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Lab 28 - Ausgabe Dezember 2009


 

Diabetes mellitus: Diagnose mit HbA1c

 

Es wird empfohlen, anstelle der Nüchternglukose oder des oGTT die Diagnose des Diabetes mellitus ab sofort allein anhand des HbA1c-Wertes zu stellen (Ausnahme Gestationsdiabetes). Nur in Ländern mit eingeschränkten finanziellen Ressourcen sollen die bisher empfohlenen Diagnosekriterien verwendet werden können (Diabetes Care.32, 7, 1327-1334, July 2009). Beteiligte an diesen Empfehlungen sind die American Diabetes Association (ADA), die European Association for the Study of Diabetes und die International Diabetes Federation.

Lab28 - Ausgabe Dezember 2009

Baustelle Gesundheit
Referenzwert des TSH senken?
Diabetes mellitus: Diagnose mit HbA1c
Diagnostik des Fibromyalgiesyndroms
Anti-Müller-Hormon (AMH)
Fruktose-Intoleranz Aldolase-B-Gentest
HIV-Infektion - Diagnostik und Epidemiologie
Beurteilung von Laboratoriumsbefunden
Nachtdialyse
Steuertipp: Freibetrag bei Betriebsveräußerungen

In vielen Studien ließ sich eine strengere Abhängigkeit der Retinopathie vom HbA1c-Wert als von der Nüchternglukose nachweisen. In der DETECT-2-Studie zeigt sich ein Anstieg des Risikos für Retinopathie ab 6,5 % HbA1c (n = 28000 aus 9 Ländern). Bei Patienten mit Werten unter 6,5 % waren so gut wie keine Retinopathien nachweisbar.

Außerdem ist in den letzten Jahren die internationale Standardisierung der HbA1c-Messung deutlich verbessert worden. Diese Gründe haben zu einer Neubewertung des HbA1c geführt: Die Diagnose Diabetes mellitus ist bei HbA1c-Werten über 6,5 % zu stellen. Bei Werten zwischen 6,0-6,5 % werden Präventionsstrategien empfohlen.

HbA1c hat gegenüber der Nüchternglukose und 2-h-oGTT erhebliche Vorteile: HbA1c ist besser standardisiert, hat eine deutlich kleinere biologische Variabilität (VK von Tag zu Tag: HbA1c < 2 %, Nüchternglukose 12-15 %) und eine bessere präanalytische Stabilität. Außerdem ist bei der HbA1c-Bestimmung die Tageszeit unerheblich und eine Nahrungskarenz nicht notwendig. HbA1c ist darüber hinaus robuster gegenüber kurzzeitig veränderten Glukosewerten bspw. Stress oder Krankheit.

Folgende Einschränkungen für HbA1c als Diagnosemarker sind aber zu beachten: Hämoglobinopathien können bei der HbA1c-Messung interferieren. Patienten mit erhöhtem Erythrozytenumsatz haben höhere HbA1c-Werte (Hämolyse, Malaria, Blutverluste, Transfusionen). Bei einem sich schnell entwickelnden Typ 1-Diabetes muss HbA1c noch nicht > 6,5 % sein (alternativ: Gelegenheitsglukose über 200 mg/dl und klinische Symptome).

Außerdem sind Geräte für die patientennahe Sofortdiagnostik (point of care testing) für die HbA1c-Messung nicht präzise genug.

Empfehlungen der internationalen Expertengruppe für die Diagnose des Diabetes:

  • Der HbA1c-Test ist ein akkurates und präzises Maß für chronische Hyperglykämien und korreliert gut mit dem Risiko für diabetische Folgeschäden.
  • Der HbA1c-Test hat viele Vorteile gegenüber einer Glukosemessung.
  • Ein Diabetes mellitus sollte diagnostiziert werden, wenn HbA1c > 6,5 % gemessen wird. Die Diagnose ist durch eine HbA1c-Wiederholungsmessung zu bestätigen (kann entfallen, wenn Gelegenheitsglukose über 200 mg/dl).
  • Wenn eine HbA1c-Bestimmung nicht möglich ist, können die bisherigen Empfehlungen verwendet werden.
  • Bei Kindern mit Verdacht auf Diabetes mellitus aber Glukosewerten unter 200 mg/dl ist der HbA1c-Test indiziert.

Empfehlungen der internationalen Expertengruppe zur Erkennung der Individuen mit hohem Diabetesrisiko:

  • Es gibt keine untere Schwelle der Blutglukose, bei der ein Diabetesrisiko sicher beginnt, da sich dieses Risiko kontinuierlich entwickelt.
  • Eine Kategorisierung in Prä-Diabetes, abnomer Nüchternglukose oder gestörte Gukosetoleranz widerspricht diesem kontinuierlichen Prozess und sollte mit der Einführung der HbA1c-Messungen verlassen werden.
  • Wie bei der Diagnosestellung erwähnt, hat die HbA1c-Bestimmung testbedingt viele Vorteile gegenüber einer Glukosemessung.
  • Sofern der HbA1c-Wert oberhalb 6,0 % ausfällt, sollten effektive präventive Maßnahmen ergriffen werden. Bei Werten darunter könnte in Abhängigkeit von anderen Risikofaktoren immer noch ein Risiko vorliegen und ein Nutzen durch präventive Maßnahmen möglich sein.
  • Ab welchem HbA1c-Wert präventive Dienstleistungen angeboten werden sollen, muss von den Maßnahmen selbst, den möglichen Ressourcen und der Größe des betroffenen Kollektivs abhängig gemacht werden.

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