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Der besondere Fall: Parvovirus B19-Infektion in der Frühschwangerschaft
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In diesem Jahr wurden in unserem Labor bereits 3 Fälle von Parvovirus B19-Infektionen in der Schwangerschaft diagnostiziert, anhand derer wir Ihnen den typischen serologischen Verlauf dieser Erkrankung demonstrieren möchten.
Dazu ein kurzer Überblick
(detaillierter siehe unsere Labor-Info 139)
Man rechnet mit ca. einer Parvovirus B19-Infektion auf 400 Schwangerschaften, wobei es dann in ungefähr 30% der Fälle zu einer Infektion des Kindes kommt.
In der Frühschwangerschaft resultiert nicht selten ein Spontanabort, im späteren Verlauf ein Hydrops fetalis oder auch Kindstod.
Wird eine akute Infektion der Schwangeren diagnostiziert, ist eine engmaschige Ultraschallkontrolle möglichst über die gesamte Schwangerschaft durchzuführen, da es auch noch viele Wochen nach Infektion der Mutter zur Übertragung auf das Kind kommen kann.
Nach einer Inkubationszeit von 5-14 Tagen können Symptome (Exanthem, Gelenkbeschwerden) auftreten, bei Erwachsenen fehlt eine typische Klinik aber oft. Es kommt rasch zu einer massiven Virämie (Virus-DNA mittels PCR im EDTA-Blut positiv), Antikörper werden ca. 10-12 Tage post infectionem im mütterlichen Blut nachweisbar, wobei IgG-Antikörper lebenslang nachweisbar bleiben und Immunität bedeuten. Virus-DNA sinkt nach wenigen Wochen unter die Nachweisgrenze, bleibt bei Schwangeren jedoch oft in niedriger Konzentration während der gesamten Schwangerschaft nachweisbar.
Diagnostische Probleme
- Antikörper können in der Frühphase noch negativ sein
- IgM-Antikörper können lange persistieren oder auch falsch positiv sein, so dass ihr Nachweis nicht immer mit akuter Infektion gleichzusetzen ist
- IgM-Antikörper können bereits nach wenigen Wochen wieder unter die Nachweisgrenze fallen, so dass ihr Fehlen eine kürzlich stattgefundene Infektion nicht ausschließt
Aus diesen Gründen wird im Labor 28 ein Immunoblot zum Antikörpernachweis eingesetzt, mit dem IgG- und IgM-Antikörper gegen verschiedene Virusbestandteile getrennt nachgewiesen werden. Das Muster gibt in den meisten Fällen Auskunft darüber, ob eine lange zurückliegende, eine kürzlich stattgefundene oder eine akute Infektion vorliegt. So ist in der Frühphase neben IgM-Antikörpern z. B. mit dem Nachweis von IgG gegen VP2r und VPC zu rechnen. VPC werden spätestens nach 6 Monaten wieder negativ. Zur weiteren Abklärung wird die quantitative PCR aus EDTA-Blut durchgeführt.

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Fall 1
Patientin in der 7. Schwangerschaftswoche gab an, Kontakt zu einem an Ringelröteln erkranktem Patienten gehabt zu haben.
- Blutentnahme
IgG- und IgM-Antikörper im Immunoblot negativ.
Parvovirus-DNA im EDTA-Blut jedoch hoch positiv (>4 Millionen IU/ml).
Interpretation: akute Parvovirus B19-Infektion in der Inkubationsphase.
- Blutentnahme nach weiteren 14 Tagen
Sowohl im IgG- als auch IgM-Blot fanden sich jetzt deutlich positive Antikörper mit dem zu erwartenden Muster.
Schwangerschaftsverlauf:
Die Patientin entwickelte keine Symptome. Die engmaschige sonographische Untersuchung zeigt bis jetzt (ca. 31. Schwangerschaftswoche) keine Auffälligkeiten beim Kind, insbesondere keinen Hinweis auf kindliche Anämie.
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Fall 2
Patientin in der 12. Schwangerschaftswoche berichtete über das Auftreten von Parvovirus-Infektionen im Kindergarten, in dem sie selbst als Erzieherin tätig ist. Sie entwickelte im Verlauf nur eine grippale Symptomatik.
- Blutentnahme
Es fanden sich im Immunoblot weder Parvovirus B19-IgG- noch -IgM-Antikörper.
- Blutentnahme nach weiteren 18 Tagen
Es konnten jetzt deutlich positive IgG- und IgM-Antikörper nachgewiesen werden.
Zum Ausschluss einer Probenverwechslung wurden die aktuelle Probe und die erste Blutprobe nachuntersucht und die Ergebnisse bestätigt. Eine weitere, zwei Monate alte tiefgefrorene Rückstellprobe ergab erwartungsgemäß ein negatives Resultat.
Interpretation: Serokonversion bei Parvovirus B19-Infektion. Infektionszeitpunkt sowohl
vor der ersten Blutuntersuchung als auch danach möglich.
- Blutentnahme nach weiteren 6 Tagen
Aus der neuen Probe wurden positive IgG- und IgM-Antikörper bestätigt.
Die Parvovirus-PCR war schwach positiv (3400 IU/ml) und in einem externen Labor wurden die IgG-Antikörper als reif (hochavide) gemessen.
Gesamtbeurteilung:
Der Nachweis hochavider IgG (frühestens 4 Wochen nach Infektion vorhanden) und die bereits niedrige PCR sprechen für eine Infektion bereits vor der ersten Blutentnahme, so dass sich die Patientin hier in der Inkubationsphase befand, die Antikörper jedoch noch negativ waren. Eine PCR hätte zu diesem Zeitpunkt ein hochpositives Ergebnis, jedoch ohne Konsequenz für die Frühschwangerschaft, ergeben.
Schwangerschaftsverlauf:
Abort in der 16. Schwangerschaftswoche.
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Fall 3
Patientin in der 12./13. Schwangerschaftswoche berichtete über Fieber und entwickelte im Verlauf ein Exanthem und Arthralgien. In der näheren Umgebung war nur ein Fall von Scharlach aufgetreten.
- Blutentnahme
Nachweis von Parvovirus B19-IgG- und -IgM-Antikörpern im Immunoblot.
IgG gegen VPC war nachweisbar.
Interpretation: Verdacht auf akute Infektion.
DD: zurückliegende Infektion, jedoch nicht länger als 6 Monate (da VPC-IgG vorhanden) mit lang persistierendem IgM.
- Blutentnahme nach weiteren 3 Tagen
Nachweis von Parvovirus B19-DNA im EDTA-Blut (46.000 IU/ml).
Gesamtbeurteilung:
kürzlich stattgefundene Infektion mit Parvovirus B19.
Schwangerschaftsverlauf:
In der kurz nach der Diagnose veranlassten sonographischen Feindiagnostik fand sich lediglich eine im oberen Referenzbereich liegende Fließgeschwindigkeit der Arteria cerebri als möglicher Hinweis für eine beginnende Anämie. Im Verlauf wurde dann ein generalisierter Hydrops in der 16. Schwangerschaftswoche mit Kindstod diagnostiziert.
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Fazit:
Bei unklaren serologischen Konstellationen, bei Verdacht auf Parvovirus-Infektion in der Inkubationszeit oder bereits einige Wochen zurückliegende Infektion sollte ergänzend eine PCR-Untersuchung zur Erkennung einer Parvovirus B19-Virämie (EDTA-Blut) erfolgen.
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