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Lab 28 - Ausgabe Dezember 2010


 

Steckbrief: Meningokokken

 

Meningokokken sind zusammen mit den Gonokokken aus der Familie der Neisserien von besonderem klinischen Interesse. Die wissenschaftliche Bezeichnung lautet: Neisseria meningitidis. Neisserien sind gramnegative semmelförmige Diplokokken. Neben den oben genannten besiedeln viele apathogene Neisseriaceae den Nasen-/ Rachenraum als Normalflora. Eine Unterscheidung der Neisserien erfolgt auf der unterschiedlichen biochemischen Fähigkeit, Zucker zu spalten.

Lab28 - Ausgabe Dezember 2010

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Steckbrief: Meningokokken
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Meningokokken siedeln wie die apathogenen Neisserien im Nasen-/ Rachenraum des Menschen, ohne nachweisbare Symptome zu verursachen. Sie sind bei bis zu 10 % der Bevölkerung nachweisbar.

Unterschiedliche Zusammensetzungen der Kapselpolysaccheride führen zur Unterscheidung von 12 Serogruppen der Meningokokken. Durch Bestimmung der Membranproteine werden weitere Serospezifiäten bestimmt und Antigenformeln erstellt.

Das Vorkommen von Meningokokken ist auf den Menschen beschränkt. Die Übertragung der Erreger erfolgt von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion von Nasen-/ Rachensekret oder durch Übertragung bei oralem Kontakt.

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 3-4 Tage, sie kann jedoch in einem Bereich von 2-10 Tagen liegen. In der Hälfte aller Fälle verläuft die Erkrankung als eitrige Meningitis. Bei septischen Verläufen zeigt die schwere Verlaufsform des septischen Schocks, die als Waterhouse-Friderichsen-Syndrom auftritt, eine sehr hohe Letalität.

Nach einem kurzen Prodromalstadium mit uncharakteristischen Beschwerden, meistens Zeichen eines Nasen-/ Racheninfektes kommt es zu plötzlichem Auftreten von Kopfschmerzen, Fieber Schüttelfrost, Erbrechen, Schwindel; Nackensteifigkeit und schwerstem Krankheitsgefühl. Neurologische Symptome können ebenfalls auftreten. 75 % der Fälle zeigen makulo-papulöse Exantheme, petechiale Blutungen oder eine Purpura fulminans.

Erkrankungen treten weltweit auf, und können alle Altersgruppen betreffen. In Europa besteht eine Häufung in den drei ersten Monaten des Jahres. In dieser Zeit sind etwa 40 % der Erkrankungen zu verzeichnen. In Industrieländern sind Meningokokkenerkrankungen in der Regel Einzelerkrankungen oder kleinere Ausbrüche. Die Inzidenz liegt bei 1-4 Erkrankungen, allerdings bei Kindern unter 1 Jahr bei 15 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Die Hälfte aller Erkrankungen tritt im Alter bis zu 5 Jahren auf. Aus Südamerika, Afrika, China wird regelmäßig von größeren Ausbrüchen berichtet. Diese Epidemien betreffen tausende Menschen und verursachen viele Todesfälle.

Bei klinischem Verdacht auf eine Meningokokken-Erkrankung ist eine schnelle Diagnostik und Therapie erforderlich. In erster Linie ist die Untersuchung von Liquor von Bedeutung, zur Beurteilung eines Grampräparates, eines Antigennachweises, zur Anlage einer Kultur.

Gleichzeitig sollte immer eine Blutkultur abgenommen werden. Die Untersuchung von Entzündungs- und Gerinnungsparametern muss außerdem erfolgen.

Bei Meningokokken-Infektionen ist Penicillin G das Mittel der Wahl. Da aus dem Ausland bereits Penicillin G intermediär empfindliche Stämme gefunden wurden, ist bei der Schwere des Krankheitsbildes eine sofort einsetzende Therapie mit einem Cephalosporin der dritten Generation gerechtfertigt. Bei begründetem klinischem Verdacht muss die Antibiotikatherapie sofort eingeleitet werden. Weitere therapeutische Maßnahmen sind selbstverständlich erforderlich.

Bei Verdacht auf Meningokoken-Erkrankung muss die erkrankte Person sofort ins Krankenhaus eingewiesen und bis zu 24 Stunden nach Beginn einer spezifischen Therapie einzeln untergebracht werden. Für das Pflegepersonal gelten die grundlegenden Hygienemaßnahmen, z. B. Tragen von Schutzkitteln, Handschuhen, Nasen-/ Mundschutz, Händedesinfektion.

Enge Kontaktpersonen zu Erkrankten müssen über Frühsymptome der Erkrankung (Fieber, Kopfschmerzen etc) informiert werden, damit sie den Hausarzt rechtzeitig aufsuchen können. Gegebenenfalls muss bei diesen Personen eine Chemoprophylaxe schnellstmöglich durchgeführt werden. Sie erfolgt bei Kindern in der Regel mit Rifampicin, bei Erwachsenen mit einer einmaligen Gabe von 500 mg Ciprofloxacin.

Nach § 6 IfSG sind Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod an Meningokokken-Meningitis oder - Sepsis namentlich an das zuständige Gesundheitsamt zu melden.

Nach § 7 wird der N. meningitidis-Nachweis aus Liquor, Blut oder anderen primär sterilen Substraten gemeldet.

Prävention:
Als präventive Maßnahme ist die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W135, Y möglich. Sie sollte nach den Empfehlungen der ständigen Impfkommission (STIKO) durchgeführt werden.

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