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Lab 28 - Ausgabe Dezember 2008


 

Sportanämie

 

In zahlreichen Untersuchungen wurde bei Sportlern, insbesondere bei Ausdauersportlern, im Vergleich zu Nichtsportlern eine erniedrigte Erythrozyten- und Hämoglobinkonzentration nachgewiesen. Bei Vergleichsuntersuchungen zwischen Ausdauertrainierten und Untrainierten wurden ein um ca. 0,5 g/dl verminderter Hämoglobinwert und ein um ca. 2 % verminderter Hämatokritwert beobachtet.

Lab28 - Ausgabe Dezember 2008

Labor - Reform - Chaos
Anti-Müller-Hormon (AMH)
Der C1-Esterase-Inhibitor-Mangel
Primärer Hyperaldosteronismus
Vitamin D-Schutz vor Osteoporose u. Karzinomen
Labordiagnostik beim Raynaud-Phänomen
Sportanämie
Pseudothrombozytopenie
Mikrobiologische Diagnostik mit MALDI-TOF
Berliner Diabeteszentrum für Schwangere
Einsendung Mikrobiologischer Proben
Steuertipp: Neuregelung der Abgeltungssteuer

Dieses Phänomen wird auch mit dem nicht eindeutig definierten Begriff „Sportanämie“ belegt. Diese subnormalen Werte des roten Blutbildes dürfen nicht im Sinne einer Anämie fehlinterpretiert werden. Sportbedingt sind beim Ausdauertrainierten die absolute Zahl der roten Blutzellen und das Plasmavolumen erhöht. Da das Plasmavolumen dabei im Vergleich zur absoluten Erythrozytenzahl überproportional vergrößert ist, resultiert eine verminderte Konzentration der Erythrozyten- und Hämoglobinkonzentration. Eine bessere Bezeichnung für das subnormale rote Blutbild beim Ausdauersportler wäre der Begriff „Pseudoanämie“. Vor allem kommt diesem Phänomen kein Krankheitswert zu. Bei der Pseudoanämie handelt es sich um eine Anpassung an Ausdauersport, da gleichzeitig die Viskosität des Blutes vermindert ist und damit auch die Herzarbeit. Außerdem spielt eine Vergrößerung des Plasmavolumens für die Thermoregulation und die Erhaltung der Homöostase eine wesentliche Rolle.
Eine zuverlässigere Methode wäre bei Sportlern die direkte Messung des absoluten Erythrozytenvolumens oder der absoluten Hämoglobinmenge. Die dazu notwendigen Meßmethoden werden jedoch nur von hierauf spezialisierten Institutionen angeboten.

Sportbedingter Eisenmangel und Eisenmangelanämie

Neben dem Phänomen Pseudoanämie ist bekannt, dass Eisenmangel und Eisenmangelanämie bei Sportlern (abhängig von Trainingsart und Trainingsumfang) häufiger auftreten als bei Nichtsportlern. Das liegt daran, dass Sportler, insbesondere Frauen, einen erhöhten Bedarf und Verlust an Eisen haben. Die Diagnostik einer Anämie bzw. eines Eisenmangels gestaltet sich wegen der oben beschriebenen Adaptionen (Pseudoanämie) beim Sportler besonders schwierig. Die üblichen Referenzbereiche für das rote Blutbild können nicht ohne weiteres zur Beurteilung herangezogen werden. Auch die Ferritinbestimmung als traditioneller Marker zur Feststellung eines Körpereisenmangels hat beim Sportler nicht die übliche Zuverlässigkeit. Ferritin ist als „akute Phase Protein“ noch bis zu einer Woche falsch hoch zu finden und im Ruhezustand durch den Verdünnungseffekt falsch niedrig.
Bei der Beurteilung des Eisenstatus ist zu beachten, in welcher Trainingsphase die Bestimmung der Laborbefunde erfolgt. Im Zweifelsfalle sollten die Laboruntersuchungen nach einer 10tägigen Regenerationspause durchgeführt oder wiederholt werden.
Nach dieser Zeit erreichen die Ferritinwerte wieder ihren Ausgangswert.
In den letzten Jahren wurden neue Marker des Eisenstatus entwickelt, die für die Diagnostik eines Eisenmangels beim Sportler besser geeignet sind als die klassischen Marker.
Dazu gehört die Bestimmung des löslichen Transferrinrezeptors (TfR), der unabhängig von einer akuten Phase-Reaktion ist und einen Eisenmangel sensitiv anzeigt.
Des Weiteren ist es mit neueren Hämatologieanalysatoren möglich, wie z. B. ADVIA 120, den prozentualen Anteil hämoglobinarmer Erythrozyten (% Hypo) zu bestimmen. Das Auftreten von hypochromen Erythrozyten in der Zirkulation gilt als sensitiver Marker für das Vorliegen einer eisendefizitären Erythropoese (Referenzbereich < 2,5 %).
Inwiefern das neu entdeckte Peptidhormon Hepcidin die Diagnostik des Eisenmangels verbessert, wird derzeit intensiv untersucht. Immerhin ist nach Ausdauerleistungen das Hepcidin erhöht. Das könnte nach einer neueren Hypothese zur Entwicklung einer Eisenmangelanämie beitragen.

Literatur:
Peeling, P. et al.: Eur. J. Appl. Physiol. 103, 381-91 (2008)
Röcker, L. et al. 48, 307-312 (2002)

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