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Lab 28 - Ausgabe Dezember 2009


 

Diagnostik des Fibromyalgiesyndroms (FMS)

 

Lab28 - Ausgabe Dezember 2009

Baustelle Gesundheit
Referenzwert des TSH senken?
Diabetes mellitus: Diagnose mit HbA1c
Diagnostik des Fibromyalgiesyndroms
Anti-Müller-Hormon (AMH)
Fruktose-Intoleranz Aldolase-B-Gentest
HIV-Infektion - Diagnostik und Epidemiologie
Beurteilung von Laboratoriumsbefunden
Nachtdialyse
Steuertipp: Freibetrag bei Betriebsveräußerungen

Das Fibromyalgiesyndrom zählt zu den Krankheiten des Weichteilgewebes und wird als funktionelles somatisches Syndrom mit einem typischen Beschwerdekomplex unbekannter Ätiologie klassifiziert. Leitsymptome des FMS sind chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen (chronic widespread pain, CWP), eine lokale Hyperalgesie an Muskel-Sehnenansätzen sowie unterschiedliche allgemeine und vegetative Symptome. 1-2 % der Erwachsenen in der allgemeinen Bevölkerung erfüllen die Kriterien eines FMS. Das Verhältnis von Frauen zu Männern beträgt 4-6:1

Definition des FMS durch die Kriterien des American College of Rheumatology (ACR):

  1. Schmerz in mehreren Körperregionen, d. h.
    - Schmerzen des Achsenskeletts (Halswirbelsäule oder vorderer Brustkorb oder Brustwirbelsäule oder Lendenwirbelsäule) und
    - Schmerzen der rechten und linken Körperhälfte und
    - Schmerzen oberhalb und unterhalb der Taille
  2. Dauer > 3 Monate
  3. Schmerzangabe des Patienten bei Palpation von mindestens 11 von 18 definierten Druckpunkten („tender points“)

Typische begleitende vegetative Symptome des FMS sind kalte Akren, Sicca-Symptome, Hyperhidrosis der Hände und Tremor. Zu den häufig assoziierten funktionellen Beschwerden zählen Müdigkeit, Schwäche und Schlafstörungen, Dysästhesien, Migräne, Steifigkeits- und Schwellungsgefühl, Atem- und Herzbeschwerden, gastrointestinale Beschwerden, Dysmenorrhö und Dysurie.

Die bildgebende Diagnostik zeigt beim FMS keine spezifischen Befunde. Obligate Laboruntersuchungen bei Erstevaluation bei chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen dienen zur Abgrenzung von häufigen anderen Erkrankungen.

Weitere Laboruntersuchungen können in Abhängigkeit von der Anamnese und dem körperlichen Untersuchungsbefund sinnvoll sein.

Obligate Laboruntersuchungen: Hinweis auf:

BSG, CRP, kleines Blutbild

Polymyalgia rheumatica, rheumatoide Arthritis

Kreatinkinase

Muskelerkrankung

Kalzium

Hyperkalzämie

TSH

Hypothyreose

Zahlreiche internistische und neurologische Erkrankungen können mit chronischen, generalisierten Glieder- und Muskelschmerzen einhergehen. Die wichtigsten Differenzialdiagnosen sind:

Innere Erkrankungen

Chronisch entzündliche rheumatische Erkrankung
Chronische Hepatitis C
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
Zöliakie
Osteoporose
Hyper-/Hypoparathyreoidismus
Hyper-/Hypothyreose
Nebenwirkung von Arzneimitteln

Neurologische Erkrankungen

Myopathie (entzündlich, metabolisch,degenerativ, endokrin)
Myotonie
Toxische Myalgie
Myalgie bei seltenen Erkrankungen (z. B. stiff-person-Syndrom)
Myalgien bei Schädigung des zentralen oder peripheren Nervensystems

Zusammenfassend kann die klinische Diagnose eines FMS bei Angabe von chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen nach Ausschluss organischer Erkrankungen symptombasiert und fakultativ durch die Überprüfung der Druckschmerzempfindlichkeit nach ACR-Kriterien erfolgen.

Literatur:

  1. Häuser W, Eich W, Herrmann M , Nutzinger DO, Schiltenwolf M, Henningsen P. Klinische Leitlinie Fibomyalgiesyndrom. Klassifikation, Diagnose und Behandlungsstrategien. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(23):383-91
  2. Köllner V, Bernardy K, Sommer C, Häuser W. Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndrms. Dtsch Med Wochenschr 2009; 134:1163-1174
  3. „Interdisziplinäre S3-Leitlinie“ Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms, Der Schmerz 22 (2008) Themenheft
  4. Genth E et al., Fibromyalgiesyndrom in: Qualitätssicherung in der Rheumatologie, Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V., Steinkopf-Verlag 2007, S. 163-165

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