|
Es wird empfohlen, anstelle der Nüchternglukose oder des oGTT die Diagnose des Diabetes mellitus ab sofort allein anhand des HbA1c-Wertes zu stellen (Ausnahme Gestationsdiabetes). Nur in Ländern mit eingeschränkten finanziellen Ressourcen sollen die bisher empfohlenen Diagnosekriterien verwendet werden können (Diabetes Care.32, 7, 1327-1334, July 2009). Beteiligte an diesen Empfehlungen sind die American Diabetes Association (ADA), die European Association for the Study of Diabetes und die International Diabetes Federation. In vielen Studien ließ sich eine strengere Abhängigkeit der Retinopathie vom HbA1c-Wert als von der Nüchternglukose nachweisen. In der DETECT-2-Studie zeigt sich ein Anstieg des Risikos für Retinopathie ab 6,5 % HbA1c (n = 28000 aus 9 Ländern). Bei Patienten mit Werten unter 6,5 % waren so gut wie keine Retinopathien nachweisbar. Außerdem ist in den letzten Jahren die internationale Standardisierung der HbA1c-Messung deutlich verbessert worden. Diese Gründe haben zu einer Neubewertung des HbA1c geführt: Die Diagnose Diabetes mellitus ist bei HbA1c-Werten über 6,5 % zu stellen. Bei Werten zwischen 6,0-6,5 % werden Präventionsstrategien empfohlen. HbA1c hat gegenüber der Nüchternglukose und 2-h-oGTT erhebliche Vorteile: HbA1c ist besser standardisiert, hat eine deutlich kleinere biologische Variabilität (VK von Tag zu Tag: HbA1c < 2 %, Nüchternglukose 12-15 %) und eine bessere präanalytische Stabilität. Außerdem ist bei der HbA1c-Bestimmung die Tageszeit unerheblich und eine Nahrungskarenz nicht notwendig. HbA1c ist darüber hinaus robuster gegenüber kurzzeitig veränderten Glukosewerten bspw. Stress oder Krankheit. Folgende Einschränkungen für HbA1c als Diagnosemarker sind aber zu beachten: Hämoglobinopathien können bei der HbA1c-Messung interferieren. Patienten mit erhöhtem Erythrozytenumsatz haben höhere HbA1c-Werte (Hämolyse, Malaria, Blutverluste, Transfusionen). Bei einem sich schnell entwickelnden Typ 1-Diabetes muss HbA1c noch nicht > 6,5 % sein (alternativ: Gelegenheitsglukose über 200 mg/dl und klinische Symptome). Außerdem sind Geräte für die patientennahe Sofortdiagnostik (point of care testing) für die HbA1c-Messung nicht präzise genug. Empfehlungen der internationalen Expertengruppe für die Diagnose des Diabetes:
Empfehlungen der internationalen Expertengruppe zur Erkennung der Individuen mit hohem Diabetesrisiko:
|