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Lab 28 - Ausgabe Dezember 2008


 

Anti-Müller-Hormon (AMH)

 

Physiologie
Das AMH ist ein dimeres Glykoprotein, das zur Gruppe der transformierenden Wachstumsfaktoren (TGF) gehört und bei Zelldifferenzierung und Zellwachstum beteiligt ist. AMH wird beim Mann in den Sertolizellen des Hodens und bei der Frau in den Granulosazellen des Ovars gebildet.

Lab28 - Ausgabe Dezember 2008

Labor - Reform - Chaos
Anti-Müller-Hormon (AMH)
Der C1-Esterase-Inhibitor-Mangel
Primärer Hyperaldosteronismus
Vitamin D-Schutz vor Osteoporose u. Karzinomen
Labordiagnostik beim Raynaud-Phänomen
Sportanämie
Pseudothrombozytopenie
Mikrobiologische Diagnostik mit MALDI-TOF
Berliner Diabeteszentrum für Schwangere
Einsendung Mikrobiologischer Proben
Steuertipp: Neuregelung der Abgeltungssteuer

Bei der Entwicklung des männlichen Embryos ist AMH notwendig, um die Zurückbildung der Müller’schen Gänge (Organlage für Uterus, Eileiter und oberen Teil der Vagina) zu bewirken. Während beim Mann die AMH-Produktion deshalb bereits in der Embryonalphase beginnt, in der Pubertät abfällt und in niedriger Konzentration lebenslang persistiert, wird das AMH bei der Frau erst mit Beginn der Pubertät in den Granulosazellen heranwachsender Follikel gebildet. Im Alter von 18-30 Jahren ändert sich die AMH-Konzentration kaum. Nach dem 30. Lebensjahr fällt der Serumspiegel kontinuierlich ab auf schließlich nicht mehr messbare Werte in der Peri-/Postmenopause.

Es besteht eine sehr gute Korrelation zwischen dem Serum-AMH-Spiegel und der Anzahl potenziell reifungsfähiger Follikel. Das AMH ist momentan der beste verfügbare Parameter zur Beurteilung der ovariellen Funktionsreserve.

Klinische Bedeutung

  • Sterilitätsdiagnostik und -therapie:
    - Beurteilung der Konzeptionschancen
    - Anpassung der Dosis bei hormoneller Stimulationstherapie
  • Familienplanung bzw. Vorhersage der Menopause:
    - Bei AMH-Werten <0,8 ng/ml tritt mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten 3 Jahren die Menopause ein
  • Zustand nach Chemotherapie im Kindes-/Jugendalter:
    - Einschätzung der verbliebenen ovariellen Reserve
  • PCOS-Diagnostik:
    - Werte >7,9 ng/ml gelten als Hinweis auf ein PCOS
  • Granulosazelltumor:
    - Verlaufskontrolle
  • Pädiatrie:
    - Pubertas praecox
    - Pubertas tarda
    - Kryptorchismus/Anorchie
    - Intersexuelle Auffälligkeiten

Literatur:
Visser et al. Anti-Muellerian hormone: a new marker of ovarian function. Reproduktion 2006 (131):1-9
M. Ludwig. Anti-Müller-Hormon. Gynäkologische Endokrinologie. 2008 (2):115-121
S. Broer et al. The role of antimullerian hormone in prediction of outcome after IVF. Fertility and Sterility, 2008 (in press)

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