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Lab 28 - Ausgabe Juli 2000


 

Pränatale Toxoplasmose

 

Prävention / Bestimmung der IgG-Avidität

Während 1998 nur 20 Fälle klinisch-manifeste konnatale Toxoplasma-Infektionen den Gesundheitsämter gemeldet wurden, errechnen mathematische Modelle mindestens 300 Fällen zum Zeitpunkt der Geburt. Da viele konnatalen Infektionen erst als Spätfolge in den ersten 20 Lebensjahren klinisch manifest werden (v.a.Retinochorioiditis) und deshalb nicht gemeldet werden, gehen Schätzungen von mehr als 1500 Fälle einer klinisch relevanten konnatalen Toxoplasma-Infektion im Jahr allein in Deutschland aus.

Lab28 - Ausgabe Juli 2000

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Da nur die Erstinfektion während der Schwangerschaft zur konnatalen Toxoplasmose führt, wäre es wünschenswert, wenn der Immunstatus einer Frau bereits vor oder zu Beginn einer Schwangerschaft bekannt ist. Bei Nachweis Toxoplasma-spezifischer Antikörper zu diesem Zeitpunkt sind für die Schwangerschaft keine weiteren Konsequenzen hinsichtlich einer Toxoplasmose erforderlich; weitere Serumkontrollen erübrigen sich.

Werden jedoch keine Toxoplasma-spezifischen Antikörper vor oder zu Beginn einer Schwangerschaft nachgewiesen, muß die Schwangere eine Infektionsprophylaxe (s. Kasten) einhalten, und sollte alle 8-12 Wochen serologisch auf Toxoplasma-spezifische Antikörper untersucht werden.

Wichtige präventive Maßnahmen bei negativer Serologie:

  • Katzenkontakt meiden, bzw. Katzentoilette täglich von einer anderen Person mit heißen Wasser gut reinigen lassen
  • Gartenarbeit nur mit Handschuhen durchführen
  • Gemüse und Obst gut waschen
  • Rohes Fleisch nur mit Handschuhen bearbeiten
  • Nur ausreichend erhitztes Fleisch essen

Da in der Regel nur Katzen nach oraler Erstinfektion massiv Oozyten mit dem Stuhl ausscheiden, ist die Wahrscheinlichkeit der Infektiösität bei einer jungen Katze, die im Freiem gehalten wird, im Vergleich zu einer älteren Katze ungleich höher.

Im Gegensatz zu Frankreich und Österreich ist ein Screening auf Toxoplasmose während der Schwangerschaft in Deutschland bisher nicht vorgeschrieben. Eine Serokonversion wird entsprechend selten identifiziert. Die serologische Diagnostik erfolgt vielmehr indikationsbezogen.

Während die Konstellation IgG positiv /IgM negativ für eine zurückliegende(latente) Infektion spricht, bedarf der Nachweis von spezifischen IgM-Antikörpern einer weiteren Abklärung, da bei der Toxoplasmose IgM-Antikörper nicht selten persistieren, z.T über Jahre. Ein positiver IgM-Nachweis hat somit einen niedrigen positiven Vorhersagewert für eine akute Toxoplasmainfektion.

Serologische Diagnostik:
Entsprechend den Richtlinien des Robert Koch Institutes von 1998 (Mutterschaftsrichtlinien) führen wir in der ersten Stufe einen Suchtest mit hoher Sensitivität auf Toxoplasma IgG-Antikörper (EIA) durch. Ein positiver Suchtest bedarf einer weiteren Abklärung basierend auf der Bestimmung von IgM-Antikörpern.

Avidität von IgG-Antikörpern

Die Avidität beschreibt die Nettobindungskräfte einer Population von Antikörpern zu einem Antigen mit vielen Epitopen. Je höher die IgG-Avidität gegenüber dem Antigen eines Erregers ist , desto älter ist die Infektion:

In der Anfangsphase einer Infektion werden vom Immunsystem als Primärantwort niedrig avide, polyreaktive Antikörper gebildet, die von nicht mutierten Plasmazellen stammen. Erst dann beginnt eine Reifung der Immunantwort mit zunehmender Bildung von durch Antigen-Selektion mutierten B-Zellklonen sowie Gedächtnis-B-Zellen. Diesem Antigen-spezifischen Selektionsprozess geht die zunehmende Bildung hochavider Antikörper parallel.

Die Bestimmung der Avidität erfolgt durch Zugabe von Protein-denaturierende Reagenzien (z.B. Harnstoff). Das führt zu einer Störung der Bindung niedrig-avider Antikörper an das Festphasen gebundene Antigen des ELISA-Tests, während die Bindung hochavider Antikörper nicht gestört wird.

Ein positiver IgM-Nachweis muß durch weitere Untersuchungen abgeklärt werden. Hierzu stehen eine ganze Reihe verschiedener Testsysteme zur Verfügung. In dieser Situation hat sich die Bestimmung von Toxoplasma-IgG-Avidität bewährt, besonders bei der Diagnostik im ersten Trimenon: Läßt sich ein Toxoplasma-IgG-Antikörper mit hoher Avidität nachweisen, spricht das dafür, dass die Infektion mindestens 4 Monate zurückliegt!
Wird eine niedrige Toxoplasma-IgG-Avidität bestimmt, sind die Antikörper noch unreif. Damit ist eine frische Infektion wahrscheinlich und weitere Tests sind notwendig.

Literatur:

Groß U, Reichard U. Pränatale Toxoplasmose. Der Mikrobiologe 9. Jg. 1999: 121-124.



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