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Lab28 - Ausgabe Dezember 2005


 

Neugeborenen-Sepsis durch Streptokokken Gruppe B

 

Empfehlungen zur Prophylaxe perinatal erworbener Infektionen der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

Lab28 - Ausgabe Dezember 2005

Qual nach der Wahl
LC-MS/MS - eine neue Diagnostik
Kontrollen der Albumin-Ausscheidung
Neugeborenen Sepsis durch Streptokokken
Natürliche PSA-Schwankungen
Der interessante Fall
Resistenzsituation von Helicobacter Pylori
Proinsulin - Insulinresistenz
Vaskulitis - Diagnostik
Retikulozyten-Produktions-Index
NewsLetter Online
Fortbildungen 2006
Der Steuertipp: Bildungskosten

Streptokokken der serologischen Gruppe B (S.agalactiae) sind eine häufige Ursache für schwere Infektionen des Neugeborenen. Eine Besiedelung des mütterlichen Genitaltraktes führt zur Besiedelung des Kindes mit dem Risiko einer Neugeborenen-Erkrankung.

Man unterscheidet zwei verschiedene Formen. Die frühe Form der Infektion (Early Onset), die in den ersten Stunden bis Tagen nach der Geburt auftritt, äußert sich als schwere Allgemeininfektion mit Lungenentzündung. Der Krankheitsverlauf kann sehr dramatisch mit schwerer Schocksymptomatik sein, mit neurologischen Langzeitschäden muss gerechnet werden.

Die Streptokokkeninfektionen, die ca. eine Woche nach der Geburt auftreten, werden als späte Neugeboreneninfektionen bezeichnet (Late Onset). Sie sind häufig von einer Meningitis begleitet und Vorsorgemaßnahmen nicht zugänglich.
Die frühe Infektion tritt bei 0,5 von 1000 Neugeborenen auf. Die Mehrzahl (ca. 80%) betrifft reife Neugeborene, die Sterberate liegt bei 4%.

Als Risikofaktoren einer Erkrankung gelten folgende:

  1. Nachweis von S.agalactiae im Genital-Rektalbereich der Mutter zum Zeitpunkt der Entbindung, besonders in hoher Keimdichte.
  2. Dauer zwischen Blasensprung und Entbindung mehr als 18 Stunden.
  3. Fieber unter der Geburt.
  4. Frühgeburt vor der 37. Woche.
  5. Nachweis von B-Streptokokken im Urin während der Schwangerschaft.
  6. Zustand nach Geburt eines Neugeborenen mit B- Streptokokkeninfekt.

Zur Vermeidung dieser frühen B- Streptokokken-Erkrankung gelten für Deutschland zur Zeit folgende Empfehlungen:

  • Möglichst alle Schwangeren werden zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche kulturell auf B- Streptokokken untersucht.
  • Der Abstrich wird vom Vaginaleingang entnommen. Eine zusätzliche Abstrichentnahme von der Analregion erhöht die Nachweisrate.
  • Der Abstrich sollte in einem bakteriologischen Transportmedium ins Labor zur Untersuchung durch Anzucht gelangen.
  • Schnellteste sollten nicht durchgeführt werden, da ihre Treffsicherheit zu gering ist.
  • Falls bei der Schwangeren eine schwere Penicillinallergie vorliegt, sollte eine Resistenzbestimmung, besonders gegen Clindamycin, vom Labor angefordert werden.

Beim Nachweis von B-Streptokokken wird der Schwangeren eine Chemoprophylaxe vom Wehenbeginn bzw. Blasensprung bis zur Entbindung vorgeschlagen.

Mittel der Wahl ist das Penicillin G. Zu Beginn werden 5 Mio. E i.v. verabfolgt, anschließend alle 4 Stunden 2,5 Mio. E. Ampicillin ist eine wirksame Alternative, sollte aber wegen des breiteren Wirkungsspektrums nicht verwendet werden. Bei nicht zu ausgeprägter Penicillin-Allergie kann Cefazolin zur Anwendung kommen (zu Beginn 2 g, dann alle 8 Stunden bis zur Geburt 1 g ).
Clindamycin sollte nur nach Testung bei stark ausgeprägter Penicillin-Allergie gegeben werden.
Bei Frauen mit primärer Schnittentbindung (ohne Blasensprung und Wehentätigkeit) kann auf die antibiotische Prophylaxe verzichtet werden.

Liegt bei einer Entbindung das Ergebnis der Streptokokkenkultur nicht vor, sollte bei folgenden Risikofaktoren eine Prophylaxe während der Geburt durchgeführt werden:

  1. Drohende Frühgeburt vor der vollendeten 37. Woche.
  2. Blasensprung vor länger als 8 Stunden.
  3. Fieber der Mutter über 38 °C.

Bei negativem Kulturergebnis innerhalb von 5 Wochen vor der Geburt kann auf eine Chemoprophylaxe verzichtet werden.

Kinder mit Zeichen einer bakteriellen Infektion müssen unabhängig von der Risikokonstellation und der Antibiotikaprophylaxe während der Geburt unverzüglich zur weiteren Diagnostik und Therapie in eine Kinderklinik verlegt werden.
Kinder ohne klinische Zeichen einer Infektion werden nach Chemoprophylaxe 72 Stunden engmaschig klinisch und laborchemisch kontrolliert.

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