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Lab 28 - Ausgabe Dezember 2008


 

Die Pseudothrombozytopenie - eine häufige Ursache erniedrigter Thrombozytenzahlen

 

Die Bestimmung der Thrombozytenzahl erfolgt im Routinelabor maschinell am Hämatologie-Analyzer, der die Zellen anhand ihrer Größe mittels Widerstandsmessung oder Streulichtimpulsen in der Blutprobe detektiert und zählt. Thrombozyten und Erythrozyten werden im gleichen Messkanal bestimmt, wobei Teilchen von 2-20 fl den Thrombozyten zugeordnet werden.

Lab28 - Ausgabe Dezember 2008

Labor - Reform - Chaos
Anti-Müller-Hormon (AMH)
Der C1-Esterase-Inhibitor-Mangel
Primärer Hyperaldosteronismus
Vitamin D-Schutz vor Osteoporose u. Karzinomen
Labordiagnostik beim Raynaud-Phänomen
Sportanämie
Pseudothrombozytopenie
Mikrobiologische Diagnostik mit MALDI-TOF
Berliner Diabeteszentrum für Schwangere
Einsendung Mikrobiologischer Proben
Steuertipp: Neuregelung der Abgeltungssteuer

Der Referenzbereich liegt bei 150.000-370.000/µl. Von einer Thrombozytopenie wird gewöhnlich bei Werten <120.000/µl oder <100.000/µl gesprochen. Nicht selten wird im Rahmen einer Routineuntersuchung mit Durchführung eines kleinen Blutbildes überraschend eine erniedrigte Thrombozytenzahl festgestellt.

Differenzialdiagnostisch kommt dann neben verschiedenen Erkrankungen (s. einschlägige Literatur) auch die nicht seltene, für den Patienten klinisch völlig unbedeutende, meist EDTA-bedingte Pseudothrombozytopenie in Betracht. Insbesondere bei Zufallsbefunden ohne korrelierende Erkrankung muss hieran gedacht werden. Aber auch in kurzem Abstand stark schwankende Thrombozytenzahlen können darauf hinweisen, denn die Ausprägung der Thombozytopenie ist abhängig von der Dauer der Einwirkung des EDTA. Erst bei längerem Stehen der Blutprobe kommt es zu zunehmendem Absinken der Thrombozytenwerte manchmal auf Werte <20.000/µl! Es handelt sich hierbei um ein relativ häufiges (1-2 % aller Blutproben!) reines in vitro-Phänomen, bei dem es durch Zählartefakte bei der automatischen Messung zur scheinbaren Verminderung der Thrombozyten kommt.

Mögliche Ursachen einer Pseudothrombozytopenie:

  1. Meist EDTA-bedingte Bildung von Thrombozytenaggregaten, die wegen ihrer Größe nicht als Thrombozyten erkannt werden. Die Ätiologie ist nicht vollständig geklärt. EDTA legt wahrscheinlich an der Thrombozytenoberfläche Strukturen frei, die mit heterophilen Antikörpern reagieren.
  2. Riesenthrombozyten >20 fl (werden auf Grund ihrer Größe nicht als solche erkannt)
  3. Partiell geronnene Blutprobe (bei schwieriger Blutentnahme, nicht ausreichendes Schwenken des Röhrchens im Anschluss)
  4. Plättchenkälteagglutinine (EDTA-unabhängig)
  5. Satellitenbildung mit neutrophilen Granulozyten im EDTA-Blut (selten)

Deshalb muss eine erstmalig festgestellte Thrombozytopenie grundsätzlich durch zusätzliche Labormethoden gesichert werden, bevor weitere diagnostische oder therapeutische Maßnahmen veranlasst werden. Meist gibt schon das Analysegerät eine Warnmeldung mit Hinweis auf Thrombozyten-aggregate. Im Labor 28 wird bei deutlich erniedrigten Thrombozytenwerten generell eine manuelle mikroskopische Zählung in der Zählkammer angeschlossen. Hiermit werden eventuell vorhandene Thrombozytenaggregate festgestellt. Liegt ein gefärbter Ausstrich im Rahmen eines großen Blutbildes vor, werden ebenfalls Aggregate und Riesenthrombozyten erkannt. Die Ursache der Aggregatbildung muss aber durch eine weitere Blutentnahme abgeklärt werden:

Am besten kommt der Patient hierzu ins Labor. Hier wird sowohl EDTA- als auch Citratblut abgenommen und sofort analysiert. Aus den gleichen Röhrchen wird dann noch einmal nach 3 Stunden die Thrombozytenzahl bestimmt.

Typischerweise findet man bei EDTA-bedingter Pseudothrombozytopenie bei der ersten Messung in beiden Röhrchen unauffällige Werte und bei der zweiten Messung nur im EDTA-Blut eine deutliche Verminderung der Thrombozytenzahl. Patienten mit einer echten Thrombozytopenie zeigen hingegen in beiden Röhrchen zu beiden Zeitpunkten vergleichbar niedrige Werte. Es sei darauf hingewiesen, dass im Citratblut durch die vorgelegte Citratlösung eine leichte Probenverdünnung (1 Teil Citrat plus 9 Teile Blut) und damit leicht niedrigere Thrombozytenwerte ermittelt werden als im EDTA-Blut.

Ist eine Blutentnahme im Labor nicht realisierbar, sollten in der Praxis je eine EDTA- und Citratblutprobe abgenommen und sofort zusammen mit dem Anforderungsschein (Vermerk: „Thrombozytenzahl aus EDTA- und Citrat-Blut bei V. a. Pseudothrombozytopenie“) ins Labor transportiert werden.

Da es selten auch zu Citrat- und/oder Heparin-induzierter in vitro-Thrombozytenaggregation kommt, ist zur Klärung immer erstrebenswert, die Analyse möglichst rasch nach der Blutentnahme durchzuführen.

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