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Allergie

 
       
   


 
 

Worum geht es...

 
   


Allergien sind überschießende Reaktionen des Immunsystems auf verschiedenste körperfremde, eher harmlose Substanzen (Allergene), die in der Umwelt (z. B. Gräserpollen, Hausstaubmilben, Tiere) oder in Nahrungsmitteln vorkommen. Die Häufigkeit allergischer Erkrankungen hat in den vergangenen Jahr­zehnten insbesondere in den Industrienationen deutlich zugenommen. Schätzungsweise bis zu 20 % der Bevölkerung sind in diesen Ländern davon betroffen.

Allergischen Reaktionen spielen sich vor allem an den Grenzflächen des menschlichen Organismus zur Umwelt ab, wie z. B. an den Atemwegen, den Augen, der Haut und am Magen-Darm-Trakt.
Klinisch unterscheidet man Inhalationsallergien (durch Einatmung von Allergenen), Kontaktallergien (durch Hautkontakt mit Allergenen) und Nahrungsmittelallergien.
Nur wer seine Allergie verursachenden Substanzen kennt, kann Ihnen gezielt aus dem Weg gehen. Neben Nahrungsmittelallergien kommen jedoch häufig auch nicht immunologisch bedingte Nahrungsmittelunver­träglichkeiten vor.

Allergien gehören zu den immunologischen Überempfindlichkeitsreaktionen, die in vier verschiedene Kategorien eingeteilt werden. Am häufigsten ist die allergische Reaktion vom Soforttyp (sog. allergische Typ I-Reaktion). Dabei werden durch eine Fehleinschätzung des Immunsystems bei Erstkontakt mit einer Substanz komplexe Abwehrmechanismen in Gang gesetzt (Sensibilisierung), von denen der Betroffene zunächst nichts merkt. Bei erneutem Kontakt leitet das Immunsystem innerhalb von Sekunden bis Minuten eine Abwehrreaktion ein, die sich z. B. als Heuschnupfen, tränende Augen oder allergisches Asthma äußert.

 
 

Allergische Krankheitsbilder

 
   


Allergische Reaktionen können sich mit unterschiedlichen Beschwerden äußern. Zu den charakteristischen Krankheitsbildern zählen

  • die allergische Rhinokonjunktivitis (Heuschnupfen) mit Niesreiz, Fließschnupfen und Schwellung der Nasenschleimhaut sowie tränenden, juckenden, geröteten und geschwol­lenen Augen,
  • Husten und Atemnot bis hin zum allergischen Asthma bronchiale oder
  • das atopisches Ekzem (Neurodermitis, Nesselsucht).
  • Prickeln im Mund, Schwellung der Lippen, gastrointestinale Beschwerden (z. B. Erbrechen, Magenkrämpfe und Durchfall aber auch Fließschnupfen und Atemnot können z. B. Symptome einer Nahrungsmittelallergie sein.

Die schwerste Form einer allergischen Erkrankung ist der sog. anaphylaktische Schock, ein lebens­bedrohlicher Zustand mit Herz-Kreislauf-Versagen.

 
 

Die "Allergiekarriere"

 
   


Allergische Erscheinungen sind in den verschiedenen Lebensabschnitten unterschiedlich ausgeprägt. Einige allergische Symptome ziehen im weiteren Verlauf andere allergische Erkrankungen nach sich, ein Phänomen, das „Allergiekarriere“ genannt wird.

Allergiekarriere

Im Neugeborenen– und Kleinkindalter spielen Nahrungsmittel-bedingte allergische Reaktionen eine bevorzugte Rolle, die sich z. B. als Neurodermitis oder mit gastrointestinalen Symptomen äußern. Mit der Abnahme deren Häufigkeit nimmt die Relevanz von Inhalationsallergien zu. Die allergische Rhinitis kann hierbei vielfach als Wegbereiter eines Bronchialasthmas angesehen werden.

 
 

Allergien - wie man sie erkennt

 
   


Grundlage jeder gezielten Allergiediagnostik ist die genaue Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Der behandelnde Arzt bzw. Allergologe wird sich zunächst detailliert den Beginn, die Art und den zeitlichen Verlaufs der Beschwerden schildern lassen und nach einer erblichen Vorbelastung (Allergien in der Familie) fragen. Im Anschluss an eine sorgfältige körperliche Untersuchung wird dann entschieden, welche weiteren Untersuchungen sinnvoll sind, um die möglichen Allergieauslöser einzugrenzen.

Mit verschiedenen Hauttests kann festgestellt werden, ob das Immunsystem sich bereits mit einem bestimmten Allergen auseinandergesetzt hat. Beim Prick-Test  werden z. B. die im Verdacht stehenden Allergene in die Haut eingebracht (Intrakutantest). Liegt eine Sensibilisierung gegen einen der getes­teten Extrakte vor, zeigt sich an der entsprechenden Stelle innerhalb von 20 Minuten eine Hautrötung oder eine juckende Schwellung der Haut (Quaddel). Die Stärke der Hautreaktion erlaubt Rückschlüsse auf das Ausmaß der Sensibilisierung, allerdings meist nicht auf die klinische Bedeutung des Allergens.

Bei der Durchführung von Hauttests müssen eine ganze Reihe von Faktoren beachtet werden, welche die Reaktionsbereitschaft der Haut verändern und damit die Aussagefähigkeit der Ergebnisse beeinträchtigen können. Bei Kleinkindern wird primär meist die schonendere Blutuntersuchung bevorzugt.

 
 

Allergologische Bluttests

 
   


Ergänzend oder alternativ zum Hauttest können allergologische Bluttests durchgeführt werden. Diese sind standardisiert und sehr zuverlässig und stützen sich auf die Bestimmung bestimmter Abwehrstoffe (Antikörper), das so genannte Immunglobulin E (IgE).

Das Gesamt-IgE ist bei Allergikern oft erhöht, dient aber nur zur Orientierung. Eine höhere Aussagekraft haben allergenspezifischen IgE-Antikörper, d. h. Antikörper, die gezielt gegen bestimmte Allergene gerichtet sind. Dabei eignen sich Mischallergene besonders zur Screening-Untersuchung. Ist einer der untersuchten Gruppenteste positiv, können die entsprechenden Einzelallergene nachbestimmt werden. Bei genauen anamnestischen Hinweisen können auch sofort Einzelallergenteste durchgeführt werden.

Der Pollenflugkalender kann in manchen Fällen Aufschluss über den Grund bestimmter körperlicher Beschwerden geben. Viele Patienten mit Birken- und/oder Beifußpollenallergie weisen aufgrund der Gemeinsamkeit in der Molekülstruktur dieser Proteine z. B. allergische Reaktionen gegen Kern- und Steinobst oder Nüsse auf (Kreuzallergie)..

Häufige Kreuzallergien

  • Leitallergen Birke
    Grüner Apfel, Kirsche, Birne, Pflaume, Haselnuss, Pfirsich
  • Leitallergen Beifuß
    Gurke, Paprika, Kamille, grüner Pfeffer, Kartoffel, schwarzer Pfeffer, Löwenzahn, Tomate, Melone, Wermut

Weitere Laboruntersuchungen oder Provokationstests, bei denen der Patient unter stationären Bedingungen einem verdächtigen Allergen ausgesetzt wird, können zur Sicherung der Diagnose beitragen, kommen aber nur im Einzelfall zum Einsatz.
Grundsätzlich ist ein positiver Allergietest  nicht mit dem Vorliegen einer allergischen Erkrankung gleichzu­setzen. In wie weit ein positives Testergebnis von Bedeutung ist, kann der behandelnder Arzt nur in Zusam­menschau mit dem klinischen Beschwerdebild des Patienten beurteilen.