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Sensitivität (SEN), Spezifität (SPEZ), prädiktiver Wert (PW) SEN und SPEZ sind statistische Größen, die als Merkmal eines Labortests ermittelt werden. Die SEN eines Tests gibt an, wie viele bei einem Kollektiv von Patienten, bei denen die entsprechende Krankheit mit Sicherheit besteht, durch den Test als positiv erkannt werden.
Zur Ermittlung der SPEZ testet man ein Kollektiv von Probanden, die erwiesenermaßen an der Krankheit nicht leiden bzw. gesund sind.
Die entscheidende Frage für den Arzt ist jedoch nicht, wie oft der Test bei Kranken positiv (SEN), bei Nichtkranken negativ (SPEZ) ausfällt, sondern vielmehr die Frage, wie groß bei positivem Testausfall die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine Krankheit vorliegt (positiv PW) oder dass keine Krankheit vorliegt, wenn der Test negativ ausfällt (negativ PW). Diese beiden bedingten Wahrscheinlichkeiten sind von SEN und SPEZ und noch einer dritten Größe, dem Anteil der Kranken am gesamten Kollektiv, der Prävalenz abhängig. Positiv PW = Der Anteil tatsächlich Erkrankter unter denjenigen mit positivem Testergebnis. Negativ PW = Der Anteil tatsächlich Gesunder unter den negativen Testergebnissen.
Der Einfluss der Prävalenz auf die Wirksamkeit eines diagnostischen Tests wird oft unterschätzt. Bei sinkender Prävalenz der Erkrankung, d. h. prozentual immer weniger kranken Personen im Untersuchungskollektiv, werden aber immer mehr gesunde Probanden untersucht. Deshalb ist ein positives Testergebnis auch mit immer höherer Wahrscheinlichkeit falsch positiv. D. h. je niedriger die Prävalenz der Erkrankung, desto niedriger der positive PW. Analoge Überlegungen gelten für den negativen PW. Während SEN und SPEZ testspezifische Eigenschaften sind, die der Arzt nicht beeinflussen kann, ist der Aussagewert eines positiven Testergebnisses (positiver PW) kritisch von der Prävalenz der Erkrankung im Testkollektiv abhängig und die kann der Arzt beeinflussen, indem er Tests nur indiziert anfordert (Erhöhung der Prävalenz). Nicht indizierte Untersuchungen führen zu einer Senkung des positiven PW und somit zur Zunahme falsch positiver Testergebnisse. In einem kürzlich von W. Bautsch im Deutschen Ärzteblatt (Jg. 106, Heft 24, 2009, Seite 403-406) veröffentlichten Artikel findet man praktische Beispiele (z. B. Labordiagnostik der Borreliose) hinsichtlich der oben allgemein beschriebenen Problematik dargestellt. |