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Morbus Weil nach Walnusssammeln
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Die schwerste Verlaufsform der durch humanpathogene Leptospiren verursachte Infektion (Morbus Weil) wird nach dem Heidelberger Kliniker Adolf Weil benannt, der diesen Symptomenkomplex 1886 beschrieb.
Die Leptospirosen sind Anthropozoonosen und kommen in Deutschland sehr selten vor; sind jedoch weltweit verbreitet. Die pathogene Leptospira interrogans-Spezies weist mehr als 200 verschiedene Serotypen auf, so z. B. die Leptospira icterohaemorrhagica, den Erreger des Morbus Weil.
Infektionsquelle für den Menschen ist mit infiziertem Urin kontaminiertes Wasser. Natürliches Reservoir sind landwirtschaftliche Nutztiere, Hunde und Ratten. Demzufolge sind Kanalarbeiter und Bergleute besonders gefährdet.
Nach einer Inkubationszeit von 7 bis 13 Tagen beginnt die Erkrankung mit Fieber und Muskelschmerzen; zweigipfliger Fieberverlauf. In der zweiten Phase kommt es zu Organmanifestationen mit Meningitis, Muskelschmerzen, Vaskulitis, Exanthem, hepatorenalem Syndrom, passageres akutes Nierenversagen.
Diagnostik
Anzüchtung des Erregers aus Blut und Liquor in der ersten Woche, aus dem Urin in der zweiten Woche. Serologischer Antikörpernachweis aus Patientenserum mit KBR oder ELISA ab der zweiten Krankheitswoche.
In einer Kasuistik beschrieben Wenz et al. (DMW 126:1132-1135, 2001) einen 65-jährigen Patienten, der sich beim Walnusssammeln am Ufer eines Baches, der offensichtlich mit Rattenurin kontaminiert war, mit Leptospiren infiziert hatte.
Der Patient bekam Muskel-, Gelenk- und Kopfschmerzen sowie Schüttelfrost. Später entwickelte sich Anurie und Epistaxis. Weiterhin waren ausgeprägter Haut- und Sklerenikterus und Petechien vorhanden.
Die klinisch-chemischen Befunde zeigten eine leichte Leukozytose von 10,0/nl [normal 4 bis 9/nl]. Die Thrombozytenzahl betrug 11/nl [normal 140 bis 440 nl], Kreatinin 9,43 mg/dl [normal 0,5 bis 1,1 mg/dl], Gesamtbilirubin 18,2 mg/dl [normal <1,0 mg/dl], CRP 204 mg/l [normal <5 mg/l], BKS 84 mm/h [normal <20 mm/h].
Am 8. Tag fand sich ein positiver Nachweis von Leptospiren-Antikörper. Der Patient wurde mit einer intravenösen antibiotischen Therapie mit Penicillin G (10 Mill. Einheiten pro Tag) behandelt. Zwei Wochen nach der stationären Aufnahme wurde der Patient entlassen.
Die Leptospirose ist eine meldepflichtige Erkrankung. Im Jahr 2000 wurden in Deutschland 44 Fälle registiert, bei 18 Patienten trat ein Morbus Weil auf. Die Erkrankung hinterläßt eine serotypische Immunität.
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