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Gerinnungshemmer: Der Quick- und INR-Wert

Information für Marcumar®-Patienten oder Patienten, die vergleichbare Medikamente einnehmen (Falithrom®, Coumadin® …)

   
           
     


   
   

Worum geht es…

   
     

Bei welchen Erkrankungen werden Gerinnungshemmer verordnet?

Die Verklumpung (Koagulation) von Blutplättchen mit Entstehen eines Blutgerinnsels (Thrombus) ist lebensnotwendig, um bei Verletzungen eine Blutstillung zu erreichen. Andererseits führt eine starke Neigung zur Gerinnselbildung in den Blutgefäßen zu unerwünschten Thrombosen.
Wird ein Thrombus vom Blutstrom mitgerissen und verstopft ein Lungengefäß, spricht man von einer Lungenembolie. Beim Gesunden ist dieses komplexe System, das einerseits einen ungehinderten Blutfluss und andererseits eine optimale Blutgerinnung gewährleistet, genau austariert. Dies ist aber nicht immer der Fall. So gibt es Erkrankungen, bei denen man die Gerinnselbildung verlangsamen möchte (Antikoagulation), wie z. B. bei Patienten, die

  • ein erhöhtes (z. B. angeborenes) Thromboserisiko aufweisen,
  • bereits eine Thrombose oder auch Embolie erlitten,
  • eine künstliche Herzklappe haben, die als „unnatürliche“ Oberfläche die Zusammenballung der Blutplättchen begünstigt,
  • an Vorhoffflimmern leiden oder
  • einen Herzklappenfehler haben

   
   

Gerinnungshemmer …

   
     

Was sind orale Gerinnungshemmer?

Die Gerinnselbildung kann mit verschiedenen Medikamenten verlangsamt werden (sog. Antikoagulatien).

Viele Patienten kennen „Heparin-Spritzen“ aus dem Krankenhaus. Bei langfristiger Therapie möchte man aber lieber Tabletten (enthalten Cumarine) statt Spritzen anwenden (orale Verabreichung).

Für die Blutgerinnung sind nicht nur die Blutplättchen sonder auch in der Leber gebildete Gerinnungsfaktoren erforderlich. Zur Bildung einiger dieser Faktoren benötige die Leber das fettlösliche Vitamin K. Es ist in vielen Lebensmitteln vorhanden und wird vom Darm zusammen mit Fetten aufgenommen. Cumarine hemmen Vitamin K und drosseln somit die Bildung einzelner Gerinnungsfaktoren. Dadurch wird die Gerinnselbildung teilweise aufgehoben und die Blutungsneigung steigt.

Um eine optimale Verhütung von Thrombosen ohne eine zu starke Blutungsgefahr zu bewirken, muss die individuelle Arzneimitteldosis gefunden werden. Diese kann von einem zum anderen Patienten erheblich variieren (Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, Leberfunktion etc.) und muss insbesondere in der Anfangsphase durch häufige, regelmäßige Laborkontrollen (Quick, INR) ermittelt werden. Steht die optimale Dosis fest und sind Quick/INR stabil, können die Zeitintervalle zwischen den Testen verlängert werden.

   
   

Kontrolle der richtigen Dosierung!

   
     


Da die Gerinnungsfaktoren sehr labil sind, muss nach der Blutentnahme relativ rasch die Gerinnungsfähigkeit des Blutes bestimmt werden. Früher wurde nur der Quick in % der Norm bestimmt. Normalpersonen haben Werte von ca. 80-120%, unter Cumarinen sinkt dieser Wert ab. Da das Ergebnis des Quick-Wertes vom jeweiligen verwendeten Test-Reagenz abhängt, sind die Quick-Werte von Labor zu Labor nicht vergleichbar oder divergieren sogar innerhalb eines Labors, wenn die Reagenz-Charge wechselt. Deshalb wir heutzutage für die Wirkungskontrolle von Cumarinen die INR = Internationale Normalisierte Ratio benutzt. Durch sie ist ein einheitlicher, vergleichbarer therapeutischer Bereich auch für verschiedene Reagenzien und Messgeräte möglich! Dies wird durch Vergleich mit einem internationalen Referenz-Reagenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) möglich. Die INR-Werte sind somit auch vergleichbar, wenn sie in verschiedenen Laboren gemessen wurden. Der Quick-Wert aber kann erheblich abweichen.

Die INR liegt bei Gesunden bei einem Wert um 1 und steigt bei Einnahme von Cumarinen an. Je nach Verordnungsgrund sollte die INR in etwa zwischen 2 und 3,5 liegen. Dieses entscheidet der behandelnde Arzt.

Je höher die INR und je niedriger der Quick, umso geringer die Thromboseneigung aber umso höher die Blutungsgefahr!

Quick und INR werden taggleich in unserem Labor gemessen und sollten in den Marcumar-Pass eingetragen werden. Muss ein Patient lebenslang Cumarine einnehmen, kann er ähnliche Messungen auch selbst zu Hause oder auf Reisen mit Hilfe eines kleinen Gerätes durchführen. Dies erfordert jedoch eine intensive Schulung. Der behandelnde Arzt gibt dazu Auskunft.

   
   

Was ist im Alltag zu bedenken?

   
     

Ernährung

Eine spezielle Diät oder Berechnung der zugeführten Vitamin K-Menge ist nicht erforderlich. Eine abwechslungsreiche, ausgewogene, insgesamt vitaminreiche Kost ist zu bevorzugen. Ernährungsbedingte Schwankungen der INR kommen dann nur bei deutlicher Änderung vor, wie z. B. bei Diäten, die viele Vitamin K-reiche Gemüse enthalten (u. a. Blumenkohl, Brokkoli, Blattsalate, Spinat, Rosenkohl und Sauerkraut).

Medikamente

Viele Medikamente (verschiedene Antibiotika, Antirheumatika, Schmerzmittel etc.) verstärken die Wirkung der Cumarine, so dass es bei gleichzeitiger Einnahme zu einer Blutungsneigung kommen kann! Immer die Packungsbeilage lesen und den behandelnden Arzt vor Einnahme befragen! Ggf. Wieder engmaschige INR-Kontrollen durchführen lassen.

Reisen

Man sollte Ziele bevorzugen, an denen eine INR-Messung möglich ist, denn oft werden gerade im Urlaub die Ernährungsgewohnheiten geändert.

Zahnarzt und Operationen

Ärzte und Zahnärzte müssen wissen, dass Cumarine eingenommen werden. Kleine Eingriffe können trotz erhöhter Blutungsneigung durchgeführt werden. Bei größeren Operationen muss vorher auf eine Heparin-Therapie umgestellt werden. Dies ist unbedingt im Vorfeld mit dem beteiligten Arzt zu besprechen.

Durchfall und Erbrechen können die Cumarin-Wirkung abschwächen und eine Thrombose begünstigen.

Es ist sofort ein Arzt zu kontaktieren:

  • im Falle einer größeren Verletzung
  • bei sehr niedrigem Quick und hoher INR (z. B INR >4) wegen Blutungsgefahr
  • Blut im Urin, bierbrauner Urin
  • Blut im Stuhl, „Teerstuhl“
  • bei starkem Nasenbluten etc.