|
Verschiedene Mechanismen können für Nahrungsmittelunverträglichkeiten verantwortlich sein: Abgesehen von der größten Gruppe der funktionellen Nahrungs-mittelunverträglichkeiten, wie z. B. das Colon irritabile oder das Dyspepsie-Syndrom, sind labordiagnostisch die allergischen bzw. pseudoallergischen Reaktionen in Abgrenzung zu weiteren spezifischen bzw. unspezifischen Nahrungsmittelintoleranzen (z.B. Malassimilationssyndrom, Dumping-Syndrom) von Interesse. Typische Nahrungsmittelallergien vom Typ I (IgE-vermittelt) kommen meist im Säuglingsalter vor, vor allem bei atopischen Kindern. Ein zweiter Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr. Die vorwiegend IgE-vermittelten Immunreaktionen manifestieren sich klinisch an Haut, Gastrointestinaltrakt und - eher selten - an der Lunge. Sie sollen jedoch auch ein chronisches Asthma unterhalten können (1). Ein Asthma ohne gastrointestinale Beschwerden oder ein Hautekzem hingegen soll jedoch nur selten auf eine Nahrungsmittelallergie zurückzuführen sein. Am Gastrointestinaltrakt sind Symptome nach ca. 1-2 h (Übelkeit, Erbrechen) bzw. 6 h (Diarrhoe, Koliken) zu erwarten. Seltener ist eine chronisch persistierende eosinophile Gastritis bzw. Enterokolitis mit Appetitmangel und Gewichtsverlust. Während die klassische Nahrungsmittelallergie gegenüber „stabilen“ Proteinen (weder durch Erhitzen noch durch Magensäure zerstörbar) vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern vorkommt, dominieren im Jugendlichen- bzw. Erwachsenenalter die pollenassoziierten, kreuzreaktiv bedingten Nahrungsmittelreaktionen (v. a. Birke).
Tabelle 1: Häufige Nahrungsmittelallergene (2) Eine diagnostische Möglichkeit zur Erkennung der Typ I-Reaktionen ist die Bestimmung des allergen-spezifischen IgE (siehe Labor 28-Allergie-Anforderungsbogen, z.B. fx5 Nahrungsmittelscreen und verschiedene Nahrungsmittelmischungen sowie Einzelallergene) im Serum bzw. des allergenspezifischen CD63-Markers im Basophilen-Aktivierungstest (EDTA-Blut mit Anmeldung, z. B. Lebensmittelfarben I und II und verschiedene Einzellallergene). Letzterer eröffnet auch den Nachweis geringster spezifischer, ggf. lediglich zellgebunden vorkommender IgE-Konzentrationen und kann auch pseudoallergische Nahrungsmittelreaktionen Eine Abklärung möglicher Kreuzallergien zwischen Pollen und Nahrungsmitteln mit womöglich therapeutischen Konsequenzen kann für bestimmte Konstellationen über die Untersuchung rekombinanter Allergene versucht werden (siehe Laborinfo Nr. 130, August 2005). Differenzialdiagnostisch muss bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten auch an pseudoallergische Reaktionen durch einen relativen oder absoluten Enzymmangel , wie z. B. für biogene Amine (ggf. in Konservierungsmitteln, Farbstoffen, Schinken, Wurst, Käse) gedacht werden, welcher durch Hemmung des Histamin-Serotonin-Abbaus zu entsprechenden Gewebereaktionen führt. Wegweisend ist hier die Anamnese hinsichtlich Unverträglichkeit histaminhaltiger Nahrungsmittel. Die Diagnose der - häufig erworbenen - Histaminintoleranz kann durch die Bestimmung der Diaminooxidase im Serum gestellt werden. Spezifische Nahrungsmittelunverträglichkeiten können Folge weiterer Enzymdefekte sein, wie bei der Laktoseintoleranz, die durch den Laktasegentest (EDTA-Blut) erkannt werden kann. Toxinbedingte Gastroenteritiden können das klinische Bild einer Nahrungsmittelunverträglichkeit imitieren. Literatur
[nach oben] [zurück] [nächster Artikel] |