seiner Rolle als Leistungserbringer weitgehend verabschieden und die Funktion als Gewährleister für Regeln der Grundversorgung, Qualität sowie Absicherung der wirtschaftlich Bedürftigen wahrnehmen. Gesundheit und Wohlbefinden entwickeln sich immer stärker zu einem Kernbedürfnis der Gesellschaft. Damit einher gehend werden Behandlungen und Versorgungen außerhalb einer Grundleistung durch finanzielle Eigenleistung abgedeckt. Die Patienten entwickeln sich immer stärker in Richtung Gesundheitskunde, der sich informiert und gezielt ein Angebot der Leistungserbringer auswählt.
Das Internet schafft hier nicht nur die Transparenz der Leistungen und Anbieter zu erhöhen, sondern wird auch ein Ranking der Anbieter selbstverständlich werden lassen. Die Grenzen zwischen Medizin und Lifestyle werden immer stärker verwischen und kundenorientierte Angebote werden die traditionellen Leistungsanbieter in eine dynamische Umgestaltung zwingen. Die Entwicklung einiger großer Gesundheitsketten (auch -marken) wird sich beschleunigen, über die große Patientenzahlen mit medizinischer Kompetenz und Qualität im Rahmen technologischer Möglichkeiten effektiver und wirtschaftlicher versorgt werden können. Nicht nur der Wettbewerb wird im Gesundheitsbereich eine grundsätzlich neue Voraussetzung finden. Auch die Möglichkeiten, die der Einsatz der elektronischen Patientenakte (e-Karte) irgendwann einmal eröffnen kann, sind faszinierend. Heutige Projekte, wie z. B. die der Mayo-Klinik und IBM über die Verknüpfung hunderttausender Patientendaten hinsichtlich therapeutischer Auswirkungen bzw. Optimierung von Behandlungspfaden, wären auf eine ganz andere Grundlage zu stellen. Die Ahnung vom Ende des Wohlfahrtsstaates alter Prägung und der Aufbruch in total neue Dimensionen wird allmählich Gewissheit. Den notwendigen Umbrüchen sollten sich die Leistungserbringer nicht aus kurzfristigen Interessen entgegenstellen sondern diese mit eigenen Ideen und ethischem Anspruch mitgestalten. * Studie Ernst & Young: Gesundheitsversorgung 2020 [nach oben] [zurück] [nächster Artikel] |