Aktuelles aus dem St. Joseph-Krankenhaus, Berlin-Tempelhof
 |
|
Nachtdialyse
|
|
Einleitung
Die Mortalität, insbesondere die kardiovaskuläre Mortalität, der Dialysepatienten ist gegenüber der Normalbevölkerung deutlich erhöht. Zahlreiche Komplikationen der terminalen Niereninsuffizienz wie beispielsweise Hypertonie, renale Anämie, chronische Inflammation, Hyperphosphatämie und Malnutrition begünstigen die gesteigerte Mortalität bei Dialysepatienten. Ein Ansatzpunkt, dies langfristig zu verbessern, besteht in einer intensivierten Dialyse mit besserer Kontrolle der kardiovaskulären Risikofaktoren, besserer Rehabilitation und Lebensqualität, geringeren diätetischen Auflagen, verbesserter Leistungsfähigkeit sowie Senkung der langfristigen Therapiekosten pro Patient durch einen geringeren Medikamentenbedarf und Reduktion der Hospitalisationsrate.
Verschiedene Möglichkeiten zur Intensivierung der Hämodialyse werden angeboten. Es kann entweder die Dialysebehandlungszeit bei gleich bleibender Frequenz erhöht werden, die Dialysefrequenz bei gleich bleibender Wochendialysedauer oder beides: Verlängerung der Dialysedauer und -Frequenz.
Im St. Joseph Krankenhaus bieten wir seit Mitte dieses Jahres im Rahmen unserer Kooperation mit dem KfH-Nierenzentrum die sogenannte nächtliche Dialyse an.
Diese Form der Dialyse wird über Nacht im Zentrum als sog. limited care Behandlung (d. h. ohne ständige Arztpräsenz) durchgeführt. Die Wochendialysezeit wird somit von normalerweise 3 x 4-5 h auf 3 x 8 h erhöht.
Voraussetzung sind stabile Kreislaufverhältnisse unter der Dialyse sowie ein guter Shunt, weshalb die Patienten zunächst tagsüber in einem Dialysezentrum mit Arztanwesenheit behandelt werden sollten.
Klinische Ergebnisse
Die längsten Erfahrungen mit diesem Dialyseverfahren bestehen in Tassin/Frankreich. Hier konnte im Vergleich zu Registerdaten aus Japan, Europa und den USA ein Überlebensvorteil gefunden werden, welcher umso ausgeprägter ist, je älter die Patienten sind. Folgende Gründe wurden diskutiert für das bessere Überleben in Tassin: hohe Dialysedosis, adäquate Entwässerung, niedrige Inzidenz für Hypertonie. Charra et al. konnten an 124 Dialysepatienten zeigen, dass der Blutdruck 3 Monate nach Umstellung von 3 x 5 h auf 3 x 8 h Dialyse signifikant niedriger war und nur bei einem Patienten noch Antihypertensiva erforderlich waren. Umgekehrt führte eine Umstellung von 3 x 8 h auf 3 x 5 h wiederum zu einer Verschlechterung der Blutdruckwerte. Als Ursache für die bessere Blutdruckkontrolle unter längerer Dialyse wird diskutiert, dass das Trockengewicht bedingt durch eine niedrigere stündliche Entwässerungsrate kreislaufschonender erreicht werden kann. In einer schwedischen Studie konnte gezeigt werden, dass bei kürzerer Dialysezeit tatsächlich die Patienten mit niedrigem Extrazellulärvolumen auch die besseren Blutdruckwerte hatten. Bei der langen Dialyse hatten jedoch auch Patienten mit höherem Extrazellulärvolumen noch eine gute Blutdruckeinstellung. Es wird deshalb postuliert, dass bei der längeren Dialyse auch volumenunabhängige Mechanismen zur Blutdruckkontrolle eine wichtige Rolle spielen, wie z. B. die bessere Elimination von vasoaktiven Substanzen.

Die Erfahrungsberichte von Dialysezentren mit 3 x 8 h Nachtdialyse zeigten eine bessere Blutdruckkontrolle bei geringerer Anzahl von Antihypertensiva, geringeren EPO-Verbrauch und eine bessere Phosphatkontrolle. Zusätzlich berichten verschiedene Zentren nach Umstellung auf 3 x 8 h Nachtdialyse über eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität. Die Patienten fühlen sich besser und schätzen den Gewinn an Freizeit. In der Regel braucht es eine 1-3 wöchige Eingewöhnungszeit, um eine ausreichende Nachtruhe zu finden.
Die Nachtdialyse ist besonders geeignet für Patienten mit Phosphat- oder Blutdruckproblemen, kardialen Problemen und für anurische Patienten. Ältere und Berufstätige und gerade auch Eltern von jüngeren Kindern schätzen diese Form der Dialyse wegen des größeren Spielraums bei der Alltagsgestaltung.
Prof. Dr. Christiane Erley Chefärztin der Medizinischen Klinik II Schwerpunkte Nephrologie und Dialyse, Hypertensiologie, internistische Intensivmedizin
[nach oben] [zurück] [nächster Artikel]
|