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Lab 28 - Ausgabe Dezember 2006


Für Sie aus dem Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch Institutes (RKI) referiert

 

Diagnostik von sexuell übertragbaren Erkrankungen: Methoden uneinheitlich

 

Das seit 2002 bestehende STD-Sentinel (STD=Sexual Transmitted Diseases) des Robert Koch Institutes zeigt ein sehr uneinheitliches labordiagnostisches Vorgehen der Teilnehmer. So werden qualitativ unterschiedliche Nachweismethoden angewendet, mit dem Resultat nicht vergleichbarer Untersuchungsergebnisse.

Lab28 - Ausgabe Dezember 2006

Ernüchterung
Reakkreditierung im September 2006
Therapeutisches Drug Monitoring
Relevanz eines positiven Antikörpersuchtests
Parvovirus B19-Infektion in der Frühschwangerschaft
Sexuell übertragbare Erkrankungen
Empfehlungen der Ständigen Impfkommision
Borreliendiagnostik
Steckbrief : Rotaviren
Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Behandlungsmöglichkeiten bei Senkungsbeschwerden
Der Steuertipp: Steueränderungsgesetz für 2007

Dies gab Anlass zu einer standardisierten Befragung (bundesweite Querschnittsstudie) der Sentinel-Teilnehmer und darüber hinaus weiterer niedergelassener Fachärzte (Gynäkologen, Urologen, Dermatologen-Venerologen) zu den eingesetzten diagnostischen Verfahren bei Frage nach HIV-, Chlamydia trachomatis-, Gonokokken-, Trichomonaden-Infektionen und Syphilis.

Von den 2287 angeschriebenen Teilnehmern antworteten 739 (32%).

Die Ergebnisse belegen insbesondere bei der Chlamydien-Diagnostik die häufige Anwendung qualitativ nicht befriedigender Methoden und bei der Gonorrhoe einen oft nicht ausreichenden Untersuchungsumfang. HIV- und Lues-Diagnostik werden weitgehend standardisiert durchgeführt.
Die Studie ist zwar nicht als repräsentativ zu betrachten, zwischen den beiden Gruppen (Sentinel-Teilnehmer - weitere niedergelassene Ärzte) konnte aber kein wesentlicher Unterschied im Vorgehen festgestellt werden.

Möglicherweise ergibt sich bezüglich der Güte der Methodik ein eher zu positives Bild, da wahrscheinlich nur die Teilnehmer geantwortet haben, die häufig STD diagnostizieren und zu den eher erfahreneren Untersuchern zählen.

Chlamydia trachomatis (s. Tabelle)

Empfohlen wird der Nachweis mittels Nukleinsäureamplifizierung (meist PCR), der für C. trachomatis die höchste Sensitivität (90-95%) und Spezifität (100%) zeigt. Diese Methode wird jedoch zu selten angewendet (33,3%). Der Einsatz von Gensonden ist zwar preisgünstiger, es wird aber nur eine Sensitivität von 60-80% bei 99,5%iger Spezifität erzielt.

Als besonders problematisch wird die häufige Anwendung von Chlamydien-Schnelltesten in den Praxen angesehen (Gynäkologen 48,1%, Dermatologen 44%), die in einigen Studien eine noch schlechtere Sensitivität und Spezifität aufweisen. Somit bleiben viele Infektionen bei Verwendung dieser Teste unerkannt! Deshalb können sie laut RKI nicht empfohlen werden!

Serologische Antikörper-Nachweise sind bei akuter Chlamydia trachomatis-Infektion nicht indiziert sondern nur bei Chronifizierung bzw. Folgeerkrankungen angezeigt (Tubarsterilität, Reaktive Arthritis).

Chlamydien

Alle


n = 621%

Dermato-
Venero-
logie
n = 159%

Urologie


n = 71%

Gynäkologie


n = 337%

Gesundheits-
ämter

n = 32%

Schnelltest

34,0

44,4

17,1

48,1

6,3

Gensonde

25,1

22,2

33,8

25,8

15,6

NAT (z.B. PCR)

33,3

34,2

38,0

29,4

56,3

Antigentest

25,8

25,9

25,4

27,9

12,5

Antikörpertest

25,8

38,0

31,0

18,7

15,6

Sonstiges

1,1

0,6

2,8

0,9

3,1

Tabelle 1. Anteil der verschiedenen Untersuchungen 2005 auf Chlamydien nach Fach-richtung (Differenz der Gesamtzahl und der Summe der Fachrichtungen durch fehlende Zuordenbarkeit von 22 Teilnehmern)

Neisseria gonorrhoeae
Bei der GO-Diagnostik zeigen der kulturelle Nachweis und auch die Nukleinsäureamplifikation gute Ergebnisse, bei letzterer Methodik kann jedoch keine Resistenzbestimmung erfolgen.

Diese ist im Zuge der zunehmenden Resistenzen bei N. gonorrhoe zu fordern, so dass bei Nachweis von Gonokokken immer ein Antibiogramm erstellt werden sollte! Im Falle eines Gonokokken-DNA-Nachweises ist deshalb möglichst ein weiterer Abstrich für die Erstellung eines Antibiogramms zu gewinnen.
Die Rate der Teilnehmer, die keine Resistenzbestimmung durchführt ist unbefriedigend hoch – nur 30,8% führen gleichzeitig mit der GO-Untersuchung ein Antibiogramm durch.

Das RKI schlussfolgert bzw. empfiehlt demzufolge:

  • Vereinheitlichung von Diagnostikmethoden
  • Bzgl. Chlamydien-Diagnostik sollte die Nukleinsäureamplifikation als Standard-Methode etabliert werden. Schnellteste sind für die Routinediagnostik n i c h t ! geeignet. Sie haben allenfalls bei schwer erreichbaren Patienten, die direkt vor Ort diagnostiziert und therapiert werden sollen, eine gewisse Anwendungsberechtigung.
  • Im Rahmen der Gonorrhoe-Diagnostik sollten generell Antibiogramme erstellt werden.
  • Einheitliche, aktualisierte Leitlinien der Fachgesellschaften werden für eine qualitativ hochwertige und vergleichbare Diagnostik benötigt.

aus: Epidemiologisches Bulletin, 29. September 2006/Nr. 39 , Seite 333-336



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