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Lab28 - Ausgabe Dezember 2004


 

Morbus Wilson

 

Der Morbus Wilson ist eine autosomal rezessiv vererbte Kupferstoffwechselstörung.
Die Prävalenz der Erkrankung liegt bei 1:30.000 und die Häufigkeit der heterozygoten Merkmalsträger wird auf 1:80 bis 1:100 geschätzt.

Lab28 - Ausgabe Dezember 2004

Blick nach vorn
Klinische Chemie
1. Gesundheitsmesse Berlin-Brandenburg
Norovirus-Gastroenteritiden
Händedesinfektion
Untersuchung von Trinkwasser
Morbus Wilson
Gering erhöhter TSH-Wert
Hepcidin
Chlamydia trachomatis Serologie
Kalium Bestimmung als Screening
CD63 - Aktivitätsmarker für Allergien
Der Steuertipp: Renten und Altersvorsorge

Mit der Nahrung nimmt der menschliche Körper täglich ca. 4 mg Kupfer auf, von denen etwa 2 mg für zahlreiche enzymatische Reaktionen als essentielles Spurenelement benötigt werden. Das überschüssige, sehr zelltoxische Kupfer wird vorwiegend über die Galle in den Stuhl ausgeschieden.

Beim Wilsonpatienten ist durch eine Mutation am Chromosom 13 der Kupfertransport von der Leber in die Gallengänge gestört. Dabei findet kein Einbau von Kupfer in das Transportprotein Coeruloplasmin statt, und es kommt zur Kupferakkumulation im Hepatozyten. Ist eine kritische Schwelle erreicht, wird das Kupfer umverteilt, reichert sich in extrahepatischen Organen (v.a. Gehirn, Auge und Niere) an und wird vermehrt über die Niere ausgeschieden.

Der Morbus Wilson bietet kein einheitlich klinisches Bild. Die ersten Symptome treten in der Regel zwischen dem 5. und 30. Lebensjahr auf. Typischerweise zeigt sich zunächst eine hepatische Manifestation, deren Spektrum von einer asymptomatischen Erhöhung der Transaminasen bis zur fulminanten Hepatitis oder Leberzirrhose reichen kann. Von der Pubertät an und besonders im frühen Erwachsenenalter tritt zunehmend eine neurologisch-psychiatrische Symptomatik mit Tremor, Gang-, Sprech- und Schluckstörungen auf. Bei allen Patienten mit neurologischer Manifestation lässt sich in der Spaltlampenuntersuchung der Kayser-Fleischer-Kornealring, eine durch Kupferablagerung bedingte grünlich-braune Verfärbung des Kornealrands, nachweisen.

Die Diagnose des Morbus Wilson kann in vielen Fällen allein über gezielte Laboruntersuchungen erfolgen. Typische Befundkonstellation beim M.Wilson (1):

Coeruloplasmin i.S.
(cave: Steigerung der Coeruloplasminbildung bei
Akute-Phase-Reaktion und unter Östrogenen)

< 0,2 g/l

Freies Kupfer im Serum
(Berechnung aus Coeruloplasmin i.S. und Kupfer i. S.)

> 50 µg/dl

Kupfer im 24h-Sammelurin

> 100 µg/d

Kupfergehalt der Leber (Leberbiopsie)

> 250 µg/g Trockengewicht

Die Diagnose gilt als gesichert, wenn 2 der folgenden 4 Kriterien erfüllt sind:

  • Nachweis eines Kayser-Fleischer-Ringes in der Spaltlampenuntersuchung
  • deutlich erniedrigter Coeruloplasmin-Serumspiegel
  • exzessiv erhöhte Kupferausscheidung im 24h-Sammelurin und
  • exzessiv erhöhter Leberkupfergehalt (2).

Molekulargenetische Analysen des Wilson-Gens (ATPase 7B-Gen auf Chromosom 13) sind komplex und eignen sich nicht zur Routinediagnostik. Sie können im Rahmen von Familienuntersuchungen sinnvoll sein.

Literatur:

  1. Schmidt H.-J. Diagnostik und Therapie des Morbus Wilson, Dtsch Ärztebl 2003; 100: A 192-197
  2. Morbus Wilson. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. 2. Aufl. 2003

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