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Lab 28 - Ausgabe Dezember 2009


 

Soll der obere Referenzwert des TSH gesenkt werden?

 

Die Diskussion um eine Absenkung des oberen Referenzwertes des TSH hält an.In den letzten Jahren wurden in neueren Populationsstudien niedrigere TSH-Referenzbereiche ermittelt (z. B. US-Studie NHANES III an 1334 Personen: TSH-Referenzbereich 0,3-2,5 mU/l, SHIP-1-Studie in Mecklenburg-Vorpommern: TSH-Referenzbereich 0,3-2,12 mU/l).

Lab28 - Ausgabe Dezember 2009

Baustelle Gesundheit
Referenzwert des TSH senken?
Diabetes mellitus: Diagnose mit HbA1c
Diagnostik des Fibromyalgiesyndroms
Anti-Müller-Hormon (AMH)
Fruktose-Intoleranz Aldolase-B-Gentest
HIV-Infektion - Diagnostik und Epidemiologie
Beurteilung von Laboratoriumsbefunden
Nachtdialyse
Steuertipp: Freibetrag bei Betriebsveräußerungen

Allerdings haben mehrere Studien auch Referenzbereiche ermittelt, die den aktuellen Grenzwerten entsprechen.

Eine Absenkung des oberen Grenzwertes würde die Diagnostik und die therapeutische Entscheidung erheblich beeinflussen. Deshalb haben Fachgesellschaften und Experten nach intensiven Diskussionen dafür plädiert, den bisher gültigen Bereich zu belassen und den oberen Grenzwert keinesfalls zu senken, denn

  1. eine Absenkung würde zu einem Anstieg der Prävalenz subklinischer Hypothyreosen von jetzt ca. 5 % auf 20 % führen. Damit droht eine Überdosierung und Übertherapie.
  2. Der TSH-Referenzbereich ist abhängig von der Jodversorgung der jeweiligen Region.
  3. In einer Metaanalyse fand sich kein gesicherter positiver Effekt einer Schilddrüsenhormonsubstitution bei TSH-Werten von 4-10 (FT4 im Referenzbereich) oder 2,5-4 mU/l.
  4. Zahlreiche Faktoren können TSH-Konzentrationen auch von Gesunden beeinflussen, z. B. hat die TSH-Sekretion eine zirkadiane und pulsative Schwankung von 30-50 %.
    In einer Studie an ca. 400.000 Patienten beobachtete man, dass sich gering veränderte Werte bei mehr als 50 % der Fälle bei einem Kontrolltermin spontan normalisiert hatten.
Faktoren, die den TSH-Wert beeinflussen (ohne Schilddrüsenerkrankungen oder schilddrüsenwirksame Medikamente)
TSH erhöht TSH erniedrig
  • Zirkadiane Rhythmik (nachts)
  • kuter Schlafentzug
  • Genesung von schweren Allgemeinerkrankungen
  • Dopaminantagonisten
  • Lithium
  • Carbamazepin
  • Theophyllin
  • Sexualsteroide
  • Transient bei hoher Jodbelastung (Amiodaron)
  • Fasten
  • Chronische und/ oder schwere Allgemeinerkrankungen
  • Dopamin und Dopaminantagonisten
  • Serotoninantagonisten
  • Somatostatin, -analoga
  • Morphin und -derivate
  • Glukokortikoide
  • Heparin

Bis große Studien zu klaren Leitlinien führen werden, wird eine Substitutionstherapie bei folgenden Konstellationen empfohlen:

  1. TSH > 3 mU/l
    - Gravidität
    - Sterilität/ Kinderwunsch mit Nachweis von TPO-Antikörpern
  2. TSH > 4,5 mU/l (FT4 im Referenzbereich)
    - Nachweis von TPO-AK
    - Zustand nach Radiojodtherapie oder Schilddrüsen-OP
    - probatorisch bei spezifischen Symptomen oder Depressionen
    - Hyperlipidämie? Arteriose-Risikokonstellation?
  3. TSH > 10 mU/l

Literatur:

  1. MMW-Fortschr.Med. Nr. 42/ 2009 (151. Jg.)
  2. Report in „Der Internist“ Band 48, Heft 9, September 2007
  3. 5. Münchener Schilddrüsen-Symposium 2007
  4. Kongressbericht Wiesbaden 2006

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