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Lab 28 - Ausgabe Dezember 2010


 

Einfluss der neuen Antikoagulanzien Dabigatran und Rivaroxaban auf Gerinnungsanalysen

 

Mit Dabigatran (Pradaxa®) und Rivaroxaban (Xarelto®) stehen seit 2008 zwei viel versprechende oral zu verabreichende Gerinnungsinhibitoren zur Verfügung, die derzeit zur Prophylaxe bei Hüft- und Kniegelenksoperationen eingesetzt werden. Diese Substanzen werden voraussichtlich in Kürze auch zur Therapie des Vorhofflimmerns und venöser Thromboembolien zugelassen werden. Sie haben außer der oralen Verabreichung den Vorteil der von Antithrombin unabhängigen Wirkung und eine relativ kurze Halbwertszeit.

Lab28 - Ausgabe Dezember 2010

Was wirklich wichtig wird
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Fortbildungskalender für Fachpersonal
Heparin-induzierte Thrombozytopenie
Neue Antikoagulanzien Dabigatran und Rivaroxaban
Chlamydien- und Gonokokken-Nachweis
Diagnostik einer Zöliakie
Steckbrief: Meningokokken
Diagnostisches Vorgehen bei Flush
Richtlinien zur Hämotherapie
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Richtige Aufkleber benutzt?
Zentrale Endoskopie im St. Joseph Krankenhaus
Der Steuertipp 3/2010

Dadurch sind sie gut steuerbar und zudem ist (anders als bei Cumarinen) in der Regel kein Therapiemonitoring erforderlich.
Trotzdem wird sich das Labor intensiv mit diesen Substanzen beschäftigen müssen, denn:

beide Gerinnungsinhibitoren haben einen erheblichen Einfluss auf viele Gerinnungsanalysen, so dass es ohne Kenntnis der Einnahme zu Fehlinterpretationen von Laborbefunden kommen kann!

Dies gilt insbesondere bei therapeutischer Dosierung, in geringerem Maße aber auch bei prophylaktischer Gabe!
Dabigatran hemmt direkt Thrombin (Faktor IIa) und beeinflusst viele Thrombin-basierte funktionelle Gerinnungsanalysen. Insbesondere kommt es zu einer erheblichen PTT-Verlängerung, aber auch  der „Quickwert“ kann in geringerem Maße verfälscht und zu niedrig gemessen werden. Ergebnisse der APC-Resistenz fallen zu hoch aus und Lupus-Antikoagulanzien werden falsch pathologisch bestimmt. Auch die Aktivität der meisten Einzelgerinnungsfaktoren wird mittels funktioneller Clottingteste bestimmt und dann falsch zu niedrige Ergebnisse ermittelt. Da der in unserem Labor eingesetzte Antithrombin-Clottingtest nicht thrombinabhängig ist, bleiben die AT-Ergebnisse auch unter Dabigatran valide. Für wenige Untersuchungen stehen im Gerinnungslabor auch sog. „chromogene Teste“ zur Verfügung. Diese bleiben i. d. R. unbeeinflusst und die Ergebnisse somit verwertbar. Im Labor28 betrifft dies insbesondere den Faktor VIII. Faktor VIII-Aktivitäten unter 10% werden jedoch mit einem funktionellen Test quantifiziert und sind dann wiederum verfälscht.

Rivaroxaban ist ein direkter Faktor X-Inhibitor und hat einen starken Effekt auf die Quick-Ergebnisse, die falsch zu niedrig gemessen werden. In geringerem Ausmaß kann aber auch die PTT verlängert werden. Auch Lupus-Antikoagulanzien (DRVVT)-Teste sind unter Rivaroxaban nicht mehr aussagekräftig. Antithrombin-Ergebnisse werden bei Verwendung von Faktor-Xa-basierten Testen falsch zu hoch ermittelt.

Fazit:
Es werden also viele Analysenergebnisse in Abhängigkeit von der verwendeten Methode und auch des eingesetzten Testreagenz in unterschiedlichem Ausmaß verfälscht, so dass die Störeffekte nicht generell von Labor zu Labor vergleichbar sind!

Zu diesem Thema werden derzeit auch noch einige Studien durchgeführt, deren Ergebnisse abzuwarten bleiben.

Grundsätzlich unbeeinflusst bleiben Analysenergebnisse, die mittels Immunoassays ermittelt werden: dies betrifft die D-Dimere, das von Willebrandt-Antigen und den Ristocetin-Co-Faktor.

Um Fehlinterpretationen zu vermeiden sollte bei Anforderung von Gerinnungsanalysen unter Gabe der genannten Medikamente Folgendes beherzigt werden:

  1. Dem Labor sollte unbedingt die entsprechende Substanz, der Zeitpunkt der letzten Einnahme sowie der Blutentnahme und die Dosis mitgeteilt werden. Nur dann kann der Einfluss auf die Analysenergebnisse bei der Befundbeurteilung berücksichtigt werden.
  2. Da der stärkste Effekt vermutlich ca. 2-3 Stunden nach Gabe auftritt, sollte die Blutentnahme grundsätzlich direkt vor der nächsten Tabletteneinnahme, also im Talspiegel erfolgen. Zumindest bei prophylaktischer Dosierung können damit die störenden Effekte auf die Analysen minimiert werden.

Die Anmerkungen gelten natürlich auch für andere schon seit längerem eingesetzte Medikamente wie z. B. Argatroban, dessen Einsatz sich aber auf wenige Indikationen (wie HIT II) im klinischen Bereich  beschränkt. Jedoch sollte auch hier das Labor entsprechend informiert werden.

Dabigatran

TF=Tissue Factor
AT=Antithrombin
NMH=Niedermolekulare Heparine
UFH=Unfranktionierte Heparine

Literatur:

aus Vortrag Frau Prof. Dr. E. Lindhoff-Last, Leiterin Schwerpunkt Angiologie/Hämostaseologie, Johann-Wolfgang-Goethe Universitätsklinikum Frankfurt a. M., Roche Tage, Mannheim, 11.06.2010

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