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Lab 28 - Ausgabe Dezember 2006


 

Borreliendiagnostik

 

Gibt es neben der Antikörperbestimmung sinnvolle ergänzende Teste?

Die Diagnostik einer Borreliose ist aufgrund der Heterogenität der Erreger sowie der hohen Praevalenz der Antikörper in der gesunden Bevölkerung nach wie vor problematisch.

Lab28 - Ausgabe Dezember 2006

Ernüchterung
Reakkreditierung im September 2006
Therapeutisches Drug Monitoring
Relevanz eines positiven Antikörpersuchtests
Parvovirus B19-Infektion in der Frühschwangerschaft
Sexuell übertragbare Erkrankungen
Empfehlungen der Ständigen Impfkommision
Borreliendiagnostik
Steckbrief : Rotaviren
Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Behandlungsmöglichkeiten bei Senkungsbeschwerden
Der Steuertipp: Steueränderungsgesetz für 2007

In letzter Zeit werden zunehmend Methoden angeboten, die angeblich zwischen aktiver Borreliose und einer sog. Serumnarbe (anamnestische Antikörper) differenzieren können, und/oder zur Therapiekontrolle geeignet sein sollen.

Darunter fallen:

  • LTT (Lymphozytentransformationstest)
  • CD 56/57 u. a.
  • VCS (Visual Contrast Sensitivity Test)
  • Antigennachweis in Körperflüssigkeiten
  • PCR im Urin oder in der Zecke
  • Nachweis sog. „cystischer Formen“

Im Folgenden eine kurze Darstellung der am häufigsten eingesetzten, aber von Experten nicht zu empfehlenden Methoden:

LTT
misst die zelluläre Immunantwort, d. h. Proliferation von Lymphozyten im Blut nach Stimulation mit Borrelienantigen.
Der Test ist nicht standardisiert. Offen ist, welche Borrelienspezies, welcher Stamm oder welches rekombinante Antigen geeignet ist.
Nach bisherigen Studien ist der LTT im Vergleich zur Antikörperbestimmung weniger sensitiv und insbesondere weniger spezifisch, so dass nach Einschätzung der Experten die Gefahr falsch positiver Ergebnisse groß ist. Eine Unterscheidung zwischen aktiver Infektion und Serumnarbe ist auch mit dem LTT nicht möglich.

CD 56/57-Test
hier gilt die gleiche Aussage wie für den LTT, jedoch gibt es bisher keine ausreichenden Daten zur Sensivität und Spezifität.

VCS-Test
Dem Test liegt die Hypothese zugrunde, dass Borrelien ein Neurotoxin produzieren, welches u. a. an den Nervus opticus bindet und dort eine messbare Funktionseinschränkung (Defizit bei Erkennen der Grautöne) hervorrufen würde.
Dazu die Experten: Alles reine Spekulation. Es gibt keine Evidenz, dass überhaupt ein Neurotoxin vorhanden ist.
Der Test als auch die daraus abgeleiteten therapeutischen Empfehlungen müssen definitiv abgelehnt werden.

Nachweis von Borrelien in Zecken
Wegen niedriger Infektions- und Manifestationsrate, ungenügendem negativen und positiven Vorhersagewert und fehlender Evidenz für eine sinnvolle Prophylaxe wird die Untersuchung auf Borrelien in vom Menschen entfernten Zecken nicht empfohlen.

Die diagnostische Sensitivität und Spezifität der verschiedenen Nachweismethoden ist unklar. Selbst bei infizierter Zecke kommt es meist nicht zur Übertragung und auch die Übertragung der Borrelien auf den Menschen führt nur in einem Teil zur klinischen Infektion.

PCR
Nachweis von Borrelien mittels PCR in Körperflüssigkeiten wird derzeit für die Routine nicht empfohlen (Heterogenität der Erreger, fehlende Standardisierung).
Blut: nicht geeignet, Borrelienanwesenheit zu kurz
Urin: nicht geeignet, zu viele Inhibitoren
Liquor: zu geringe Sensivität (10–20%)
Gelenkpunktat/Synovia: eingeschränkte Indikation für atypische, unklare Fälle (50–70% Sensivität)

Empfehlung von Prof. Dr. H. W. Pfister (Universitätsklinikum Großhadern) anlässlich der Neurowoche in Mannheim 2006:

Hierauf sollten Sie verzichten:

  • Mikrobiologische Diagnostik ohne klinische Indikation
  • PCR als Suchtest
  • PCR aus Blut und Urin
  • Borrelien-Nachweis in Zecken für die Routine-Diagnostik
  • Immunblot als Suchtest oder bei negativem Suchtest
  • Antikörper-Nachweis zur Therapiekontrolle
  • Graustufen-Sehtest (VCS)
  • Lymphozytentransformationstest

Zusammengefasste Stellungnahme des Referenzzentrums für Borrelien:
Diese Teste sind nicht ausreichend evaluiert, unzuverlässig und zum Teil sehr teuer und werden für diagnostische Zwecke nicht empfohlen.

Literatur
Mikrobiologie 15. Jg. 2005,
Wilske/Fingerle
Referenzzentrum für Borrelien
Max v. Pettenkofer-Institut München

aktualisiert Symposium Frankfurt Okt. 2006,
Fingerle: Mikrobiologische Diagnostik der Lyme Borreliose und neueste Entwicklungen



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